Erkelenz: Wie ein Büchsenmacher arbeitet

Erkelenz : Wie ein Büchsenmacher arbeitet

Stephan Merx ist Büchsenmachermeister. Seit 2007 betreibt er sein Geschäft in Holzweiler, seinem Heimatdorf. Der 34-Jährige berichtet von einem Beruf mit viel Verantwortung und wie er dazu kam.

Wenn Stephan Merx erzählt, dass er Büchsenmachermeister ist, wissen viele nicht, was sie damit anfangen sollen. Mit Erbsen- und Möhrenkonserven hat der Job auf jeden Fall nichts zu tun: Büchsenmacher bauen und reparieren Jagd- und Sportwaffen.

Für diesen Nischenberuf hat sich Merx nach der mittleren Reife bewusst entschieden: "Ich wollte etwas machen, wo ich mich handwerklich betätigen kann. Auch die Perspektive, mich einmal selbstständig machen zu können, war mir wichtig." Sein Interesse an Waffen und der Technik, die dahinter steckt, entspringt der Jagd, dem Familienhobby der Merx'. Der 34-Jährige hat in der Waffenstadt schlechthin gelernt: in Suhl, einem Ort in Thüringen. Drei Jahre lang hat er dort die Berufsfachschule für Büchsenmacher besucht. Entgegen aller Erwartungen hieß es im ersten Lehrjahr nur feilen, feilen, feilen – bis zur Perfektion. "Eine Waffe bekamen wir anfangs nicht in die Hand", berichtet Merx. Von den 16 Lehrlingen passte dies nicht allen, einer brach schon nach einem Jahr ab. Merx weiß die Ausbildung jedenfalls zu schätzen: "Wer dort seinen Abschluss macht, muss sich nicht um einen Job sorgen." Als Büchsenmachergeselle arbeitete er sechs Jahre in einem kleinen Betrieb in der Eifel, schließlich machte er seinen Meister. Seit 2007 betreibt er sein Geschäft in Holzweiler, seinem Heimatdorf. "Angefangen habe ich mit einer Werkbank und fünf Gewehren", erzählt er lachend. Mittlerweile bietet er in zwei Verkaufsräumen auch Zubehör rund um die Jagd an, "von der Optikpflege bis zum Wildschweinlockmittel".

Jeder Tag gestaltet sich für den Büchsenmacher anders, meist steht die Reparatur von Schäften und Schlagbolzen an oder die Montage neuer Technik. Merx' Leidenschaft gilt besonders dem Individualwaffenbau: Vier bis acht Waffen stellt er pro Jahr her, je nach Aufwand, der mit der einzelnen Waffe verbunden ist. Die Wartezeiten von bis zu sechs Monaten seien für seine Kunden "völlig akzeptabel". Sie wissen, was sie an ihm und seiner Arbeit haben. "Ein Jäger muss sich nun mal auf seine Waffe verlassen können. Und damit auf mich." Über zu wenig Arbeit kann Merx sich nicht beklagen. In seinem Geschäft ist immer etwas los, Empfehlungen laufen über "reine Mundpropaganda". Seine Kunden kommen nicht nur aus der Region, sondern reisen auch aus Hamburg oder dem Elsass an.

Der Büchsenmacher weiß um die Verantwortung, die mit seiner Tätigkeit verbunden ist: "Durch meine Arbeit stelle ich sicher, dass die Waffe eines Jägers optimal funktioniert und Tiere bei der Jagd keine unnötigen Schmerzen haben." Er liebt seinen Beruf, auch wenn er damit manchmal auf Ablehnung stößt. Seine Leidenschaft wird besonders deutlich, als er auf ein 90 Jahres altes Gewehr zeigt, das er momentan aufbereitet: "Das ist wie die Restaurierung eines Oldtimers." Die Qualität von damals sei einfach unschlagbar. Frage des Tages

(RP)