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Tagebau Garzweiler II in Erkelenz: Protest gegen Straßenrückbau der L 277

Braunkohlentagebau Garzweiler II in Erkelenz : Protest gegen „schikanösen“ Straßenrückbau

Rund 900 Menschen demonstrieren am Sonntagnachmittag gegen die Unterbrechung der Landesstraße 277. Der Abriss erfolge ohne Notwendigkeit, hieß es aus den Reihen der Demonstrierenden.

Rund 900 Menschen beteiligten sich am Sonntagnachmittag an einer Protestveranstaltung nahe der Abbaukante des Tagebaus Garzweiler II, zu der die Aktionsgruppe Alle Dörfer bleiben aufgerufen hatte.

Der aktuelle Protest richtete sich gegen die Absicht von RWE Power, ab Montag, 20. Juli, die Landesstraße 277 zwischen Keyenberg und Lützerath für den Verkehr untauglich zu machen. Der Abriss der Straße erfolge, um den Tagebau planmäßig in Richtung Keyenberg vorantreiben zu können, heißt es zur Argumentation.

Das sieht Britta Kox von Alle Dörfer bleiben, die die Demonstration angemeldet hat, vollkommen anders. Der Abriss der Straße erfolge willkürlich, sei eine Schikane und diene nur dazu, die noch in Keyenberg lebenden Menschen psychisch unter Druck zu setzen, meinte sie, nachdem sie am Ortsrand von Keyenberg die Teilnehmer der Protestaktion begrüßt hatte. Von dort zog der Tross, unterstützt von Trommlern und Musikern, in Richtung Lützerath – stets im Blickfeld der Polizei, die vorsorglich eine Hundertschaft der Bereitschaftspolizei Mönchengladbach auf dem Schulhof stationiert hatte, und dem Werkschutz von RWE. Er sorgte für Ungemach, als er Drohnenaufnahmen vom Protestzug machte.

Der Abriss der Straße ist ohne Notwendigkeit, meinte auch David Dresen vom Aktionsbündnis. Wenn man bedenke, dass der Bereich Immerath, der bereits 2017 abgebaggert werden sollte, immer noch unberührt sei, stelle sich die Frage, was diese übertriebene Eile von RWE bei Keyenberg solle. Dort ist der Abbau 2024 vorgesehen.

Die vielen Demonstranten kritisierten nicht nur den aus ihrer Sicht schikanösen Straßenabriss, sie protestierten generell gegen den Tagebau und die Braunkohlenutzung. Der Betreiber RWE ebenso wie die Politik wurden massiv kritisiert. Die Forderung „Alle Dörfer bleiben“ war unmissverständlich. Der Tagebau sei überflüssig, die deutsche Kohlepolitik ein umweltpolitisches Desaster, meinte Christiane Schliesky von Fridays für Future. Das Landesregierung müsse RWE stoppen und Keyenberg schützen, meinte nicht nur sie, sondern auch Antje Grothus aus Buir, Kämpferin für den Erhalt des Hambacher Forstes in ihrem Grußwort. „Das Vorrücken der Bagger raubt den Menschen einen Großteil ihrer verbliebenen Lebenqualität.“ Man werde der Zerstörung nicht tatenlos zusehen. Der Protest gehe weiter und würde wachsen. Noch am Sonntagabend gab es die nächste Protestveranstaltung gegen den Abriss der L 277. Die Aktion Die Kirche im Dorf lassen hatte in Lützerath zu einer Andacht und einer Mahnwache eingeladen.