Erkelenz: Wirtschaftslage für den Wandel nutzen

Erkelenz: Wirtschaftslage für den Wandel nutzen

Der Wirtschaft in der Region Aachen, Heinsberg, Düren und Euskirchen geht es gut. Es dürfte in diesem Jahr noch besser werden. Das sollte ausgenutzt werden, erklärte IHK-Präsident Wolfgang Mainz auf der Vollversammlung in Aachen.

/ Aachen Wandel ist das große Thema von Wolfgang Mainz, dem Präsidenten der Industrie- und Handelskammer Aachen, bei deren Vollversammlung gewesen - digitaler Wandel, struktureller Wandel, notwendiger Wandel, Wandel auf dem Arbeitsmarkt und fehlender Wandel.

Mit dem Appell "Mut zur Veränderung" richtete Mainz vor gut 450 Gästen im Aachener Rathaus eine Forderung an die Politik und motivierende Worte an die Betriebe. "Laut unserer Konjunkturumfrage wird die Wirtschaft zwischen Wegberg und Weilerswist 2018 noch eine Schippe drauflegen - mit allen positiven Folgen, wie zunehmenden Beschäftigungszahlen, sinkender Arbeitslosigkeit, guten Erträgen und steigenden Steuereinnahmen. Doch so gut die Ausgangslage hier gerade erscheint: Sie ist eine Momentaufnahme. Wir brauchen Mut zur Veränderung, wenn wir unseren Wohlstand wahren wollen", hatte Mainz, der seit Januar als IHK-Präsident Nachfolger von Bert Wirtz aus Heinsberg ist, einen deutlichen Appell in sein Redemanuskript aufgenommen.

Die Zukunft wird Mainz zufolge "von erkennbaren Umbrüchen" geprägt sein. Er forderte, die "Wirtschaftskraft in der Städteregion Aachen sowie den Kreisen Düren, Euskirchen und Heinsberg nicht nur zu wahren". Vielmehr müsse diese gestärkt werden: "Für uns und ganz besonders für die kommenden Generationen." Ob die neue Bundesregierung aus Union und SPD dabei unterstützten kann, stellte Mainz in Zweifel: "Es gibt zwar einige neue Gesichter, aber inhaltlich scheint die 'Neo-GroKo' eine Archivarin des Status quo zu sein." Der neue Koalitionsvertrag lasse den Willen zur politischen Gestaltung vermissen. "Wo ist der Veränderungswille, den man von uns Unternehmern immer fordert, in der Politik?", fragte Wolfgang Mainz. Die Landesregierung hingegen erhielt vorsichtiges Lob: "Wenigstens in Nordrhein-Westfalen herrscht etwas mehr Klarheit. Ministerpräsident Armin Laschet will seine gesetzgeberischen Spielräume nutzen und mit den sogenannten Entfesselungspaketen Gesetze und Verordnungen vereinfachen. Wir freuen uns darüber, dass die Landesentwicklungsplanung gelockert, die Hygiene-Ampel abgeschafft und die Bürokratie in der Wirtschaft abgebaut werden soll. Daneben arbeitet die NRW-Regierung - wie wir - daran, die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung anzunehmen."

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Für "sehr gut" befand Mainz die Bemühungen zahlreicher regionaler Akteure um den Fortgang der Digitalisierung. "Geschäftsmodelle, die über Jahrzehnte hinweg erfolgreich funktioniert haben, werden innerhalb kürzester Zeit vom Markt verdrängt - teilweise ersetzt durch digitale Lösungen." Als Antwort auf diese Entwicklung hätten bereits 50 Betriebe aus dem Kammerbezirk Interesse am Ausbildungsgang Kaufleute im E-Commerce angemeldet, den die IHK vor kurzem mit ins Leben gerufen hatte. "Die Digitalisierung ist kein Schlagwort für eine Utopie", sagte Mainz. Jeder Betrieb müsse sein Geschäftsmodell auf den Prüfstand stellen und "womöglich neue erarbeiten".

Veränderung mahnte der IHK-Präsident für die Region aber auch über die Digitalisierung hinausgehend an. Er forderte einen "nächsten gestalterischen Strukturwandel. Unsere Region hat die Wende nach dem Wegfall der Montan-Industrie gut gemeistert, aber in der Produktivität liegen wir noch deutlich unter dem Landes- und dem Bundesdurchschnitt." Das habe die Wirtschaftsstudie des Prognos-Instituts zur Region Aachen im vergangenen Jahr vor Augen geführt. "Jetzt müssen wir uns gemeinsam darum kümmern, den Anschluss in der Metropolregion Rheinland zu halten. Die Wirtschaft der Region Aachen ist stark, aber sie muss dynamischer werden. Die Erfolge der Vergangenheit sind zwar die Grundlage für die Stärke von heute, aber sie sind kein Garant für den Wohlstand von morgen."

(spe)