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Erkelenz: Vieles ist in Bewegung

Erkelenz : Vieles ist in Bewegung

Umsiedlung, Stadthalle, Schulen – das sind die ganz großen Bauthemen der künftigen Monate in Erkelenz. Die Aufgabenliste des Technischen Beigeordneten Ansgar Lurweg ist um ein Vielfaches länger. Sie reicht vom Stadtmarketing bis zur Schwatten Jräet.

Nach dem Weggang von Hans-Willi Pergens steht das Stadtmarketing ohne Kümmerer da. Wie groß ist die Lücke?

Lurweg Die Lücke ist relativ groß. Herr Pergens hatte sich gerade eingearbeitet und fing eigene Projekte an. Jetzt haben wir niemanden, der sich intensiv um Themen wie den Gestaltungsleitfaden für die Außengastronomie, den Initiativkreis Stadtmarketing oder die Bürgerbroschüre kümmert. Da wird es Verzögerungen geben. Vor Beginn des neuen Jahres werden wir keinen Stadtmarketing-Manager finden.

Wird die Suche gelingen?

Lurweg Es gibt in diesem Bereich nicht so viele fähige Leute auf dem freien Markt. Schon beim letzten Mal hatten wir nur eine Handvoll Bewerber, die tatsächlich in Frage kamen. Auch die Finanzen spielen eine Rolle – mit der freien Wirtschaft können wir nicht konkurrieren.

Und Sie sagen, dass Stadtmarketing in Erkelenz nicht einfach ist. Warum?

Lurweg Es gibt bei vielen Beteiligten, ob aus Verwaltung, Politik oder Wirtschaft, unterschiedliche Auffassungen, was Stadtmarketing ist und wie man hier damit umgeht. Auch im Initiativkreis gibt es viele Vorschläge. Von daher ist ein Macher, der die Ideen vorantreibt und die Ideen bündelt, unumgänglich.

Als Teil des Stadtmarketings ließen sich auch die Entscheidungen zum Verkehr verstehen. Parkplatzerweiterungen und das Parkleitsystem mit Anzeige der freien Stellplätze sind auf dem Weg. Bei letzterem stellen Bürger die Frage: Brauchen wir das überhaupt? Erkelenz ist doch nicht Köln.

Lurweg Mein Kollege Gotzen hat gesagt: „Wir müssen uns entscheiden, ob wir Stadt oder Land sind.“ Das halte ich für entscheidend. Und: Wir ziehen keine Kunden aus Gladbach oder Heinsberg an. Wenn es uns gelingt, die Erkelenzer zum Einkaufen hier zu gewinnen, haben wir viel erreicht. Der Erkelenzer weiß aber, wo er parkt. Dem muss ich nicht zeigen wo, sondern ob er einen Parkplatz findet. Dann muss er nicht ewig suchen. Das ist die Kernidee. In dieser Hinsicht sind wir nicht anders als eine Großstadt.

Sie sehen das Leitsystem auch als Fläche der Stadtwerbung.

Lurweg Hückelhoven wirbt mit einem Elektromarkt für 2200 kostenlose Parkplätze. Mit dem Display über der Anzeige können wir uns auch positionieren. Das ist enorm wichtig für die Außendarstellung. Wir haben kein Parkplatzproblem. Aber die Kunden glauben es, wenn man es ihnen nur oft genug sagt. Nicht zuletzt können wir damit auch für weitere Stadtmarketingthemen werben.

Ärger gab’s zuletzt zur Erweiterung des Burgparkplatzes. Anwohner fühlten sich von der Verwaltung in ihrem Protest übergangen. Stimmt das?

Lurweg Sicherlich war die Gesamtsituation in der Rückschau nicht glücklich. Allerdings waren sowohl Anwohner als auch Politik über alle maßgebenden Dinge rechtzeitig informiert. Wenn es unterschiedliche Auffassungen zu Themen und Maßnahmen gibt, sollte man zu einer sachbezogenen Diskussion zurückfinden. Die Verwaltung muss politische Beschlüsse umsetzen, auch wenn die in den Gremien nur mehrheitlich, und nicht einstimmig getroffen wurden.

Die FDP hat prüfen lassen, ob die Entscheidung zum Burparkplatz rechtens war. Wie ist das Ergebnis?

Lurweg Der Antrag ist geprüft. Die Entscheidung war rechtens. Die Maßnahme wird wie geplant umgesetzt, nach der Autoausstellung im September fangen wir an. Das haben wir den Fraktionen mitgeteilt.

Gab’s noch Reaktionen?

Lurweg Nur von der FDP, ansonsten nicht. Auch nicht von den Anwohnern.

Nächstes Thema ist die Fahrradfreundliche Stadt. Wo steht Erkelenz?

Lurweg Fahrradfreundlich wird man nicht nur durch die Mitgliedschaft in der Landesarbeitsgemeinschaft. Man ist oder wird es durch anständiges Miteinander aller Verkehrsteilnehmer. Wir haben mit unseren Rad- und Wirtschaftswegen eine gute Grundstruktur. Dennoch müssen wir demnächst über ein Bündel von Maßnahmen entscheiden, die uns zum Teil gesetzlich vorgegeben sind.

Was gehört zu den Maßnahmen?

Lurweg Die Verbreiterung von Wegen, Beschilderung und Ähnliches. Auch über die Einrichtung von Fahrradstraßen, wo Rad- und Autofahrer gleichberechtigt sind, wollen wir nachdenken. Die würden sich zum Beispiel an der Brückstraße oder am Schulring anbieten.

Was hat der Ausflug in die fahrradfreundliche Stadt Kempen gebracht?

Lurweg Die Erkenntnis, dass das Fahrrad dort einen ganz anderen Stellenwert hat. Es gehört zum Selbstverständnis, ersetzt in Teilen das Auto. Insofern lassen sich Kempen und Erkelenz kaum vergleich.

Wann steht das Thema auf der politischen Tagesordnung?

Lurweg Wir werden das Paket der Politik wohl nicht zur nächsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses vorlegen können, sondern erst im November.

Kristina Hellwig führte das Gespräch.

(RP)