Wegberg: Wo die Müller Nachbarn waren

Wegberg: Wo die Müller Nachbarn waren

Am Oberlauf der Schwalm in Watern bei Wegberg liegen zwei Mühlen dicht beieinander: die Bockenmühle und die Bischofsmühle. Die Hofanlage der Bockenmühle ist gut erhalten. An der Bischofsmühle kam bis 1908 eine Dampfmaschine zum Einsatz. Ein Kamin zeugt bis heute davon.

Seelenruhig schlummert die Bockenmühle nördlich von Tüschenbroich in der kleinen Ortschaft Watern vor sich hin. Der Zugang zur alten Mühle führt über einen schmalen Weg. Dieser teilt den Mühlenweiher in zwei Hälften. Die Brücke über den Mühlbach ist von alten Mühlsteinen eingerahmt. Derzeit ist die baufällige Brücke nur für Fußgänger und Radfahrer passierbar. Sie wird in den nächsten Monaten durch eine neue Holzkonstruktion ersetzt.

Als Ölmühle errichtet

Das teilweise marode Mühlrad ist von der Brücke aus gut zu sehen. Wie bei den meisten Mühlen in der Region handelt es sich um ein unterschlächtiges Wasserrad. Die Mühleneinrichtung und die Hofanlage sind wie das Rad noch sehr gut erhalten. Allerdings ist für Besucher lediglich das Rad sichtbar, da die Mühle heute ausschließlich als Wohnraum genutzt wird.

Über die Entstehungsgeschichte der Bockenmühle ist wenig bekannt. Es gibt Hinweise, dass die Mühle um 1660 als Ölmühle errichtet wurde und zum Aachener Marienstift gehörte. Im Jahre 1771 besaß Godfried Bocken die Mühle. Seine Eltern waren Müller der Molzmühle. Die Mühle besaß damals zwei Mahlgänge, die im Wechsel mit einer Ölpresse arbeiteten und sechs Stunden täglich in Betrieb waren. Nach einem Umbau im Jahr 1847 wurde die Mühle jeden Tag zehn Stunden lang genutzt.

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1914 kauft Heinrich Brocker die Bockenmühle. Ab 1957 stellte die Familie Roggenschrot für Schwarzbrot elektrisch her. Die Kraft des Mühlrades wurde nur noch acht Stunden in der Woche genutzt. 1968 wurde der Mühlbetrieb endgültig eingestellt.

Kaum hundert Meter weiter, ebenfalls am Oberlauf der Schwalm, liegt die Bischofsmühle. Im Gegensatz zur Bockenmühle ist von der alten Mühleneinrichtung kaum noch etwas zu erkennen. Das Mühlengebäude ist ungenutzt, an den Wänden wächst Efeu. Nur die beiden Mühlsteine und der Kamin lassen erahnen, dass das Gebäude früher eine Mühle war.

Dampfmaschine im Einsatz

Lange Zeit wurde jeder Mahlgang der Mühle, die auch dem Aachener Marienstift gehörte, sechs Stunden am Tag genutzt. Nachdem ein oberschlächtiges Wasserrad eingebaut worden war, stieg die Produktion auf zehn Stunden. Der Bau eines Kamins machte ab 1882 den Einsatz einer Dampfmaschine möglich. Die Produktivität stieg. 1908 wurde der Dampfbetrieb eingestellt, der Wasserbetrieb lief bis 1956 weiter. Von da an verrichtete ein Elektromotor die Arbeit. 1960 wurde der Betrieb endgültig beendet.

(RP)
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