Erkrath: Beerenverkäuferin mit Charme

Erkrath : Beerenverkäuferin mit Charme

Serie: Mein Job im Grünen (5). Paulina Kusak steht ein halbes Jahr lang hinter dem Saisonstand von Gut Benninghoven und verkauft regionales Obst und Gemüse. Zu Hause in Polen hat sie Ökonomie und Logistik studiert.

Für Paulina Kusak ist die Welt in Ordnung. Besonders die rund um ihren Obst- und Gemüsestand an der Erkrather Straße. Sie hat für jeden Kunden ein entwaffnendes Lächeln übrig. Ein echtes, kein antrainiertes. Und an diesem strahlenden Morgen stehen eine Menge Leute mitten im Feld vor Pflaumen, Aprikosen, Erdbeeren und Johannisbeeren aus Ratinger Anbau. "Deutschland ist prima", sagt die hübsche Paulina, die aus dem Umfeld Krakaus kommt. Und dass ihr frisch angetrauter Mann auch hier ist, direkt hinter ihrem Wagen in den Beerenkulturen nach dem Rechten sieht, ist natürlich supertoll. Chef und Chefin vom "Bauerngarten Benninghoven" sind auch supernett. Und nicht selten kommen polnische Kunden oder Deutsche, die polnisch sprechen, an den Stand in Erkrath. Da kann sie dann auch mal die Muttersprache anwenden.

Im dritten Jahr ist die 27-jährige Polin aus der Umgebung von Krakau in Deutschland, um zu arbeiten. Mittlerweile als Festangestellte bei Benninghoven. Von April bis Oktober steht sie hinter dem kleinen Stand bei Gut Unterbach. Und obwohl es im April noch manchmal sehr ungemütlich sein kann, wenn die ersten Erdbeeren aus dem Treibhaus angeboten werden, ist das für Paulina nicht wirklich ein Thema. "Ich habe immer frische Luft und die Umgebung ist schön. Vielleicht stehe ich ein bisschen versteckt", sagt sie zu ihrer Lage etwas abseits der Hauptverkehrsstraße.

Zu Hause in Polen hat sie studiert: Ökonomie und Logistik. Am Obst- und Gemüsestand kommt ihr das zugute. Sie hat alles fest im Griff. Weiß, wie und wo das Obst angebaut wurde und wie es behandelt ist. "Da fragen viele nach", sagt sie. Darüber hinaus nordet sie die Selbstpflücker zügig und freundlich ein. Jeweils ein halbes Jahr verbringt sie in Ratingen mit ihrem Mann, der ebenfalls für Jürgen Benninghoven in der Landwirtschaft arbeitet. Auch die Mama ist im Sommer für einen Monat da. Und eine polnische Freundin hat Paulina auch hier. Aber ganz nach Deutschland kommen, das will sie dann noch nicht so schnell. "Bei uns zu Hause ist es auch schön", sagt sie. "Ich bin aber ganz ganz glücklich hier", betont sie immer wieder.

Begonnen hat sie als Erdbeerpflückerin vor drei Jahren, um sich ein bisschen dazu zu verdienen. Die vermittelende Kraft für den Job in Deutschland war der Onkel, der hier lebt. Paulina machte auch das Pflücken unter freiem Himmel Spaß. Fast mehr als ein Praktikum im Büro nach dem Studium. Von der Pflückerin hat sie sich schnell hochgearbeitet. Ob sie noch einmal einen ihrem Studium angemessenen Beruf ausüben wird? Sie weiß es nicht: "Ist das nicht schon zu spät?", fragt sie. Auf jeden Fall steht für sie fest: Sie will da sein, wo ihr Mann ist. "Ja", sagt sie, "es gibt auch Arbeit für mich in Polen. Aber die will ich nicht, wenn mein Mann in Deutschland ist."

Ihr Deutsch ist schon prima - zumindest in allem rund um den Verkauf der Früchte. "Wenn es mal regnet und weniger Leute kommen, sitze ich hier und lerne Deutsch", erzählt sie. Was sie bis jetzt kann, hat sie sich selbst beigebracht oder von den Kunden aufgeschnappt.

Derzeit ist der Freiluftjob für sie der Traum schlechthin, auch wenn er täglich von 9 bis 18 Uhr dauert. Das tolle Wetter, die freundlichen Leute und manchmal auch die netten jungen Männer, die hauptsächlich wegen der charmanten Verkäuferin kommen - das macht schon Spaß. Doch letzteres will Paulina nicht so ganz wahrhaben: "Mein Mann arbeitet direkt neben mir in den Anlagen", betont sie.

(ik)