Schwerpunkt Krankenhausleitung Und Mitarbeitervertretung: Vertrauen und Offenheit als Basis

Schwerpunkt Krankenhausleitung Und Mitarbeitervertretung : Vertrauen und Offenheit als Basis

Genau zuhören, um Probleme und Anliegen zu verstehen, ist die Grundlage jeder sinnvollen Zusammenarbeit zwischen Firmenleitungen und Mitarbeiterschaft. Das gilt auch für den Alltag im Hermann-Josef-Krankenhaus.

"Jetzt hört mal endlich zu!" Wer kennt diesen Satz nicht aus seiner Kindheit? Dabei ging es gar nicht ums Zuhören. Dabei ging es ausschließlich darum, dass der Erwachsene dem Kind die Meinung geigen wollte, bestimmen wollte, was zu tun und zu lassen ist; Gegenrede ausgeschlossen.

Das ist nicht die Art des Zuhörens, die Jann Habbinga, Verwaltungsdirektor der Hermann-Josef-Stiftung in Erkelenz, und Bernd Franken, seines Zeichens stellvertretender Vorsitzender der Mitarbeitervertretung, pflegen. "Das Zuhören ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen", ist ihre Erfahrung. Sowohl der Verwaltungsdirektor als auch der Sprecher der Mitarbeiter setzen auf das vertrauensvolle Gespräch als Mittel der gedeihlichen Zusammenarbeit. "Da ist das Zuhören unabdingbar", sagt Habbinga. Dort, wo an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden rund um die Uhr Menschen mit Menschen für Menschen arbeiten, wird zwangsläufig viel gesprochen, fallen notgedrungen Probleme an, über die nicht nur geredet, sondern über die auch "richtig zugehört" werden muss.

Nur durch das richtige Zuhören ist es überhaupt möglich, zu verstehen, worum es eigentlich geht. Das Zuhören dient nicht der Absicht, das zu machen, was der andere haben will. "Es geht ums Begreifen des Problems." Und es geht um die Suche nach einer Lösung, die gemeinsam getragen werden kann. Für Habbinga ist Franken das "Sprachrohr der Mitarbeiterschaft", ihm zuzuhören, ist für ihn eine Selbstverständlichkeit. Der Mitarbeitervertreter ist nicht der Gegner in der anderen Ecke des Boxrings, so wie Habbinga auch für Franken nicht der "da oben" ist, der die "da unten" kleinhalten will. "Das Miteinander ist immer besser als Gegnerschaft." Wer zuhört, schafft die Gelegenheit, Stresssituationen wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Habbinga räumt mit der Behauptung auf, das Zuhören benötige zu viel Zeit. Zuhören sei kein Zeichen der Schwäche, oder es werde missverstanden als Schweigen eines Ja-Sagers. "Beim gegenseitigen richtigen Zuhören kommt man schneller zu einer einvernehmlichen Lösung als bei einer einsamen Entscheidung ohne Dialog."

Dauerhaftes Bestreben von Krankenhausleitung und Personal sei es, permanent zu fragen, wie die Qualität der Patientenversorgung mit einer motivierten Mannschaft ermöglicht werden kann. Da geht es nicht, wenn ein Partner von vornherein als Buhmann aufgebaut wird oder das Gespräch nur dazu dienen soll, das für sich vorher selbst erarbeitete Ergebnis dem anderen aufzudrängen. "Wir reden ergebnisoffen miteinander", versichert Franken, oft sogar auf dem beliebten "kurzen Dienstweg". "Das Zuhören setzt Vertrauen voraus und gibt Wertschätzung", meint der Mitarbeitervertreter und Habbinga ergänzt: "Wer ehrlich zu den anderen ist, dem entstehen keine Nachteile."

Ein Satz, der grundsätzlich gilt. Und der in der aktuellen gesellschaftlichen Situation nur insofern schwierig wird, weil die anderen nicht mehr zuhören. "Man redet inzwischen viel des Redens wegen. Das Zuhören ist dem Redner gar nicht wichtig. Hauptsache, er hat etwas gesagt", moniert Habbinga.

Als Verwaltungsdirektor muss er zwangsläufig Entscheidungen treffen. Bei einer Mitarbeiterschaft von über 1100 Köpfen, einem Etat von 70 Millionen Euro und der Verantwortung für ein 400-Betten-Haus nicht immer ein leichtes Arbeitsleben - und sicherlich mit Entscheidungen verbunden, die nicht jedem schmecken. Das weiß Habbinga, der unlängst bei einer Versammlung den Mitarbeitern dafür dankte, dass sie seine Entscheidungen akzeptiert hätten. Er dankte nicht dafür, dass sie seine Entscheidungen gut finden. Wer richtig zugehört hatte, hat den feinen, aber bedeutenden Unterschied verstanden.

Ist eine Entscheidung richtig oder falsch? Die Antwort wird manchmal erst Monate später gegeben. Darin stimmen Jann Habbinga und Bernd Franken überein. Seit 17 Monaten wurde eine Dienstvereinbarung ausgebrütet. Endlich war sie so weit, dass Mitarbeitervertretung und Krankenhausleitung diese Regelung unterschreiben konnten. "Die Vereinbarung ist das Ergebnis des Zuhörens, des Akzeptierens der Position des anderen", sagt Habbinga. Franken nickt dazu, denn er weiß wie der Verwaltungsdirektor, dass auch diese Vereinbarung ständig auf dem Prüfstand stehen wird.

Sie haben den Text gemeinsam erarbeitet und sie werden dem anderen zuhören, wenn dieser einen Mangel gefunden hat oder meint, die Vereinbarung müsse aktualisiert werden. Die permanente Verbesserung gelingt nur denjenigen, die nicht nur miteinander reden, sondern die sich auch gegenseitig zuhören.

(kule)
Mehr von RP ONLINE