Trio Adorno bei Meisterkonzert in Erkelenz überzeugend

Meisterkonzert in Erkelenz : Hamburger Könige der Klassik

Das renommierte Trio Adorno überzeugte beim fünften Meisterkonzert in der Erkelenzer Stadthalle mit klassischen und modernen Werken für Klaviertrio. Die drei Musiker glänzten mit einer intensiven Freude am Spielen.

Beim fulminanten fünften Meisterkonzert der aktuellen Reihe der Anton-Heinen-Volkshochschule begeisterte das junge Hamburger Trio Adorno, bestehend aus Christoph Callies (Violine), Samuel Selle (Violoncello) und Lion Hinnrichs (Klavier), mit Werken von Beethoven, Lampson und Schumann – sowie der persönlichsten Note der laufenden Konzertsaison.

Bevor der erste Ton durch den Saal hallte, nahm Lion Hinnrichs zunächst das Publikum an die Hand und gestaltete einen charmanten sowie lehrreichen Ausflug in die Musiktheorie, stellte vorab Leitmotive der später gespielten Stücke vor und eröffnete seinen gebannten Zuhörern neue Zugänge zu den Werken. Der grandiose musikalische Auftakt erfolgte anschließend mit Ludwig van Beethovens „Trio Nr. 7 op. 97 B-Dur“, auch als das „Erzherzogtrio“ bekannt, da Beethoven es nebst weiteren Werken dem kunstsinnigen Erzherzog Rudolf widmete, mit dem er freundschaftlich verbunden war. Die Komposition gilt als eine seiner schönsten Kammermusikwerke und füllte mit der außergewöhnlichen Länge von etwa 40 Minuten bereits die erste Hälfte des Konzertabends. Dank der warmen und umschmeichelnden Tonfarbe kommt das viersätzige Stück majestätisch daher, doch nie überladen. Gerade der zweite Satz besticht durch seinen tänzerischen Walzercharakter, wird dann jedoch noch von dem dritten, melancholisch geprägten Variationssatz übertroffen. Schon hier glänzten die drei Musiker durch ihre merkliche und intensive Spielfreude und ihre erfrischende Bühnenpräsenz.

Die zweite Konzerthälfte eröffnete das Trio Adorno mit einer modernen Komposition: Elmar Lampsons „Facetten für Klaviertrio“ aus dem Jahr 1987. Das Stück ist den vielfältigen Lichtbrechungen in einem Prisma nachempfunden und präsentiert sich als nervenaufreibendes Spiel mit der Atonalität, welches sich schlussendlich wie ein Gewittersturm entlädt – Grundlage für ein ebenso interessantes wie kurzweiliges Werk. Im Vergleich zu anderen zeitgenössischen Stücken sei es aber „harmlos“, scherzte Lion Hinnrichs. Zudem arbeitet Lampson mit Naturtonreihen, lässt die Streicher Vierteltöne spielen, anstatt sie, wie in der klassischen Musik üblich, zu korrigieren. „Da wir allesamt in Hamburg leben, hatten wir das große Privileg, mit Elmar Lampson zu arbeiten und uns seinen Rat bei der Erarbeitung des Stückes einzuholen“, erklärte Hinnrichs.

Anschließend spielten sich die Hamburger Musiker mit Robert Schumanns „Klaviertrio op. 110 g-Moll“ in die Herzen des Publikums. Durch die große Originalität und tief empfundene Leidenschaft, mit der das Stück über vier Sätze den anfangs düsteren Charakter im ängstlich-gespannten ersten Satz zugunsten eines positiven, fast feierlichen Finales überkommt, zielte es direkt auf die Emotionen und begeisterte das Publikum. Das Stück in seiner Gesamtheit ist ein Musterbeispiel für Schumanns großes kreatives Spektrum. Heimlicher Höhepunkt ist indes der vierte Satz, der mit seinen harmonischen Wendungen und dynamischen Kontrasten Frohsinn und Humor versprüht. Zu guter Letzt trumpfte das Trio mit dem Finalsatz des „Klaviertrio Nr. 3 H 332“ des tschechischen Komponisten Bohuslav Martinů auf, welches es nach einem ausgedehnten Schlussapplaus als Zugabe präsentierte. Die farbenreiche und vielseitige Komposition von 1951 verwendet böhmische Volksweisen als wiederkehrendes Thema und streift dabei die Grenzen der Tonalität.

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