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Erkelenz: Tanzen gegen Gewalt an Frauen

Erkelenz : Tanzen gegen Gewalt an Frauen

Der Markt wurde gestern um 12.30 Uhr zu einer Art Tanzsaal: Auf Initiative der Erkelenzer Frauen Aktion fand der Tanzflashmob im Rahmen der internationalen Kampagne "One Billion Rising" statt. Einige Frauen machten spontan mit.

Für eine kurze Zeit wird der Markt zu einer Art Tanzsaal. Die Gruppe, alle sind Frauen, hat für ihre Performance Kleidung in Rot und Schwarz gewählt. Andere Frauen wiederum kommen spontan hinzu und tanzen die recht einfache Choreographie mit. Hinter den Frauen ist ein großes Transparent zu sehen, auf dem "One Billion Rising" zu lesen ist - es ist der Titel der internationalen Kampagne, die auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam macht. Und zwar mit einem Tanzflashmob. Die Erkelenzer Frauen Aktion hat die Veranstaltung auf dem Markt initiiert.

"Man muss Flagge zeigen", sagte gestern Elke Bodewein von der Gleichstellungsstelle der Stadt Erkelenz. Sie besuchte den Tanzflashmob gemeinsam mit Vertreterinnen der Arbeitsgemeinschaft der Gleichstellungsbeauftragten aus dem Kreisgebiet Heinsberg. "Man muss sich vor Augen führen, dass statistisch betrachtet weltweit jede dritte Frau von Gewalt betroffen ist", unterstrich Elke Bodewein weiter. Nach Erfahrung der Gleichstellungsbeauftragten aus dem Kreis Heinsberg sei es schwer, an die Frauen, die Gewalt erfahren, heranzukommen.

Dass auch im ländlich geprägten Raum, der allgemein als beschaulich gilt, das Thema Gewalt an Frauen präsent ist, machte Barbara Felder deutlich. Sie ist Gemeindereferentin an Christkönig Erkelenz, als Frauenseelsorgerin hat sie zudem täglich Kontakt zu Frauen. Barbara Felder nutzte daher gestern die Gelegenheit, sich am Tanzflashmob zu beteiligen. Sie sagte: "Ich finde es ganz wichtig, öffentlich dafür einzutreten, dass jegliche Gewalt gegen Frauen nicht geht. Aus den zahlreichen Gesprächen mit Frauen, die zu mir kommen, weiß ich, dass sie einfach nicht wissen, wie sie mit Gewalt, beispielsweise innerhalb ihrer Ehe, umgehen sollen." Vor allem wenn Kinder in der Familie seien, fühlten sich die Frauen besonders erdrückt, den Absprung zu wagen. Barbara Felder fügte noch einen anderen, nicht ganz unwichtigen Aspekt an: "Insgesamt dürfen wir nicht nur die körperliche Gewalt betrachten, denn es geht ja auch noch um psychische Gewalt, die Frauen in unserer Gesellschaft vielfach erfahren."

Die Frauen, die gestern spontan bei der Choreographie mitmachten, erklärten, neugierig auf die von der Erkelenzer Frauen Aktion angebotenen Veranstaltung gewesen zu sein. "Die Veranstaltung soll sich etablieren", fanden sie. Frauen in heutiger Zeit, so erklärten sie übereinstimmend, seien nicht mehr so in dem Maß abhängig, wie es noch die Frauen in vorangegangenen Generationen gewesen seien.

Zu den Frauen gestern in Erkelenz auf dem Markt zählte auch Christel Paulzen von der organisierenden Erkelenzer Frauen Aktion. "Ute Eschweiler, die bei uns donnerstags den kreativen Tanz anbietet, kam mit der Idee, die sie in Mönchengladbach kennengelernt hat. Sie hat mit der Gruppe dann die Choreographie einstudiert." Ute Eschweiler animierte schließlich die Frauen, von denen einige tatsächlich mitmachten und den guten Gedanken so mittrugen.

(RP)