Zweckverband am Tagebau Garzweiler stellt Geschäftsführer Volker Mielchen vor

Zweckverband am Tagebau Garzweiler : Von der Lausitz ins Rheinische Revier

Die Zukunft am Tagebau Garzweiler gestalten Mönchengladbach, Erkelenz, Jüchen und Titz seit 2016 zusammen. Sie schufen dazu einen Zweckverband, der jetzt mit einem Geschäftsführer und Büros in Kuckum ausgestattet wurde.

Volker Mielchen ist zum Geschäftsführer des Zweckverbands „Tagebaufolge(n)landschaft Garzweiler“ bestellt worden. Er hat seine Arbeit zum 1. Oktober in der neu geschaffenen Geschäftsstelle in Erkelenz-Kuckum aufgenommen und wurde am Dienstag in Erkelenz der Zweckverbandsversammlung offiziell vorgestellt. „Ohne eine ordentliche Führung laufen alle unsere Bemühungen ins Leere, den Menschen am Tagebau ein Stück Heimat zurückzugeben“, stellte Verbandsvorsteher Gregor Bonin aus Mönchengladbach den 47-Jährigen vor und umriss damit zugleich einen Teil seiner künftigen Aufgaben.

Ein Expertenteam hatte 2016 in einer Planungswerkstatt in Mönchengladbach-Wanlo damit begonnen, ein Drehbuch zu entwickeln, um den anstehenden tagebaubedingten Strukturwandel in Jüchen, Mönchengladbach, Erkelenz und Titz frühzeitig zu gestalten. 2017 gründeten diese vier Kommunen einen Zweckverband, um gemeinsam mehr Gewicht für ihre Themen zu erlangen. Nun tritt der Zweckverband „Tagebaufolge(n)landschaft Garzweiler“ in die nächste Phase ein, indem eine Geschäftsstelle bezogen und ein Geschäftsführer eingestellt wurden. Zwei zusätzliche Mitarbeiter sollen sich noch bis zum Jahresende hinzugesellen.

Volker Mielchen kennt sich mit dem Strukturwandel in einer Tagebauregion aus, war er doch zuvor Vorsteher des Zweckverbands Lausitzer Seenland. 17 Jahre arbeitete er dort in einem der anderen deutschen Braunkohlenreviere und weiß deshalb das Rheinische Revier einzuschätzen: „In der Lausitz ist der Strukturwandel in den 1990er Jahren krass gewesen und dauert durch den zweiten Teil des Ausstiegs aus der Braunkohle weiter an, während er im Rheinischen Revier erst beginnt. Diese Region hier ist strukturell jedoch deutlich stärker als die Lausitz aufgestellt – letztendlich aber haben alle Kommunen am Tagebaurand dieselben Grundprobleme: Es werden räumliche und soziale Netze gekappt.“

Diese Netze am Tagebau Garzweiler so weit wie möglich zu erhalten oder, wenn dies nicht möglich ist, neu zu knüpfen, wird Mielchens Aufgabe sein. „Der Ausstieg aus der Braunkohle wird zehn bis 15 Jahre dauern, weil es technisch nicht anders möglich ist. Diese Zeit aber wollen wir nutzen, um für die Menschen am Tagebau wahrnehmbar Zukunft zu gestalten“, erklärte Peter Jansen, Bürgermeister von Erkelenz. Und Jürgen Frantzen, der Bürgermeister von Titz, ergänzte: „Wir müssen jetzt rasch zeigen, dass es vorangeht. Dabei müssen wir uns auch den sozialen Folgen für die Menschen in der Region stellen.“

Erste kleinere Maßnahmen standen am Dienstag bereits auf der Tagesordnung der Zweckverbandsversammlung, wie das „Grüne Band“, das einmal parkähnlich den gesamten Tagebau umgeben soll. Dazu berichtete Gregor Bonin: „Hier sind schon erste Grundstücke zwischen Holzweiler und Jackerath definiert, auf denen man das Vorhaben beginnen könnte.“ Auch habe der Zweckverband bereits zwei Förderbescheide über jeweils 20.000 Euro erhalten, bestätigte Geschäftsführer Mielchen. Darüber werde das Leitbild für das „Grüne Band“ und für das „Innovation Valley“ auf Jüchener Stadtgebiet entwickelt.

Wie wichtig eine solche konzeptionelle Arbeit in den nächsten Monaten für Volker Mielchen werden wird, machten er wie auch der Erkelenzer Bürgermeister deutlich, der sich dabei auf Ronald Pofalla bezog. Als Co-Vorsitzender der Berliner Kohlekommission habe der in der Vorwoche bei einer Veranstaltung in Neuss klargemacht, „dass wir einen Strukturwandel hinbekommen müssen, der die Ergebnisse des Braunkohlenausstiegs vorwegnimmt“. Der Tagebau laufe, man müsse aber frühzeitig wissen, wohin diese Region gesteuert werden soll, formulierte es der neue Geschäftsführer des Zweckverbands und wies darauf hin, dass es aus vielerlei Gründen richtig sei, dabei den Tagebaubetreiber RWE Power einzubeziehen. Auf der einen Seite beispielsweise, weil er für seine Rekultivierungsflächen in der Haftung stehe, und zum anderen, „weil wir Einfluss auf diese Rekultivierung nehmen wollen, damit sie eine höhere Qualität erhält“.

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