1. NRW
  2. Städte
  3. Erkrath

Astrazeneca: Freigabe sorgt für Unmut im Erkrather Impfzentrum

Verwirrung im Erkrather Impfzentrum : Astrazeneca-Freigabe sorgt für Unmut bei Impflingen und Ärzten

Wer will, soll sich mit Astrazeneca impfen lassen. Die Abstände zwischen Erst- und Zweitimpfung werden flexibler. Die schnell wechselnden Strategien aus der Politik sorgen für Wirrwarr bei Impfwilligen, ausbaden müssen es die Ärzte.

Das momentane Gezerre ums Impfen geht in die nächste Runde. Letzter Stand der Dinge ist: Jeder, der will, soll sich impfen lassen können. Denn Gesundheitsminister Jens Spahn will für die Coronaschutzimpfungen mit dem Vakzin Astrazeneca die Priorisierung sofort aufheben.

„Ich weiß gar nicht mehr, wie ich mich impfen lassen soll“, ist Karla Schmitt total verunsichert. Die Mettmannerin ist impfwillig, „das Wichtigste ist doch: Hauptsache geimpft“. Aber erst geriet Astrazeneca in Verruf, jetzt ist es „plötzlich toll, ich weiß nicht, was ich glauben soll.“ Ganz pragmatisch geht Frank Winja die Sache an: „Ich würde jeden Impfstoff nehmen, Hauptsache ist: ich werde geimpft.“ Über das Wirrwarr, das die Politik auslöst, kann er nur lachen. „Da scheint die eine Hand nicht zu wissen, was die andere tut“, sagt der 60-Jährige. „In anderen Ländern scheint das Thema besser umgesetzt zu werden.“

Auch der Abstand zwischen erstem und zweitem Impftermin soll neuerdings flexibler gestaltet werden. „Was denn nun?“, fragt Dietmar Schwarz. „Dann waren die Bestimmungen, die vorher galten, bloß Quatsch?“

  • Thomas Nasse ist im Impfzentrum Erkrath
    Impfzentrum für den Kreis Mettmann : Impfzentrum: Fachkräfte beschimpft
  • Am Impfzentrum in Erkrath, das für
    Ratingen : Impfzentrum: Fachkräfte beschimpft
  • Daniel Perreau impft einen Frau gegen
    Corona-Pandemie im Erkelenzer Land : Arzt startet mit Mini-Impfzentrum durch

Die Verunsicherung ihrer Patienten bekommen die Ärzte im Impfzentrum Erkrath tagtäglich zu spüren, wie Thomas Nasse, einer der ärztlichen Leiter des Impfzentrums, berichtet. „Wir sind der Prellbock und bekommen den Unmut der Impflinge ab“, beschreibt er die Reaktion der Leute auf die sich ständig ändernden Bestimmungen aus der Politik. Im Bemühen, ihre Patienten „bestens zu versorgen“ werden die Ärzte ebenso wie Helfer und Personal vom Sicherheitsmann bis Rot-Kreuzler inzwischen auch hemmungslos beschimpft. „Wir sind die Bösen und baden an vorderster Front aus, was die Politik einfädelt“, sagt der Arzt. „Ich habe großes Verständnis für die Verunsicherung und den Unmut“, die sich so oft von der Politik ändernden Vorgaben „lassen sich schwer bis gar nicht erklären“. Denn ausgearbeitete Konzepte sowohl zur Impfstoffbestellung wie auch zur Impfung selbst werden damit auf den Kopf gestellt. Einbestellte Impflinge würden nachfragen, „warum bekomme ich ‚nur’ Astrazeneca und nicht das gute Biontec“, berichtet er aus dem Alltag. Heftige Debatten bis zu Anfeindungen sind nicht selten.

Monheimerin Gabriele Glücks, kürzlich noch empört über das Chaos rund ums Impfzentrum, hingegen findet „nichts als lobende Worte“. Der erste Termin zur Impfung platze, „aus dem Impfzentrum kam ein Anruf zur Neuverabredung“, berichtet sie begeistert. „Bei der Telefonnummer der KV sieht es anders aus. Denen scheint alles egal zu sein“, erinnert sie sich an ein Terminangebot, das ihr nach dem Motto „Friss oder stirb“ zu funktionieren schien.