Ausstellung: Zwei Seelenverwandte im Erkrather Kunsthaus

Erkrath : Zwei Seelenverwandte im Kunsthaus

Anna Owsiany-Masa aus Erkrath und Klaus Stecher alias Klasté aus Wülfrath stellen neue Arbeiten vor.

Bloß zehn Kilometer liegen zwischen dem Zeichenzimmer von Anna Owsiany-Masa im Millrather Schultürmchen und dem Wohnatelier von Klaus Stecher in der winkligen Wülfrather Altstadt. Das ist ein kleiner Sprung für Katzen, aber in der Kunstwelt ist es überraschend weit entfernt.

Dazwischen liegt ein unsichtbarer Graben. Er trennt die Hauptstadt Düsseldorf, die sich nun Rheinländerin nennt, vom übrig gebliebenen Bergischen Land. Hüben findet man Backsteine, das Welttor Flughafen und eine Kunstakademie. Drüben gibt es Fachwerk, Hinterwald und Ehrlichkeit. Schlägt sich all das auch in der derzeitigen gemeinsamen Ausstellung von Anna Owsiany-Masa und Klaus Stecher im Kunsthaus Millrath wieder?

Die Antwort ist ein eindeutiges „Schon!“ Zunächst fällt jedoch eine Geistesverwandtschaft ins Auge: Beide mögen die Fragilität des Werkstoffs Papier. Auf der empfindsamen Trägerstruktur bilden die beiden auch vornehmlich erlebte Wahrheiten ab. Das betonte auch die Kunsthistorikerin Monika Kißling in ihrer einführenden Rede zur gut besuchten Ausstellungseröffnung: „Es ist eine ganz persönliche Schau mit ganz viel eigenen Erfahrungen.“

Gemein ist beiden Künstlern, dass sie gerne zur Erfrischung ins Phantastische abtauchen und sich zum Beispiel mit Aliasnamen neu getauft haben. Sie wird Ania genannt, er Klasté. Gemeinsam haben sie sich auf den luftigen Ausstellungstitel „indem wir...Bewegte Erinnerungen-gezeichnet-beschrieben-gebunden“ geeinigt. Denn auf Schriftbilder, mit denen die Gespenster der Vergangenheit besänftigt werden sollen, haben sich beide mit ihrer jeweils eigenen Handschrift spezialisiert.

Klasté zieht den Betrachter mit seinen Bildergeschichten in den Bann: Sein Schwimmenlernen im Abwasser, seine Ferientour nach Karelien oder seine Mär, wie er einst zur roten Mauritius wurde, haben durch ihre naive Wahrhaftigheit die Erzählkraft einer Scheherazade. Zur Illustration nutzt er Materialien eines Abenteurers wie Segeltuch oder Teebeutel.

Ania nimmt den Seinsschmerz in ihre Graphiken auf. Einige hat sie an schwingende Fäden aufgehängt, so dass sie einander umschweben, wie eine aus dem Fenster geworfene Sammlung von Liebesbriefen. Schwarz, beige und rot sind sie gehalten, in den Farben von Kaffee, Elfenbein und Lippenstift. Einigen Werken stellt Ania auch einen Aphorismus an die Seite: „Ob das Bild dem Spruch widerspricht oder ihn bestätigt, muss der Betrachter einfach selbst entscheiden.“ Wie das wohl aussieht?

Wer dieser ernsten Erwachsenheit von Ania oder dem anekdotenhaften Staunen des Klasté den Vorzug geben möchte, der verkennt, dass ein Graben – oder, wie die Bergischen sagen, ein Siepen – der Punkt ist, an dem sich die Hänge ein und desselben Tales treffen.