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Zum letzten mal "Ohrenschmaus" in der Evangelischen Kirche Erkelenz

Ohrenschmaus in Erkelenz : Eine Tradition geht in die letzte Runde

Der „Ohrenschmaus“ in der Evangelischen Kirche Erkelenz lädt zu einem anderen Beisammensein in der Kirche ein als gewohnt: Musikalisches und Kulinarisches werden verbunden. Zuhörer speisen an einer langen Tafel.

In warmen Kerzenschein war die Kirche getaucht, drinnen bot sich ein anderes Bild als gewohnt: Die Kirchenbänke waren nach hinten gerückt worden, und im vorderen Bereich war eine lange Tafel gedeckt. Die Vorbereitung auf den „Ohrenschmaus“, der eine regelrechte Tradition in der Evangelischen Kirche in Erkelenz hat. Dabei treffen Musik und gemeinsames Essen aufeinander. Es gibt ein Drei-Gänge-Menü mit Sektempfang, zwischen den Gängen erklingt klassische Musik.

Wie in jedem Jahr organisierte Jugendmitarbeiterin Gabi Lanze mit ihrem Team die Veranstaltung. Seit über 30 Jahren ist sie Jugendmitarbeiterin in der Evangelischen Kirchengemeinde. „Mein Traum war immer, Kirche auch mal anders zu gestalten“, erzählt Lanze. „Vor ungefähr 13 Jahren ist dann die Idee für den Ohrenschmaus entstanden. Ich habe meine Idee der damaligen Kantorin vorgeschlagen, und sie war begeistert“.

Seitdem hat sich die Veranstaltung zu einer festen Institution entwickelt. Von anfangs 22 Plätzen ist sie auf knapp die doppelte Größe gewachsen. „Das ist aber auch die Obergrenze“, erklärte Gabi Lanze schmunzelnd. „Alles darüber hinaus wäre schwierig zu organisieren.“
Unterstützt wird Gabi Lanze seit Jahren von einem Team, das sie über die Jugendmitarbeit in der Gemeinde kennt und schätzt. „Als wir angefangen haben, waren die Jugendlichen um die 16 Jahre alt, mittlerweile sind sie Anfang bis Mitte 20 und kommen teilweise extra von weiter weg hierher, um mich zu unterstützen.“

Gekocht wird im Gemeindezentrum. In diesem Jahr servierten die Mitarbeitenden ihren Gästen zunächst Sekt und Canapés, wahlweise mit Lachscreme oder Camembertcreme. Hauptgang war eine Kürbiscremesuppe mit Croutons und Kürbiskernen. Zum Dessert ließen sich die Besucher Panna Cotta an Himbeeren schmecken.

Auch für ihre Helfer Carmen, Marina, Florian und Andy ist der Ohrenschmaus mit ihrer Gabi ein fester Termin im Kalender: „Das ist ein Muss“, sind sie sich einig.

Lanze ergänzt: „Zwei aus unserem Helferteam kommen extra noch nach, Jonas und Dominik. Jonas war maßgeblich an der Namensgebung des Ohrenschmauses beteiligt“.

Mit viel Liebe zum Detail hatte das Team um Gabi Lanze die Kirche herbstlich dekoriert: Überall fanden sich Kürbisse, Physalis und kleine Blumengestecke wieder. Das Team hatte weitestgehend auf künstliches Licht verzichtet: Windlichter und große Kerzen sorgten stattdessen für eine stimmungsvolle Atmosphäre.
Ein bisschen Wehmut schwang in diesem Jahr trotz aller Freude mit, denn der „Ohrenschmaus“ hat zum letzten Mal stattgefunden. „Ich gehe bald in Pension“, erklärt Gabi Lanze. „Meine Kollegen haben mich überredet, die Veranstaltung dieses Jahr nochmal zu organisieren, aber sie hatten mich sehr schnell überzeugt“.

Traditionsgemäß fand die Veranstaltung immer im Oktober statt, wenn die Tage wieder kürzer sind und es schon früher dunkel wird, das ist wichtig für die Atmosphäre: „Je dunkler es ist, desto besser wirkt natürlich der Kerzenschein“. Zur Begrüßung las Gabi Lanze ein „Rezept für einen gelungenen Abend“ vor: nette Leute, gutes Essen, mit Liebe und Enthusiasmus zubereitet, Musik und Tanz. „Sie dürfen später gerne hinaustanzen“, schlug sie den Gästen vor.

Für die musikalische Untermalung sorgte in diesem Jahr der Flötenkreis unter der Leitung von Mechthild Lohrengel. Sie hatten die Oper „King Arthur“ des britischen Komponisten Henry Purcell ausgewählt, nach einem Arrangement für Blockflöten von Johannes Bornmann. „Um King Arthur ranken sich zahlreiche Sagen und Legenden, unter anderem die von den Rittern der Tafelrunde“, erzählte Mechthild Lohrengel. Dies passe gut zum „Ohrenschmaus“. Gesanglich begleitet wurde die Blockflötengruppe von Stefanie Baumeister und Margaux Markgraf, Sängerinnen der Musikschule.