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Unternehmen in Erkelenz setzen sich für Energiewende im Erkelenzer Land ein

Erneuerbare Energie aus Erkelenz : Firmen setzen sich für Energiewende ein

Die erneuerbaren Energien befinden sich auf einem guten Weg, sind aber ausbaufähig. Zu dem Schluss kommen Ralf Busberg und Heinrich Lohmann, die in der Region Wind- und Solar-Anlagen bauen.

Vor 30 Jahren gründete Heinrich Lohmann sein Unternehmen für Windenergieprojekte. Damals baute er den ersten Windpark im Erkelenzer Land, glaubte jedoch selbst nicht recht daran, dass erneuerbare Energien ein so wichtiges Thema werden. „Es ging uns vor allem darum, einen symbolhaften Beitrag zu leisten, zu zeigen, dass es in Bezug auf Energie auch anders gehen kann“, sagt Lohmann bei einem Gespräch über die Energiewende im Kreis Heinsberg, zu dem die Grünen eingeladen hatten.

Inzwischen stammt fünfzig Prozent der in Deutschland verbrauchten Energie aus regenerativen Quellen, sagt Lohmann weiter. „Das ist eine Zahl, mit der man früher nicht gerechnet hätte.“ Unternehmen wie Lohmanns MLK Consulting oder die Photovoltaik-Experten Econ Solarwind wollen dazu beitragen, diesen Wert weiter auszubauen, gerade auch im ländlich geprägten Erkelenzer Land, in dem der Wert noch unter dem Bundes-Schnitt liegt.

Immer mehr Menschen beschäftigen sich mit dem Thema Energiewende. Davon berichtet Ralf Bußberg, Geschäftsführer von Econ Solarwind. „Ich sage immer, die Menschen sind viel weiter als die Politik. Wir spüren eine sehr starke Nachfrage.“ Sein Unternehmen könne dem momentan nicht gerecht werden, da es an seine Kapazitätsgrenzen stoße. Das biete an sich natürlich die Gelegenheit, das Unternehmen zu erweitern. „Wir als Firma haben aber gesagt, dass wir nicht wachsen wollen“, sagt Bußberg. Zu der erhöhten Nachfrage komme hinzu, dass die Partnerfirmen, mit denen Econ Solarwind zusammenarbeitet, Schwierigkeiten haben, Fachkräfte zu finden, beispielsweise Elektroinstallateure oder Dachdecker.

Katrin Göring-Eckhardt (r., MdB) zu Besuch bei Econ Solarwind in Erkelenz – hier im Gespräch mit dem grünen Bürgermeister-Kandidat Hans Josef Dederichs (v.l.), Ulrich Horst (Grüne Kreis Heinsberg), Landratskandidatin Ruth Seidl sowie Ralf Busberg und Gerald Zirbes von Econ Solarwind. Foto: Laaser, Jürgen (jl)

Seit 16 Jahren baut Bußberg Photovoltaik-Anlagen, besonders auf Dächer von Privathäusern. Die Investition sei lukrativ, findet auch Heinrich Lohmann. „Es ist unheimlich preiswert geworden. Solarenergie ist günstiger als Windkraft.“ Bußberg ergänzt: „Es gibt momentan keinen günstigeren Strom als den aus regenerativen Quellen.“ Bei einer Solaranlage auf dem eigenen Hausdach betragen die Produktionskosten Bußberg zufolge zwischen acht und neun Cent pro Kilowattstunde, bei Großkraftwerken mit Solarbetrieb sogar nur drei bis vier Cent. „Bei der fossilen Energie liegt der Preis eher bei 13 Cent pro Kilowattstunde.“ Seine Firma koppelt die Solarenergie zudem mit Elektromobilität. „Die macht dadurch dann doppelt Sinn“, findet er, schließlich würde das Fahrzeug keine Emissionen ausstoßen und außerdem „sauberer Energie“ tanken.

Erschwert wird die Energiewende den beiden Unternehmern zufolge durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). „Darin gibt es etliche Hürden“, sagt Bußberg. „Es ist mittlerweile derartig aufgeblasen, dass es schwer durchschaubar geworden ist.“ Lohmann macht das an einem Beispiel deutlich: Laut Gesetz sind an Windrädern Auffangbecken für austretendes Kühlwasser vorgeschrieben – „für Kühlwasser, das sowieso verdampft“, betont er.

Derzeit sieht er für den weiteren Ausbau regenerativer Energiequellen vor allem in Vergrößerungen und Erneuerungen von bestehenden Windparks eine Chance. Mit einem im Durchmesser um wenige Meter größeren Windrad könne man den Energieumsatz vervierfachen, erklärt Lohmann. Der bisherige Umbau geht ihm aber noch nicht weit genug. „Da wäre noch einiges machbar.“ Die Stadt Erkelenz beispielsweise habe in der Hinsicht „lange nichts getan und die beabsichtigen auch nichts zu tun“. Dabei seien Anlagen für die Gewinnung erneuerbarer Energie seiner Ansicht nach wirtschaftlicher als beispielsweise der Braunkohletagebau Garzweiler II.

Bußberg wiederum wünscht sich mehr Unterstützung der Politik für die Energiewende. Auf kommunaler Ebene sei die Installation von Anlagen auf öffentlichen Gebäuden ausbaubar. Erneuerbare Energien hält er mit Blick auf die Zukunft für unverzichtbar. „Wir haben Klimaziele, die gilt es einzuhalten.“ Das sieht auch Lohmann so, der die Entwicklung trotzdem positiv sieht. „Es passiert unglaublich viel. Ich denke, dass wir 2030 die 100 Prozent der Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen erreicht haben.“ Daneben brauche es aber weitere Maßnahmen gegen den Klimawandel.