Zehn Jahre Freunde der Burg Erkelenz: Interview mit dem Vorsitzenden Peter Fellmin

Redaktionsgespräch mit Peter Fellmin : „Auch nach zehn Jahren noch viel Arbeit“

Zehn Jahre gibt es die „Freunde der Burg“ – Jahre, in denen viel bewegt wurde. Ein Ende der Arbeit sieht der Vorsitzende aber nicht.

Die „Freunde der Burg Erkelenz“ feiern ihr zehnjähriges Bestehen im Juli mit einem zweitägigen mittelalterlichen Fest. Der Verein war im Januar 2009 gegründet worden, die Idee dazu war zu diesem Zeitpunkt schon zwei Jahre alt. Vorsitzender Peter Fellmin erinnert sich, dass es damals „5 vor 12“ war, die Burg für die Bürger zu erhalten.

Herr Fellmin, wie und wieso war es am 21. Januar 2009 zur Gründung eines Fördervereins für die Burg Erkelenz gekommen?

Fellmin Die Idee stammt aus der Karnevalssession 2007, als ich Karnevalsprinz war und Wilfried Wiesenborn mich zu diesem Projekt angeschubst hatte. Zunächst schwebte uns damals eine Interessengemeinschaft vor, geworden ist es dann ein Verein. Schon bei der Gründungsversammlung in der Gaststätte Hessmann traten dem 30 Personen sofort bei. Ich hatte vorher Politiker, Banken, Handwerker und Architekten angeschrieben, eben alle, die uns unterstützen könnten. Viele sind damals zu unserer Gründungssitzung gekommen. Uns war schon allen klar, dass es „5 vor 12“ war, die Burg für die Bürger zu sichern.

Dieser Gedanke schlug sich sicherlich sofort in den ersten Projekten nieder ...

Fellmin ... die Burg lag 2009 wie in einem Dornröschenschlaf. Deshalb haben wir in unsere Satzung auch den Grundsatz „erhalten, sichern, nutzen“ aufgenommen. Das erste richtige Projekt war dann die Sanierung der Toiletten, die damals noch mit Wasser aus Eimern gespült wurden. Die Sanierung hat 35.000 Euro gekostet. Danach haben wir uns dem Vieringsturm zugewandt. Zunächst einmal mussten wir diesen ausmisten. Von einer alten Bierzeltgarnitur bis hin zu einem Tornister haben wir so Einiges herausgeholt. Es wurde Gestrüpp entfernt und Bäume gefällt, die bereits das Mauerwerk beschädigt hatten. Ohne unsere ehrenamtlichen Helfer und ohne Unterstützung der Stadt Erkelenz wäre das nie möglich gewesen.

Wie viele helfende Hände sind es inzwischen?

Fellmin Derzeit haben wir 82 Mitglieder. Davon sind wir etwa 14 Mitglieder, die regelmäßig auf der Burg arbeiten. Es ist immer jemand von uns vor Ort, um zu reparieren, zu streichen und zu pflegen. Gott sei Dank sind inzwischen neue, junge Leute zu uns gestoßen, die uns tatkräftig unterstützen. Fachliche Unterstützung kam immer von den Mitarbeitern vom Hochbauamt und der Unteren Denkmalschutzbehörde. Und von der Fachfirma Schleiff.

Sie sprechen davon, dass schon viele Dinge saniert und repariert worden sind. Nennen Sie doch mal ein paar für Sie besondere Projekte.

Fellmin Mit Unterstützung der Stadt und der Denkmalschutzbehörde sowie mithilfe unseren Sponsoren konnten in den vergangenen drei Jahren das neue Schutzdach mit Brüstung errichtet werden. Die Burgmauer und der Vieringsturm wurden saniert, und das Schieferdach für den Wehrgang ist neu eingedeckt worden.

Wenn Sie heute die Treppe zur Burg hochgehen, wie fühlt sich das an?

Fellmin Wir haben schon viel geschafft, ich sehe allerdings auch immer noch genug Arbeit.

Was steht denn im Jubiläumsjahr an?

Fellmin Als nächstes soll der Wolfsturm, das ehemalige Gefängnis, saniert werden. Außerdem liegen mir Menschen mit Behinderung am Herzen. Wir möchten erreichen, dass sie an Veranstaltungen auf dem Burghof teilnehmen können. Die Treppe dorthin muss saniert werden, und es ist vorstellbar, dabei eine Rampe zu integrieren. Die Untere Denkmalschutzbehörde macht sich dazu derzeit Gedanken. Was 2019 aber auch ansteht, ist unser großes Jubiläumsfest.

Erzählen Sie, was ist geplant?

Fellmin Wir stecken noch mitten in den Vorbereitungen. Was sich aber abzeichnet, ist, dass wir unser Ritterlager bis in den Ziegelweiherpark ausweiten können. Es haben sich Ritterschaften aus Gangelt und dem Bergischen Land sowie eine Pferdetruppe aus Düsseldorf angekündigt. Es wird ein handbetriebenes Kinderriesenrad aufgestellt. Gaukler und Spielleute sind ebenfalls eingeplant. Gefeiert wird das mittelalterliche Jubiläumsfest am 13. und 14. Juli – und wir hoffen, mindestens wieder so viele Besucher wie im vergangenen Sommer begrüßen zu dürfen. Damals waren es 2000 bis 2500 Besucher, aus verschiedenen Regionen in NRW.

Heute, wo vieles an der Erkelenzer Burg saniert worden ist: Wie viele Bürger besuchen diese eigentlich im Laufe eines Jahres?

Fellmin Eine Zahl dazu haben wir nicht direkt. Die Burg wird, seitdem vieles saniert wurde, sehr häufig genutzt. Viele Kindergärten und Schulen feiern ihre Abschlussfeste oder Schulfeste. Für Geburtstage und Hochzeiten wird sie genutzt. Es finden Führungen des Heimatvereins der Erkelenzer Lande statt. Die Karnevalisten der EKG feiern ihr Burgfest, und auch die Stadt Erkelenz nutzt die Burg für verschiedene Veranstaltungen. Für die Sommerferien wird ein Ritter-Workshop für Kinder vorbereitet. Es wird wieder einen mittelalterlichen Adventsmarkt geben. Und für den dritten Advent gibt es die Idee, erstmals vom Burgturm aus einen Chor Weihnachtslieder für die Bevölkerung singen zu lassen, begleitet von einem Posaunenchor.

Das klingt in der Tat nach vielen Menschen ...

Fellmin ... ja, aber Moment: Das sind noch nicht alle Projekte für dieses Jahr gewesen. Mitglieder des Vereins werden in Zusammenarbeit mit Huber Rütten vom Heimatverein die Geschichte der Burg weiter aus- und aufarbeiten. Und in diesem Zusammenhang wollen wir die erste Etage als historisches „Zimmer“ einrichten, so das wir den Besuchern das Mittelalter näherbringen können.

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