Erkelenz Was Betroffene von den Nachrichten halten

Erkelenz · Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht in Keyenberg. Die ersten E-Mails erreichten Hans-Josef Pisters am frühen Morgen: "Da wollten die Ersten im Dorf schon ein Straßenfest halten." Letztlich aber sei allen bewusst: "Das wäre zu schön, um wahr zu sein."

Viel wurde gestern zwischen Keyenberg und Immerath über die Gedankenspiele von RWE und das folgende Dementi nachgedacht. "Aber irgendwas wird da sicherlich dran sein", sagte Pisters. Gisela Berger, die Sprecherin des Bürgerbeirats von Immerath, erzählte, wie es in ihrem Kopf gerasselt habe, als sie von den Gedankenspielen hörte: "Wir Immerather sind mit der Umsiedlung fast durch. Ich frage mich, wenn ich so was höre: Warum das alles? Was mich jetzt aber viel mehr umtreibt, sind die Mitbürger, die noch am alten Ort wohnen und dort weiterhin leben wollen oder die noch umsiedeln möchten — was bedeuten solche Nachrichten für sie?"

In nächster Zeit sorgt der Gedanke, dass Erkelenzer Dörfer vielleicht von Garzweiler II verschont bleiben könnten, in den Köpfen der Betroffenen für Nachdenken. "Viele künftige Umsiedler, die vielleicht schon über einen Immobilienerwerb nachdenken, werden nun vorsichtiger sein und erst einmal abwarten", vermutet der Keyenberger Hans-Josef Pisters. Er könne sich aber kaum vorstellen, dass RWE den Tagebau tatsächlich früher ruhen lassen will, als bisher gedacht: "Dafür wurde schon zu viel investiert." Wenn es allerdings dazu käme, sei er sich sicher: "Unsere Dörfer werden sich wieder voll mit Leben füllen."

Für nicht ganz unwahrscheinlich hält Stephan Pütz das gestern öffentlich gewordene Szenario. Es zeige, dass der Tagebau nicht rentabel sei, und er fühle sich in seinen Argumenten gestützt, die er in einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe vorgebracht habe (hier steht die Entscheidung noch aus). Nicht ganz unwahrscheinlich erscheine ihm das Szenario auch, weil das Jahr 2018 für die vorzeitige Schließung des Tagebaus genannt worden sei. Dann würde die nächste große Investition für die Verlegung der Autobahn 61 anstehen. Denkbar ist für Pütz, der einer der letzten Alt-Immerather ist und für die Grünen im Erkelenzer Rat sitzt, auch, dass die in der "Süddeutschen Zeitung" dargelegten Argumente und der Verweis auf die Rentabilität von Garzweiler II dazu dienten, neue Kraftwerke vorzubereiten. "Wie auch immer, man ist ein Spielball wirtschaftlicher Interessen, und das ist eine Frechheit."

Hans-Willi Peters, Sprecher des Bürgerbeirats für die künftigen Umsiedlungsorte, die derzeit ihren neuen Standort planen, sagte, dass ihm das gestrige Dementi von RWE nicht ausreiche. Er erwarte zeitnah klarere Aussagen, jetzt sei es so, dass der Energiekonzern noch zu viel offen lasse: "Das ist für die Menschen, die sich in der Umsiedlung befinden, nicht zu ertragen." Er persönlich könne sich indes nicht vorstellen, dass der Tagebau schon in weniger Jahren ende: "Dafür wurde zu viel investiert."

(spe)
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