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Anwohner in Erkrath-Millrath sehen Pläne für Übergangsheim kritisch

Diskussion in Hochdahl : Anwohner sehen Übergangsheim kritisch

Der geplante Neubau einer weiteren Flüchtlingsunterkunft an der Gruitener Straße erregte die Gemüter beim Bürgerdialog. Millrath wäre überfordert, während andere Stadtteile gar nicht betroffen seien, hieß es.

Bei den jährlichen Stadtteilkonferenzen des Bürgermeisters war jetzt Hochdahl an der Reihe. Die Themen, die die Hochdahler Bürger bewegen, waren brisanter als jene in Unterfeldhaus, damit hatte Christoph Schultz schon gerechnet. Vor allem der geplante Neubau eines Übergangswohnheims an der Gruitener Straße erregte die Gemüter. Doch viel mehr, als zu sagen, die Stadt habe wegen gesetzlicher Verpflichtungen zur Flüchtlingsaufnahme keinen Handlungsspielraum, konnte der Bürgermeister in dieser Angelegenheit kaum tun.

In einer großen Runde über die Baustellen der Gesamtstadt wie Wimmersberg, Neanderhöhe, Radverkehr und Klimaschutz, schnitt Schultz in seinem Vortrag auch kurz die Situation der Flüchtlingsheime an. Bis zum Sommer habe man über 130 freie Plätze in den Unterkünften gehabt, doch dann kam das Hochwasser. Die Unterkunft an der Freiheitstraße in Alt-Erkrath wurde unterspült und kann nicht mehr genutzt werden – sie wird bald abgerissen. Dadurch fielen auf einen Schlag rund 200 Plätze weg, zusammen mit der Unterkunft am Thekhaus, die durch einen Brand im Frühjahr beschädigt wurde.

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Die obdachlos gewordenen Flüchtlinge wurden auf andere Häuser verteilt und die Stadt Langenfeld bot an, 70 von ihnen für sechs Monate aufzunehmen. Die Bezirksregierung befreite die Stadt Erkrath ebenfalls für sechs Monate von der Aufnahmepflicht. Doch diese Fristen laufen Ende des Jahres aus, so dass die dringende Notwendigkeit besteht, neuen Wohnraum für Geflüchtete zu schaffen. An der Gruitener Straße in Hochdahl, gegenüber der Grundschule Millrath, wird derzeit ein Heim mit 62 Plätzen gebaut und soll Ende des Jahres bezugsfertig sein.

Doch das reicht nicht, um aus der Unterdeckung herauszukommen. Deshalb soll auf einem Bolzplatz in Unterfeldhaus eine weitere Unterkunft entstehen; aber das wird dauern, weil erst Baurecht geschaffen werden muss. Die einzige kurzfristige Lösung wäre, dort, wo schon Baurecht und Baupläne vorliegen, nämlich an der Gruitener Straße, das vorhandene Gebäude nebenan einfach zu kopieren. Und genau dagegen erhebt sich der Widerstand der Anwohner – nicht nur, weil damit die Sportwiese in Gefahr wäre.

„Bei zwei Heimen nebeneinander würden so viele Migranten geballt auf engem Raum leben, dass die Integration darunter leiden würde“, argumentierte eine Sprecherin der Anwohner. Die Kinder der Geflüchteten würden die Grundschule Millrath besuchen und wegen ihrer Sprachbarriere das Klassenniveau senken. Insgesamt würde Millrath mit zwei Heimen am Bahnhof und einem weiteren am Falkenberger Weg in seiner Integrationsleistung überfordert, während andere Stadtteile gar nicht betroffen seien.

Laut Christoph Schultz soll mittelfristig auch eine Unterkunft in Unterfeldhaus entstehen. Der Bürgermeister betonte jedoch, dass die Schlüsselzuweisungen unvermeidbar seien und die Stadt ihrer Pflicht nachkommen müsse. Dass nun auch noch die Ausländerbehörde des Kreises einen Rechenfehler begangen habe, könne an der Verpflichtung nichts ändern.

Das sahen die Anwohner anders – sie wollen in der Sache daher am Ball bleiben.