Erkelenz: Überfall von Soldatenhorde jetzt belegt

Erkelenz: Überfall von Soldatenhorde jetzt belegt

Archäologen haben unter Haus Paland in Borschemich, das 2016 für den nahenden Tagebau Garzweiler II abgerissen wurde, Spuren einer Schlacht im Jahr 1586 gefunden. Im Tagebau Inden fanden sie subtropische Früchte und Samen.

Durch aktuelle Forschungen entsteht ein neues Bild der römischen Häfen und Militärstandorte am Niederrhein. Diese und viele weitere Entdeckungen aus einer Auswahl von annähernd 500 Grabungen und Forschungsmaßnahmen präsentierten Fachleute bei der Jahrestagung der rheinischen Archäologie, die jetzt im Landesmuseum Bonn stattfand. Veranstalter des größten Archäologieforums in Nordrhein-Westfalen ist das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege.

Eine international bedeutende Entdeckung machte die Archäologie in der Altstadt von Aachen. Bei Bauarbeiten wurde ein Weihebezirk der Benefiziarier (römische Soldaten) entdeckt. Von menschlichem Leid zeugen zwei spätrömische Kindergräber, die ein Team des Römisch-Germanischen Museums am Ursulaplatz in Köln freigelegte. Die beiden Kinderskelette weisen starke, krankhafte Veränderungen auf. Sie litten vermutlich an Rachitis, Syphilis oder Lepra. Zwei mit Bronzeschmuck reich ausgestattete Gräber des sechsten Jahrhunderts vor Christus wurden im Tagebau Inden entdeckt.

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Sie gehören zum größten bisher untersuchten früheisenzeitlichen Gräberfeld im Rheinland mit über 500 Gräbern. Zudem wurden an dem Tagebau Tausende Früchte und Samen einer sogenannten Mastixiodeen-Flora geborgen. Die Fossilien belegen laut LVR eindeutig ein subtropisches Klima im Rheinland vor 8,5 Millionen Jahren. Nach Haus Pesch musste 2016 mit Haus Paland in Borschemich (alt) ein zweites Erkelenzer Rittergut dem Tagebau Garzweiler weichen. "Der für 1586 urkundlich belegte Überfall einer Soldatenhorde auf das Rittergut hinterließ im Graben eine Zerstörungsschicht, die außer Bauschuttresten auch Ausstattungsbestandteile und Kleinfunde enthielt. Entdeckt wurden Ofenkacheln und Reste von Gefäßkeramik, eine aufwendig verzierte, silberne Metalldose mit Wappen sowie zwei Trillerpfeifchen in Vogel- und Narrenform", teilte der LVR mit.

Zu grundlegend neuen Erkenntnissen kamen Wissenschaftler bei der Erforschung der römischen Häfen am Niederrhein. "Die Annahme, die Römer hätten für ihre Häfen strömungsarme Alt- oder Nebenarme genutzt, kann die Altertumswissenschaft über Bord werfen. Das Gegenteil ist der Fall: Die Häfen lagen an den Prallhängen der Rheinbögen, wo ganzjährig der Wasserstand für die Schifffahrt ausreichte, aber zugleich das Ufer unterspült wurde", berichtet der LVR in einer Pressemitteilung. Gegen diese Naturgewalt hatten die Römer allerdings ein Mittel: "Sie bauten große Uferschutzanlagen aus Holz und Erde, um den Geländeverlust zu verhindern. Das ergaben geoarchäologische und archäobotanische Auswertungen unter anderem bei Xanten."

(spe)
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