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Absturz-Bomber im Stinderbachtal bei Erkrath war eine Halifax

Stinderbachtal : Abgestürzter Bomber war eine Halifax

Zwei Forscher haben das Rätsel um ein im März 1945 im Stinderbachtal abgeschossenes Militärflugzeug gelöst.

 Im idyllischen Stinderbachtal war Jürgen Stecher schon oft unterwegs – nicht ahnend, welche Dramatik in der Scholle steckt. Das wurde ihm erst bewusst, als er sich gemeinsam mit Helmut Grau – beide sind ehrenamtliche Mitarbeiter des LVR-Amts für Bodendenkmalpflege – daran machte, auf einer Weide nahe der Stindermühle nach den Überbleibseln eines dort Ende März 1945 abgestürzten Militärflugzeugs zu suchen.

Die beiden wussten nicht viel mehr, als dass es sich um einen amerikanischen Bomber vom Typ B-17 handeln sollte, im Volksmund der damaligen Zeit „Fliegende Festung“ genannt. Ihr Auftrag: Den Absturzort erkunden und mit einem Fundbericht für den Landschaftsverband dokumentieren. „So helfen wir Ehrenamtlichen den Archäologen des LVR, denn auch dort werden immer mehr Stellen gestrichen und es fehlt die Zeit für solche Exkursionen“, erzählt Helmut Grau, der schon mehrfach erfolgreich nach Resten von im Zweiten Weltkrieg im Bergischen Land abgeschossenen Fliegern gesucht hat.

Die Freigabe vom Wiesen-Besitzer hatten die beiden, einer akribischen Durchsicht des Areals stand also nichts mehr im Wege, außer die dort weidenden, aber friedlichen Galloway-Rinder, die die beiden Forscher neugierig beäugten und ihre Metall-Detektoren beschnüffelten. Ein erstes Fundstück fiel Grau und Stecher aber bereits ohne Einsatz von Geräten in die Hände, eine Bordlampen-Steckdose mit einer überraschenden Markierung: „Wir haben die Dose im Bach gewaschen und gesehen, dass sie mit einer englischen Krone versehen war. Sie konnte also unmöglich von einem amerikanischen Flugzeug stammen.“

Dachten Grau und Stecher zunächst, es könnten womöglich zwei unterschiedliche Flugzeuge dort abgestürzt sein, war nach zirka 300 weiteren, behutsam aus dem Boden geborgenen Fundstücken jeglicher Zweifel ausgeräumt: „Was wir vorfanden, war keine B-17, es waren die Überreste eines Halifax-Bombers der kanadischen Luftwaffe.“

Dass es sich auch noch um ein prominentes Exemplar seiner Art handelte, erfuhr das Forscher-Team einige Recherche-Tage später vom Direktor des Bomber Command Museum of Canada. Der schrieb den beiden, dass es sich bei der im Stinderbachtal frontal in den Boden gestürzten Maschine um eine der berühmtesten der kanadischen Luftwaffe handele. 82 Einsätze soll sie geflogen sein, bei ihrem 83. wurde sie wohl durch versehentlichen Beschuss von eigenen Truppen zu Fall gebracht, die Maschine mit der „Moonlight Mermaid“ (Mondlicht-Meerjungfau) an der Nase.

Helmut Grau und Jürgen Stecher konnten vor allem dank des Internets und der frei zugänglichen kanadischen Militärarchive viele Fakten rund um „ihre“ Maschine sammeln. Am meisten berührte sie aber das Schicksal der siebenköpfigen, mit 22 bis 29 Jahren noch sehr jungen Besatzung: Drei starben bei dem Absturz, vier retteten sich per Fallschirm. Einer davon wurde kurz vor Kriegsende von der Gestapo erschossen. Im Buch zum Fund (siehe Infokasten) werden sie, ihr kurzes Leben und ihre Familien, mit denen die Forscher Kontakt hatten, ausgiebig gewürdigt. „Wir wollen sie nicht heroisieren, aber ihr Schicksal geht uns nahe. Es war ein Wahnsinn, noch Bomber zu schicken, als Deutschland schon längst geschlagen war“, sagen Helmut Grau und Jürgen Stecher. Ihrem Buch haben sie ein Zitat des Unglückspiloten Stewart Millen Bonter vorangestellt, übersetzt von Helmut Grau: „Ich habe niemals gelernt, den Feind zu hassen. Ich kann im Krieg nichts Glorreiches sehen.“