Vortrag in Erkelenz: Musik im Ersten Weltkrieg

Vortragskonzert in Erkelenz : Rolle der Musik in Kriegszeiten

In einem Vortragskonzert beleuchteten Professor Hans Dieter Jakubowski und drei Musiker den Ausbruch und Verlauf des Ersten Weltkrieges im Zusammenhang mit Musik.

Das Ende des Ersten Weltkrieges jährt sich am 11. November zum 100. Mal, was den Heimatverein der Erkelenzer Lande dazu veranlasste, dieses Thema und dabei insbesondere die Rolle der Musik im Ersten Weltkrieg aufzugreifen. Dies geschah in Form eines Vortragskonzertes in der Leonhardskapelle, bei dem sich Vortag und Musikbeispiele abwechselten.

Die Rolle der Musik in Kriegszeiten sei ein bislang nur wenig beleuchtetes Thema und werde oftmals unterschätzt, stellte Vortragender Professor Hans Dieter Jakubowski, pensionierter Chirurg und Vorsitzender des Fördervereins der Kantorei der Evangelischen Hauptkirche Rheydt, zu Beginn seines Vortrags klar. Im kriegerischen Kontext sei Musik in vielerlei Hinsicht bedeutungsvoll gewesen. Im Sommer 1914 wurde in Deutschland, wie auch in den anderen kriegsbeteiligten Staaten, die Musik in den Dienst des Krieges gestellt und als nationales Symbol missbraucht. Innerhalb weniger Monate wurden zahlreiche kriegsverherrlichende Werke produziert, die der Einstimmung auf den Krieg dienten und einen militaristisch aggressiven Nationalismus schürten. Musik als Waffe und Ausdruck des Heldentums, genutzt für propagandistische und patriotische Zwecke. Die Musikpädagogik diente der Kriegserziehung, sodass unter anderem zahlreiche Soldatenlieder Einzug in die Schulbücher fanden. Militärmusik wurde verharmlost und floss als bürgerliche Hausmusik in den Alltag ein und arbeitete so der ideologischen Verblendung, Manipulation und Indoktrination zu.

Auf der anderen Seite war Musik Trostspender und Mittel zur Reflexion und emotionalen und intellektuellen Aufarbeitung der grauenhaften Erlebnisse der Soldaten an der Front, als Gegenwelt zur Realität des Krieges. Sie wurde ebenfalls zum Ausdruck der Verbrüderung zwischen Feinden, wie aus Feldpostbriefen deutlich wurde, aus denen Prof. Jakubowski zitierte. Auszüge aus Briefen deutscher und ausländischer Komponisten rundeten die Darstellungen ab.

Verdeutlicht wurden die Ausführungen des Referenten anhand zahlreicher Musikbeispiele aus und zu der Zeit, eindrucksvoll vorgetragen von Sopranistin Taryn Knerr, Johannes Wedeking (Bass) und Udo Witt (Klavierbegleitung).

Die Entwicklung von der anfänglichen Euphorie und patriotischen Zustimmung zu Trauer, Leid und Kritik angesichts des Schreckens und Grauens im Verlauf des Krieges spiegelte sich auch in der Musik wider. Einerseits wurden, so Jakubowski, Kompositionen aufgegriffen, in denen eine patriotische und zustimmende Einstellung zum Krieg zum Ausdruck kommt, wie beispielsweise „Wohlauf, Kameraden“ von Christian Jakob Zahn mit Text von Friedrich Schiller aus dem Jahr 1797, das auf dem Weg an die Front gesungen wurde. Andererseits auch solche, die die Brutalität der Kriegswirklichkeit und das dadurch hervorgerufene Elend in bedrückender Eindringlichkeit ins Bewusstsein rufen und eine kritische Haltung und Kriegsverdruss widerspiegeln, wie Charles Ives‘ bekanntes „In Flanders Fields“ (Text John McCrae) und „Le Tombeau de Couperin“ von Maurice Ravel, Stücke, die beide gefallenen Kriegskameraden gewidmet sind. Die weiteren aufgegriffenen Werke stammten von Franz Lehár, Richard Strauss sowie Claude Debussy.

Am Ende schlug Jakubowski einen Bogen zu aktuellen Geschehnissen und schloss mit der Mahnung, dass Krieg auch heute Wirklichkeit ist.

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