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Tagebau-Kommunen im Zweckverband Landfolge Garzweiler bringen Projekte voran

Strukturwandel nach dem Tagebau : Wenn der Garzweiler-See kommt

Mönchengladbach, Erkelenz, Jüchen und Titz wollen mit ihrem Zweckverband ein „Kompetenzzentrum“ bilden. Aktionsnetzwerk Zukunftsdörfer steht auf einer Zuschussliste ganz oben, auch das Dokumentationszentrum Tagebau Garzweiler, in Holzweiler geplant.

Die Zukunftsregion Rheinisches Revier (ZRR) ist in vieler Munde, wenn es um den Strukturwandel der Region mit dem Auslaufen der Braunkohle geht. Ein wenig zu kurz kommt dabei nach Ansicht der Protagonisten der Zweckverband Landfolge Garzweiler, den die am Tagebau Garzweiler II angrenzenden und vom Abbau unmittelbar betroffenen Kommunen bilden. Mönchengladbach, Erkelenz, Jüchen und Titz wollen mit ihrem Zweckverband das „Kompetenzzentrum“ bilden, dessen Ideen dann über die ZRR an das Land NRW getragen werden.

„Wir sind die Planer und Macher vor Ort“, sagt der Verbandsvorsteher, der Mönchengladbacher Stadtdirektor Gregor Bonin, vor einer Verbandsversammlung in Neuwerk. Er sieht eine große Aufgabe, bei den vom Heimatverlust oder dem heranrückenden Tagebau betroffenen Menschen das Bewusstsein zu schaffen, „dass wir für sie da sind.“

Der Zweckverband wolle aus Betroffenen Beteiligte machen. Effektiv ist die Arbeit nach seiner Überzeugung inzwischen bei den Entscheidungsträgern auf regionaler oder Landesebene. „Wir sind nicht mehr zu überhören oder zu übersehen“, glaubt der Beigeordnete der mit Abstand größten Stadt am Tagebaurand. „Der Strukturwandel ist eine Riesenchance für unsere Kommunen, die wir alle gemeinsam nutzen wollen.“

Die ersten Projekte sind konkretisiert und zum Teil bei Fördertöpfen berücksichtigt. „Das ‚Drehbuch“, das wir uns bei unserer Gründung vor vier Jahren geschrieben haben, ist die gute Basis“, sagt Volker Mielchen, der als Geschäftsführer des Zweckverbands sein Büro in Erkelenz-Kuckum hat. Neben Projekten der ZRR, wie das Grüne Band nach der Auskohlung rund um den Tagebau Garzweiler oder dem Innovation Valley Garzweiler in Jüchen hat der Zweckverband eigene Projekte aufgestellt. So steht das Aktionsnetzwerk Zukunftsdörfer auf einer Zuschussliste ganz vorn, gemeinsam mit dem Dokumentationszentrum Tagebau Garzweiler, das in Erkelenz-Holzweiler einen Platz finden soll. Künftig wird das Thema Wasser dominierend sein in der Erkelenzer Börde. Wenn der Restsee als „Garzweiler See“ Gestalt annimmt, müsse die Region durch den Strukturwandel bereit sein. Erkelenz als „Einfallstor“ zum See, Mönchengladbach als Stadt, die entlang der Niers einen Grünzug zum See gestalten kann, Titz als Zufahrtsort zwischen zwei Seen, die an die Stelle der beiden Tagebaue Garzweiler und Hambach treten, und Jüchen müssen 2030 mit ihren Hausaufgaben begonnen haben.

Eine treibende Kraft bei der Gründung des Zweckverbands Landfolge Tagebau ist der Erkelenzer Bürgermeister Peter Jansen, der vor Jahren ungehalten war, als er erkannte, dass der Vorgänger, die IRR, ihren Schwerpunkt beim Strukturwandel auf den Süden mit den Tagebauen Hambach und Inden legte. „Die Zeiten sind mit der ZRR und unserem Zweckverband vorbei“, sagt Jansen. Die Ideen seien nicht abgestimmt gewesen. „Ohne die Gründung wären wir nicht so weit gekommen, wie wir jetzt sind.“ Die Menschen würden spüren, „dass wir es ernst meinen mit der Gestaltung der Region nach dem Ende des Tagebaus“.

Sein Jüchener Kollege Harald Zillikens stimmt ihm sofort zu. „Wir wollten nicht die vier vom Restloch sein.“ Im Zweckverband könne Jüchen seine Positionen besser einbringen. Er nennt ein Beispiel: „Das Dorferneuerungskonzept für Hochneukirch hätten wir als kleine Stadt alleine nicht so schnell durchgebracht.“ Wie weit der kleinste Partner Titz ohne den Zweckverband kommen würde, möchte sich der Beigeordnete Stephan Muckel gar nicht erst ausmalen.

In der Landfolge Garzweiler sieht er gute Chancen, interkommunale Gewerbe- und Industriegebiet am Autobahnkreuz Jackerath zu entwickeln. Allein auf sich gestellt, wäre Titz schnell an planerische und finanzielle Grenzen gekommen. Als gleichberechtigtes Mitglied im Zweckverband sind große Lösungen vorstellbar.

„Wir gehen ein gutes Tempo bei unseren Projekten“, meinte Bonin, bevor er die Verbandsversammlung eröffnete. Davon waren auch die Delegierten aus den vier Kommunen überzeugt, die anhand der „Zukunftskarte Strukturwandel“ erkennen konnten: „Eine Vision wird Wirklichkeit.“