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Erkelenz: Wilder Müll kostet 80 000 Euro

Erkelenz : Wilder Müll kostet 80 000 Euro

Der Erkelenzer Bürgermeister Peter Jansen bezieht Stellung: Wie sauber ist seine Stadt? Wo liegt der Müll? Was ärgert ihn? Wie teuer ist deren Reinigung oder könnte sie sein, wenn mehr getan würde?

Mit der "Mobilen Redaktion" ist die Rheinische Post am Freitag auf dem Wochenmarkt, um mit Bürgern, Bürgermeister Peter Jansen und "Erki", dem Arbeitskreis für eine saubere Stadt, über die Müllproblematik in Erkelenz zu diskutieren. Jansen erklärt vorab, wie er die Situation bewertet.

Wenn Sie den Vorwurf hören, in Erkelenz liege zu viel Müll auf Straßen, Plätzen und in den Gebüschen – worüber ärgern Sie sich am meisten?

Jansen Müll, Unrat und Achtlosigkeit sind leider Zeichen der gesellschaftlichen Entwicklung. Die Werte Ordnung und Sauberkeit bedeuten heute vielen wenig. Mehr denn je wird "Steuergeld" für die freundlichere Gestaltung des Wohnumfeldes ausgegeben. Dazu müssen wir auch immer mehr Geld für die Sauberkeit der Anlagen und Beseitigung des wilden Mülls ausgeben. Diese Aufwendungen müssen alle über die Müllgebühren oder Steuern finanzieren. Damit fehlt das Geld zum Beispiel bei Kindertagesstätten, Schulen und Sporteinrichtungen. Dies ärgert mich sehr.

Ist das Problem in Erkelenz größer als in anderen Städten dieser Größe?

Jansen Das Problem ist landauf und landab anzutreffen. Je größer ein Ort, eine Stadt ist, je mehr tritt die Problematik auf. In Erkelenz – wie in vielen anderen Orten auch – ist die Verschmutzung punktuell verstärkt vorzufinden. Leider sehr oft im Umfeld von Plätzen, auf denen sich viele Menschen in der Freizeit aufhalten, im Umfeld von Schulen oder auf den Wegen der Schüler zum Bus und zunehmend leider auch in Anlagen durch die Hinterlassenschaften von Hunden.

"Erki", der Arbeitskreis für eine saubere Innenstadt, engagiert sich seit Jahren für dieses Thema. Warum ziehen aus Ihrer Sicht nicht ausreichend Menschen mit, so dass die Stellen, wo Müll achtlos oder bewusst weggeworfen wird, weniger werden? Oder ist diese These falsch, und das Problem hat sich bereits verringert?

Jansen Leider hat sich das Problem noch nicht wesentlich verringert. Die Menschen lassen sich allgemein schwerer einbinden. Dies spüren auch die Vereine. Alle reden über Umweltschutz und die großen Klimathemen. Die kleinen täglichen Umweltsünden wurden dadurch aus dem Bewusstsein verdrängt. Immer mehr wurden die Menschen dazu erzogen, dass jemand – der Staat oder die Stadt – sich um die Probleme kümmert. Das Thema Eigenverantwortung und Verantwortung für die Allgemeinheit ist in den letzten Jahrzehnten scheinbar weder in der Erziehung zu Hause noch in der Schule präsent. Auch der Zusammenhang von Kosten für die Beseitigung und die Belastung der Bürger wurde nicht mehr vermittelt. Eltern, Kindergartenbetreuung, Schulen und auch die Gesellschaft, staatliche Stellen und Medien sind aufgerufen, hier zu sensibilisieren. Dies ist ein langer Prozess, aber der einzige dauerhaft richtige Weg.

Am "Heißen Draht" der RP, bei dem montags Leser anrufen können, wird oft auf das Müllproblem hingewiesen: Woher kommen die Mülltüten, die an Landstraßen beispielsweise an Bäumen abgelegt werden – sind in Erkelenz etwa die Müllgebühren zu hoch?

Jansen Erkelenz gehört, trotz eines komfortablen Müllentsorgungsangebotes, mit zu den günstigsten im Preisvergleich. Bewusst hat sich Erkelenz gegen ein Wiegesystem entschieden, da dann bei einigen vielleicht der Druck auf Einsparung der Gebühren durch "Wildentsorgung" entstehen könnte. Wilder Müll ist der teuerste Müll und kostet in Erkelenz jährlich der Allgemeinheit rund 80 000 Euro. Dazu kommen die Kosten für die zusätzlichen Reinigungsgänge gerade im Zentrum.

Oder die Glasscherben, die nach Karneval noch tagelang zwischen den Pflastersteinen auf dem Johannismarkt zu finden sind: Fehlen der Stadt finanzielle oder personelle Ressourcen, diese möglichst rasch und vollständig zu beseitigen?

Jansen Der Johannismarkt wird häufig gereinigt. Die weitere Reinigung wäre nur mit erheblichem zusätzlichen Personalaufwand machbar oder mit rund 50 000 bis 100 000 Euro für die Versieglung der Fugen verhinderbar.

Sollte es einmal im Jahr eine gemeinsame Müllsammelaktion in Erkelenz geben, bei der Vereine, Nachbarschaften, Parteien und so weiter sich gemeinsam engagieren?

Jansen Ich persönlich wäre dafür. Vor einigen Jahren wurde dies über die Bezirksausschüsse versucht zu initiieren – leider nur mit begrenztem Erfolg.

Warum stellen Sie sich den Bürgerfragen und möglicherweise der Bürgerkritik bei der "Mobilen Redaktion" der Rheinischen Post am 29. April?

Jansen Gerne möchte ich die Aktion "Erki" unterstützen und mithelfen zu sensibilisieren. Umweltschutz fängt vor der eigenen Tür an.

Andreas Speen stellte die Fragen.

(RP)