Erkelenz: Ungewöhnliches Jesus-Motiv

Erkelenz: Ungewöhnliches Jesus-Motiv

1959 wurde in der Erkelenzer evangelischen Kirche das Osterfenster eingebaut. Das Werk des Düsseldorfer Künstlers E.O. Köpke zeigt den auferstandenen Christus in tänzerischer Pose. Seinerzeit entzündete sich daran viel Kritik.

Hoch her muss es 1951 im Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Erkelenz gegangen sein. Die Mitglieder diskutierten höchst kontrovers über die kurz zuvor aufgekommene Idee, ein Kunstglasfenster hinter dem Altar einzubauen. Was für Katholiken kein Problem gewesen wäre, barg hier jede Menge Zündstoff. "Die Evangelische Kirche des Rheinlands war damals noch stark calvinistisch geprägt. Daher wurde das Bilderverbot des Zweiten Gebots sehr ernst genommen", erläutert Klaus Otto, der Vorsitzende des Ausschusses für Theologie, Gottesdienst und Kirchenmusik.

Nicht nur wegen dieser Diskussion, sondern auch wegen der Not der Nachkriegszeit – Material und Geld waren knapp – sollten dann noch acht Jahre vergehen, ehe 1959 das Osterfenster des Düsseldorfer Künstlers E.O. Köpke hinter dem Altar eingebaut wurde. Es zeigt den auferstandenen Christus in triumphierend-tanzender Pose.

Vor 50 Jahren revolutionär

"Vor 50 Jahren war eine derartige Jesus-Darstellung, speziell für die Evangelische Kirche, geradezu revolutionär", sagt Heimatforscher Hans Josef Broich, der sich intensiv mit dem Fenster beschäftigt hat. Für einen hochrangigen Gemeindevertreter wohl zu revolutionär. "Ein Presbyteriumsmitglied hat die Kirche danach nicht mehr betreten", sagt Pfarrer Günter Jendges.

Das Bild ist in vier Abschnitte unterteilt. Der untere Bereich ist in großflächigen dunklen Farbtönen gehalten. "Er deutet Golgatha an – mitsamt seinen drei roten Kreuzen und einem angedeuteten Grabhügel", erläutert Broich. Jesu rechter Fuß auf der Grenzfläche der unteren beiden Horizonte tritt auf Erde, Gestirne und Halbmond. Broich: "Er ist den dunklen Mächten entkommen und strebt nun dem Himmel zu." Sein linkes Bein ist dabei angewinkelt. "Das verleiht der Figur den tänzerischen Ausdruck – hieraus erwuchs damals auch ein Teil der Gemeindekritik", führt Broich dazu aus.

Im dritten, ganz hell gehaltenen Bereich, ist überwiegend der Oberkörper zu sehen – mit einer markanten Besonderheit: In der Körpermitte ist eine stilisierte Figur des Phönixvogels zu sehen, dessen Schnabelspitze in der Körperwunde Christi ruht. "Phönix war der heilige Vogel der Ägypter. Er war Symbol für ewige Erneuerung und Auferstehung", erläutert Broich, und Pfarrer Jendges ergänzt: "Das Osterfenster ist möglicherweise eben auch von anderen Religionen angeregt. In Indien gibt es zum Beispiel den tanzenden Gott Shiva." Im obersten Bereich schließlich dominiert der verklärte Christuskopf, umrahmt von einem ebenfalls hellen Strahlenkranz.

Zwar vom selben Künstler, aber weit abstrakter sind die drei Pfingstfenster auf der Südseite der Kirche, die Ulrich O. Dahlke der Kirchengemeinde 1994 gestiftet hatte. Broich: "Auch hier lohnt sich eine Betrachtung. Man sollte sich dafür Zeit nehmen und die Fenster auf sich wirken lassen."

(RP)