Yaara Tal und Andreas Groethuysen in Erkelenz: Zauberkunst an zwei Konzertflügeln

Zweites Meisterkonzert : Zauberkunst an zwei Konzertflügeln

Beim zweiten Meisterkonzert der Saison in Erkelenz begeisterten Yaara Tal und Andreas Groethuysen mit ihrem meisterlichen Klavierspiel – sowohl vierhändig als auch an zwei Klavieren.

Das zweite Meisterkonzert der aktuellen Konzertreihe der Anton-Heinen-Volksschule ist von zwei hochkarätigen Musikern gestaltet worden: Das Klavierduo Tal und Groethuysen präsentierte in der Erkelenzer Stadthalle Werke von Mozart, Mendelssohn Bartholdy, Schumann und Debussy.

Die erste Hälfte spielte das Duo vierhändig an einem Flügel. Ihr wunderbar zusammengesetztes Programm begannen die Pianisten mit Wolfgang Amadeus Mozarts „Sonate für Klavier zu vier Händen D-Dur KV 381“ und dem imposanten Unisono, welches das erste Allegro einleitet.

Es folgte das viersätzige „Oktett Es-Dur op. 20“ von Felix Mendelssohn Bartholdy, in einer von ihm selbst stammenden Fassung für Klavier zu zwei Händen. Die Komposition, welche im Jahr 1825 entstanden war und im Rahmen der berühmten Sonntagsmusiken der Familie Bartholdy uraufgeführt wurde, wird häufig zurecht als das bedeutendste Jugendwerk des Komponisten gehandelt. Mendelssohn schuf das für acht Streicher gedachte Oktett im Alter von 16 Jahren als Geschenk für seinen Geigenlehrer Eduard Rietz, Verse der Walpurgisnacht aus Goethes Faust dienten ihm dabei als Inspiration für das luftige Scherzo.

Nach der Konzertpause bewiesen Yaara Tal und Andreas Groethuysen ihre Kunst an zwei Steinway-Flügeln, zunächst mit den „Studien in Kanonform für Tasteninstrument mit Pedal op. 56/1-6“ von Robert Schumann, nach einer Bearbeitung für zwei Klaviere von Claude Debussy. Die sechs im Charakter so unterschiedlichen Miniaturen komponierte Schumann ursprünglich für ein seltenes Instrument: einen Flügel, unter dem sich ein klingendes Pedal nach dem Vorbild der Orgel befand. Er selbst erstellte auch eine Fassung für das Klavier, damit das Stück öfter aufgeführt werden könne. Debussys Fassung für zwei Klaviere hat das Werk noch einmal bereichert und machte die Studien als Standardstück für zwei Klaviere populär.

Einen famosen Schlusspunkt setzten die Pianisten mit Claude Debussys „La Mer“ nach einer Fassung von André Caplet. Gerade hier ließen Yaara Tal und Andreas Groethuysen das Publikum tief auf ihre außerordentlichen technischen Fähigkeiten blicken und beeindruckten mit ihrem virtuosen Spiel dieses Musterbeispiels für impressionistische Musik. Das im Jahr 1905 vollendete Stück, dass Debussy mit „Das Meer: Drei symphonische Skizzen für Orchester“ betitelte, ist weit mehr als nur eine Skizze. Das ausgearbeitete dreisätzige Werk intoniert mit seinem freien Spiel von Motiven das überschäumende Wellenspiel, bei dem der Klang das entscheidende Element darstellt.

Nach einem tosenden Schlussapplaus bedachte das Klavierduo die Zuhörer beim Meisterkonzert der Kreisvolkshochschule in der Erkelenzer Stadthalle mit einem weiteren sehr bekannten Stück von Claude Debussy. Das „Vorspiel zum Nachmittag eines Faunes“, die eigentlich für Orchester gedachte Vertonung eines Gedichtes von Stéphane Mallarmés, wurde im Dezember 1894 in Paris uraufgeführt und verschaffte Debussy seinerzeit den Durchbruch.

Die israelische Pianistin Yaara Tal und ihr deutscher Partner Andreas Groethuysen zählen zu den weltweit führenden Klavierduos und zeichnen sich besonders dadurch aus, auch weniger bekannten Schätzen der klassischen Musik durch ihr meisterliches Spiel neue Geltung zu verschaffen. Sie fanden sich 1985 provisorisch für ein einziges Konzert zusammen – daraus entwickelte sich eine spielerisch vollkommene Harmonie, die ihnen nicht nur weltweite Anerkennung bescherte, sondern auch mehrmals mit dem „ECHO Klassik“, zehn Mal mit dem „Preis der Deutschen Schallplattenkritik“ sowie vielen weiteren Preisen belohnt wurde.

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