Erkelenz: Stunker fordern Videobeweis im Karneval

Erkelenz : Stunker fordern Videobeweis im Karneval

Gut 800 Zuschauer sahen die beiden ausverkauften Ausgaben der siebten Erkelenzer Stunksitzung. Erneut brannten die bestens aufeinander eingespielten Alternativkarnevalisten ein kabarettistisches und musikalisches Feuerwerk ab.

Warum soll man den Videobeweis allein der Fußball-Bundesliga überlassen? Als eine ähnlich ernste Angelegenheit betrachten viele ja auch den Karneval im Allgemeinen - und den Rosenmontagszug im Besonderen. Von daher war es nun eigentlich nur konsequent, dass die Stunker in einer der besten Nummern des sehr vergnüglichen dreistündigen Programms für den Videobeweis im Karneval plädierten - und diese Idee gekonnt umsetzten: In einem Studio in Köln saßen die "Oberschiedsrichter", verfolgten auf Monitoren das Zuggeschehen in mehreren Städten des Kreises Heinsberg, wurden von aufgeregten Zugführern von Wildpinklern, mangelndem Wurfmaterial, verlorenen Fußgruppen und gespielter Technomusik unterrichtet. Nur den Zug in Erkelenz hatten sie buchstäblich nicht so recht auf dem Schirm: Der war einfach extrem kurz - eine bissige Anspielung auf den Erkelenzer Rosenmontagszug im vergangenen Jahr.

Auch ansonsten versprühten die Stunker wieder eine Menge Lokalkolorit, berichteten zum Beispiel, dass in Erkelenz im August die große Wirtschaftskrise ausgebrochen sei - nach Schließung der Orangerie. Und gemäß der Schreibweise der Erkelenzer Umsiedlungsorte empfahlen sie, New York in York (neu) umzubenennen.

Generell setzten die Stunker wieder auf die bewährte Mischung aus Kabarett mit lokalen Themen, Sketchen mit skurril-überdrehten Alltagssituationen und viel Musik, wie immer gespielt von der vorzüglichen Stunk-Band. Zur absoluten Hochform lief die bei der köstlichen Musikrevue Grand Prix du Croissant d'Eurovision auf. In der widmeten sich die Stunker - nach der vorangegangenen Brötchentaste-Nummer quasi zum Aufwärmen - dem Backhandwerk. Zu bekannten Melodien boten sie da textlich allerhand Nonsens, besangen so einen Teig wie folgt: "Tausend Mal gerührt, tausend Mal ist nix passiert". Dann sei Hefe beigemischt worden - "und dann hat's Zoom gemacht". Sogar die Melodie des getragenen Weihnachtslieds "Vom Himmel hoch da komm' ich her" fand Verwendung. Da durfte die satte Bläserfraktion der Band auch mal solo ran.

Gerade bei dieser Musikrevue machte sich übrigens sehr positiv bemerkbar, dass sämtliche Liedtexte wieder auf eine große Leinwand projiziert worden - ansonsten wäre so mancher Gag und auch so manches Wortspiel verschütt gegangen.

Zwei weitere Nummern des Stunk-Abends waren ebenfalls herausragend: zum einen der analog-digitale Supermarkt, eine aberwitzig-überdrehte Version vom Einkauf in der Zukunft. Da bekommt der Kunde erst einmal eine Packung Kekse in den Einkaufskorb gelegt - er muss schließlich Cookies akzeptieren. Zum anderen der Prinzenverleih, den Otti Mommertz mit herrlich breitem Öcher Dialekt prägte.

Fazit: Auch nach sechs Jahren hat der Erkelenzer Stunk kein bisschen Staub angesetzt, erfindet sich immer wieder neu. Das gelingt dank eines eingespielten Ensembles, das mit ungebrochenem Elan und Spaß an die Sache rangeht. Und die personelle Fluktuation geht bei den Stunkern gegen Null - ein handfester Beweis, dass die Chemie innerhalb dieser Truppe so richtig stimmt.

(emo)
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