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Erkrath: Baufirma für Arbeitsschutz ausgezeichnet

Erkrath : Baufirma für Arbeitsschutz ausgezeichnet

Der Landschaftsverband Rheinland lobt das Erkrather Unternehmen für seine Wiedereingliederung von Mitarbeitern in den Betrieb.

Große Freuden flattern oft unverhofft ins Haus. Als Personalleiterin Stefanie Hirschberg im Februar einen Brief vom Integrationsamt des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) öffnete, war durch eine gute Nachricht die Überraschung gelungen. Die Umsetzung des Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) ihrer Bilfinger Scheven GmbH ist als vorbildlich ausgezeichnet worden. Vor fünf Jahren hat Hirschberg damit begonnen, das Gesundheitsprogramm bei dem mittelständische Bauspezialisten an der Max-Planck-Straße zu etablieren: "Es ist ein Thema, das bei vielen Unternehmen leider völlig unter den Tisch fällt, obwohl es gesetzlich vorgeschrieben ist." Im Jahr 2004 wurde auf Grundlage des Paragrafen 84 des neunten Sozialgesetzbuches die Unternehmenspflicht zur Hilfe bei der Gesunderhaltung der Arbeitnehmer und deren Wiedereinstieg nach Krankheit eingeführt. In der Öffentlichkeit blieb das Gesetz weitgehend unbeachtet.

Beim Studium von Fachlektüre zum Personalrecht stieß Hirschberg für sich erstmalig auf diese BEM-Regelungen. Auch weil in der Baubranche das Durchschnittsalter der Belegschaft stetig steigt, war sie vom allseitigen Nutzen eines Präventiv- und Nachsorgeangebots überzeugt. Den Schwerbehindertenbeauftragten des Unternehmens Norbert Niehus inspirierte hingegen eine Schulung beim LVR: "So fanden wir beide unabhängig voneinander das BEM gut. Und dann haben wir gemeinsam gesagt: das stellen wir jetzt mal auf die Beine." Inzwischen konnten Mitarbeiter in 53 Fällen unterstützt werden, zum Beispiel durch verschiedene Arbeitshilfen. Dazu werden etwa schonende Manschetten für die Ellenbogen oder besonders leichte und individuell geformte Sicherheitsschuhe bereitgestellt. Niehus selbst ist ebenfalls erfolgreicher BEM-Fall. 23 Jahre lang arbeitete der Rohrnetzmeister auf Baustellen. Als das aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ging, wurde sein Arbeitsplatz kurzerhand neu erschaffen. Heute gibt Niehus seine Erfahrung in der betriebseigenen Werkstatt als Ausbildungsleiter an 20 angehende Anlagenmechaniker Fachrichtung Rohrsystemtechnik weiter. Betriebsrätin Iris Kupperschmidt komplettiert die dreiköpfige BEM-Koordinierungsgruppe. Zur Einführung des BEM wurde eine Betriebsvereinbarung geschlossen. Die Umsetzung der Einzelprojekte wird in der BEM-Gruppe ausgewertet. Nachdem der Betriebsarzt Hans-Christian Günther in einigen Fällen rückenstabilisierender Stützgurte, die den Nierengürteln für Motoradfahrer ähneln, empfohlen hatte, entschied die Gruppe, solche Gurte allen Mitarbeitern anzubieten. Die Rückmeldung auf die Anschaffung fiel aus den Reihen der knapp 200 im gewerblichen Tief- und Rohrleitungsbau tätigen Mitarbeiter positiv aus. Durch schwere körperliche Belastung haben viele mit Rückenleiden zu tun. Seit Ausgabe der Gurte gab es keinen rückenbedingten BEM-Fall mehr. Verbunden mit der LVR-Auszeichnung ist neben der Verleihung einer Urkunde und einer Würfelplastik, eine Prämie von 10 000 Euro. Für welches Projekt dieses Geld verwendet werden soll, wird nun im Rahmen einer Mitarbeiterbefragung unter allen Mitarbeitern ermittelt.

(RP)