Erkelenz: Stadttorgeschichte ein wenig korrigiert

Erkelenz : Stadttorgeschichte ein wenig korrigiert

Unter dem neuen Kreisverkehr an der Kreuzung von Brückstraße und Theodor-Körner-Straße ist im Erdreich viel Geschichte zu finden. Was dort bei den Bauarbeiten gefunden wurde, erklärt ein Bonner Archäologe.

Die Asphaltdecke ist geschlossen, die Fahrbahn markiert — was sich unter dem neuen Kreisverkehr am Erkelenzer Brücktor an Historie verbirgt, ist nicht mehr zu sehen. Jetzt erinnert wieder nur noch eine bronzene Bodenplatte des Heimatvereins der Erkelenzer Lande an die Geschichte des einstigen Stadttors. Nur noch?

Um die 2004 gestiftete Platte mit geschichtlichen Informationen nach der Baumaßnahme erneut in den Boden einzulassen, hatten sich Stadtspitze und Heimatverein jetzt vor der Bäckerei Lütterforst getroffen. Über die archäologischen Funde während der Bauzeit berichtete bei dieser Gelegenheit Peter Schönfeld, der die Ausgrabungen geleitet hatte. Demnach muss die Stadttorgeschichte ein wenig korrigiert werden. Vor allem steht heute, mit modernen Mitteln der Archäologie herausgearbeitet, fest, dass der Stadtgraben zehn bis 15 Meter breit war. Von nur etwa fünf Metern war in den 1950er Jahren der Erkelenz-Forscher Friedel Krings ausgegangen. Und seither alle Heimatforscher.

Diese veränderte Erkenntnis ist insofern wichtig, als dass daran eine noch stärkere Wehrhaftigkeit von Erkelenz nachzuvollziehen ist. Dazu erklärte Peter Schönfeld: "Ab 1355 wurde das Stadttor gebaut. Es war das wohl größte in Erkelenz, das vier Stadttore hatte." Und es habe mehrere Ausbaustufen gegeben: "Innerhalb von 200 Jahren wurde es vielfach um- und ausgebaut und dabei an die neue Schusswaffentechnik angepasst. Dadurch wurde Erkelenz zu einer der am besten befestigten Städte der Region." Eine kleine Stadt war Erkelenz damals nicht, betonte Peter Schönfeld: "Die hätte sich eine solche Befestigungsanlage gar nicht leisten können." Diese Wehrhaftigkeit dokumentiert der fast dreifach breitere Stadtgraben als bisher angenommen, der vermutlich 1526 verfüllt wurde. "Er wurde verfüllt, um darauf ein neues Vorwerk zu errichten", schilderte Ausgrabungsleiter Peter Schönfeld.

Erkelenz wurde immer sicherer gemacht. Das zeigen die Ausgrabungen der Archäologen von Archäonet Bonn. "Das Schöne an unserer Arbeit während der Bauarbeiten für den neuen Kreisverkehr war, dass wir das älteste Bauwerk von 1355 im Boden entdeckt haben", erklärte Peter Schönfeld von Archäonet Bonn. Es handele sich um das erste Tor-Fundament aus Liedberger Sandstein, "und das hat bestätigt, dass es sich um ein steinernes Tor gehandelt hat".

Nachdem die Archäologen ihre Funde dokumentiert und Proben entnommen hatten, konnten die Bauarbeiten zu Ende geführt werden. Ganz aus den Augen verlieren werden die Erkelenzer die historischen Entdeckungen allerdings nicht. Dafür sorgt die bronzene Bodenplatte, ein vom Heimatverein geplanter Vortrag des Archäologen Peter Schönfeld zu den Ausgrabungen und der Kreisverkehr selbst. Hierfür hatte der Bezirksausschuss Erkelenz-Mitte das Stadtmarketing beauftragt, einen Wettbewerb auszutragen, um Ideen für dessen Gestaltung zu finden: In irgendeiner Form soll auf der noch unbepflanzten Mitte an das einstige Stadttor erinnert werden.

FRAGE DES TAGES

(RP)
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