Erkelenz Umsiedler entscheiden 2012

Erkelenz · Die nächsten Umsiedler für den Tagebau müssen jetzt Vor- und Nachteile der vorgeschlagenen Umsiedlungsgebiete abwägen. Nicht nur sechs mögliche Flächen wurden ihnen vorgestellt, sondern auch erste planerische Ideen.

Die Diskussion um die möglichen Umsiedlungsorte für die 1650 Erkelenzer, die bis spätestens 2028 ihre Heimat an den Braunkohlentagebau verlieren werden, hat begonnen.

Sechs Flächen sind ihnen vorgeschlagen worden. Neben den unmittelbar betroffenen Menschen in Keyenberg, Kuckum, Unter- und Oberwestrich sowie Berverath betrifft die Thematik auch jene Erkelenzer, in deren Nachbarschaft die Umsiedler ihre neue Heimat finden könnten. Dies könnte bei Borschemich (neu), bei Venrath, bei Kückhoven oder zwischen Schwanenberg und Oerath sein (RP berichtete). Bis eine Entscheidung gefällt wird, dauert es aber noch.

Die Bezirksregierung Köln stellte am Dienstag bei einer Informationsveranstaltung in Keyenberg den Zeitplan vor. Bürgermeister Peter Jansen warb dafür, in den nächsten Wochen und Monaten die möglichen Gebiete wie auch deren Vor- und Nachteile abzuwägen. Die endgültige Entscheidung – die wahrscheinlich ähnlich einer Kommunalwahl abgehalten wird – soll Ende des nächsten Jahres erfolgen.

Wie die Vorschläge entstanden

Der noch nicht konstituierte Bürgerbeirat für die fünf Umsiedlungsorte hat, moderiert von der Stadt Erkelenz, die Vorschläge erarbeitet, wo Umsiedlungsflächen sein könnten. Einige Ideen wurden verworfen, weil die Fläche 60 bis 70 Hektar groß sein soll, damit ausreichend Platz vorhanden ist. Aus Erfahrungen anderer Umsiedlungen für den Tagebau geht Erkelenz derzeit davon aus, dass 70 Prozent der Menschen vom alten in den neuen Ort ziehen.

Die Fläche muss entsprechen sowohl kleiner als auch größer gefasst werden können. Als wichtig erachtet wurden auch Entfernungen zu Schulen oder zur Autobahn. Eingeschaltet worden ist auch ein Planungsbüro, das mit der RWTH Aachen die Suchräume betrachtet, bewertet und mit eigenen Vorschlägen versehen hat. Analysiert worden sind dafür die alten Orte, so deren Straßenverläufe, die Natur und die Gebäude. "Das wurde ermittelt, um später zu überlegen, was für die Umsiedlungsorte wichtig sein könnte", erklärte der Technische Beigeordnete Ansgar Lurweg.

Ein erstes Grobmodell haben die Planer daraus schon entwickelt. Sie verfolgten den Gedanken, dass die fünf Orte näher aneinanderrücken und durch natürliche Abgrenzungen sich doch weiterhin leicht voneinander abgrenzen. "Bezugspunkte könnten dabei der Zourshof und Haus Keyenberg werden", erklärte Lurweg. Als mögliche Suchräume wurden nur Flächen in Erkelenz in Betracht gezogen, wozu Susanne Brüggemann, die bei der Bezirksregierung für die Braunkohlenplanung zuständig ist, sagte: "Unser Ziel ist ein Standort im bisherigen Gemeindegebiet."

Die Vorschläge wurden bei der Info-Veranstaltung in Keyenberg offen aufgenommen, doch wiesen Zuhörer auch darauf hin, dass einige der möglichen Umsiedlungsflächen erneut nahe am Grubenrand liegen würden. Die Belastung bleibe, sagt einer und nannte das "unverständlich", wofür er Applaus erhielt. Beifall gab es aber auch für die Mitglieder im Bürgerbeirat, die die Vorschläge erarbeitet hatten. "Respekt" zollte Bürgermeister Jansen ihrem vielstündigen Einsatz.

Nachgefragt wurde auch, ob den Umsiedlungsorten drohen könnte, dass RWE Power irgendwann einen weiteren Tagebau plant und die Menschen erneut von einer Umsiedlung betroffen sein könnten. Dazu sagte Erik Schöddert (RWE), derzeit würden im Unternehmen überhaupt keine Überlegungen in diese Richtung angestellt.

(RP/rl)
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