Star-Pferd aus Erkelenz „El Santo“, der erfolgreiche Gradmesser

Erkelenz · Auf dem Hof der Familie Horn hat man sich der Pferdezucht verschrieben. „El Santo“ holte bereits eine Medaille bei einer Europameisterschaft. Jüngste Turniererfolge versprechen, dass dies wieder passieren könnte.

Isabell Werth auf El Santo, mit dem sie 2011 in Rotterdam mit der Deutschen Mannschaft Silber im Dressurreiten gewann.

Isabell Werth auf El Santo, mit dem sie 2011 in Rotterdam mit der Deutschen Mannschaft Silber im Dressurreiten gewann.

Foto: AP/Laurent Cipriani

Wie Isabell Werth, die erfolgreichste Dressurreiterin der Welt mit inzwischen sieben Olympiasiegen (insgesamt zwölfmal olympisches Edelmetall), als neunfacher Weltmeisterin und 21-fache Europachampionissima, im August 2011 in Rotterdam die Silbermedaille im europäischen Mannschaftswettbewerb eingestuft hat, klang professionell fair, aber auch mit ein wenig Enttäuschung durchsetzt. Gerade hatte das Vereinigte Königreich mit deutlichem Vorsprung die Goldmedaille gewonnen. „Dass es so deutlich wird, hätte ich wirklich nicht gedacht“, sagte Werth und blickte damals auf die Olympischen Spiele 2012 in London: „Wir dürfen jetzt nicht unseren Kopf verlieren.“ Freude über eine Silbermedaille klingt beizeiten schöner.

Nicht enden wollenden Jubel, Umarmungen und Freudensprünge gab es 2011 nach dem EM-Silber dagegen bei den fleißigen Denkern und Mitarbeitern der Pferdezuchtgemeinschaft Horn & Breuer aus dem knapp 1700 Einwohner zählenden Erkelenzer Stadtteil Schwanenberg. Sie hatten zu dieser Ausgelassenheit allen Grund, schließlich stammte das Silberpferd „El Santo“, das Isabell Werth unterm Sattel hatte, vom Hornschen Hof am Rheinweg.

Es war der größte Erfolg für „El Santo“, mit dem Isabell Werth ebenfalls 2011 Silber im Grand Prix Spécial und Bronze im Grand Prix Kür der Deutschen Meisterschaft gewann.

Der aus Rheinberg (Kreis Wesel) stammende Weltstar Isabell Werth hatte den Wallach 2005 in nicht mal einer Minute gekauft; auch auf Empfehlung von Martin Spoo, dem Chef des Pferdestammbuchs Rheinland im Gestüt Wickrath in Mönchengladbach, wohin der Wallach von Schwanenberg aus zur weiteren Ausbildung umquartiert worden war. „Man muss dann loslassen können, wenn man von einem guten Gefühl eingenommen wird“, machte es sich Seniorchef Dieter Horn nicht leicht. „Wirklich alles gut“ war dann, als er erfuhr, „dass der Braune mit rheinischem Brandzeichen seine Ausbildung genoss“. Übermittelt wurde diese Botschaft von Deutschlands mit 85 Jahren erfahrenstem Pferdesport-Journalist Dieter Ludwig, der inzwischen in Wassenberg lebt und von dort die in Fachkreisen anerkannten „Ludwigs Pferdewelten“ (www.Ludwigs-Pferdewelten.de) ins Internet stellt.

Ludwigs unerschöpfliches Wissen basiert auf Teilnahme an Reportagen von fast 20 Olympischen Spielen, von anderen Veranstaltungen ganz zu schweigen. So sagt der „weise Mann mit Pferdesachverstand“: „Jeder Springreiter träumt vom Sieg in der Aachener Soers – die Züchter aber, die denken anders, sie möchten Nachkommen ihrer Stuten unter großartigen Sportlern im Sport sehen“.

 Dressurreiterin Caterina Clingen, hier mit Dieter Horn, reitet auf Venezia H und Belle de Jour H.

Dressurreiterin Caterina Clingen, hier mit Dieter Horn, reitet auf Venezia H und Belle de Jour H.

Foto: Simone Horn

Die Zuchtgemeinschaft Horn & Breuer hat ihren Ursprung im Jahr 1960, als Dieter Horns Vater Heinrich anfing, Trakehner zu züchten. Bis dahin wurden auf dem Hof nur Rüben und Getreide angebaut. Dieter dagegen setzte auf Rheinische Dressurpferde. Mutter aller besonderen Nachwuchspferde aus Schwanenberg ist die Staatsprämienstute Rhythme, die mittlerweile 33 Jahre alt ist und ihren Lebensabend auf dem Hof in Schwanenberg verbringt. Durch die Auswahl von Topvererbern zeigten sich alle Nachkommen der Rhythme als Fohlen bereits hoch veranlagt für den Dressursport. Durch entsprechende sportliche Förderung konnten einige der Nachkommen in die schwere Klasse S oder den Grand Prix geführt werden.

Die 26-jährige Caterina Clingen, die schon zehn Jahre Sattelerfahrung hat, geht in der Doppelrolle als Trainerin und Reiterin voll auf. Täglich ist sie mit dem 84-jährigen Züchter Dieter Horn und dessen Tochter Simone Breuer um die Belange der Sportpferde Belle de Jour H, neunjährig, und Venezia H, zehnjährig, bemüht. Venezia H ist eine der letzten Nachkommen der Rhythme und zeigt schon deren Leistungswille.

Bei Horn & Breuer, wozu auch Simones Ehemann Wilhelm, Sohn aus dem legendären Erkelenzer Hotel Breuer, gehört, der sich auch als Fachanwalt für Pferderecht einen Namen gemacht hat, sind alle mächtig stolz darauf, dass Caterina Clingen mit Venezia H in Essen-Steele unter Flutlicht den 3. Platz in einer S-Dressur gewann. Und auch in Viersen in der S-Dressur waren beide im Prix St. Georges platziert.

Immer deutlicher zu sehen ist, dass die Reiterin und die Pferde von der im Rheinland bekannten Trainerin Linda Weiss seit zwei Jahren profitieren. Der Trägerin des Goldenen Reitabzeichens war schnell klar, dass Venezia H und Caterina Clingen den Sprung in die schwere Klasse, also mit geforderten fliegenden Galoppwechseln, Pirouetten und Traversalen, „packen werden“.

Inzwischen nähert sich sogar Belle de Jour H dem Prix St. Georges. Das nennt man dann wohl „aussichtsreiche Perspektiven“ für Caterina Clingen und die dahinterstehende Zuchtgemeinschaft: fundiert in der S-Klasse etablieren und einen Blick darüber hinaus wagen.

Ob sich die jetzt aktive Pferde-Generation in 15 Jahren auch einmal in einer Alters-WG austoben darf wie „El Santo“ auf einer niederrheinischen Weide, oder „Rhythme“ auf fruchtbarem „Schwanenland“? Man wird’s sehen.

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