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Stadthalle Erkelenz: Kammeroper Köln führt Operette Orpheus in der Unterwelt auf

Operette in Erkelenzer Stadthalle : Göttlicher Zoff im Olymp-Konzern

Die Kammeroper Köln zeigte in der Erkelenzer Stadthalle eine modernisierte Form der Operette „Orpheus in der Unterwelt“.

In Erkelenz ticken in der Kultur die Uhren bisweilen anders. Da wird das Beethoven-Jahr 2020 bereits im Dezember 2019 eröffnet und endet das Offenbach-Jahr 2019 im Januar 2020. Wenn man dem Kulturmanager Christoph Stolzenberger Glauben schenken darf, dient die Kultur auch dazu, räumliche und zeitliche Grenzen zu überwinden. Ein Beleg dafür lieferte die jüngste Aufführung im Rahmen der Theaterreihe der Stadt Erkelenz in der Stadthalle, als die Kammeroper Köln mit „Orpheus in der Unterwelt“ gastierte.

Die von dem waschechten Kölner Jacques Offenbach als politische satirische Musikdarbietung konzipierte Operette nahm in ihrer Ursprungsfassung, die im Oktober 1858 in Paris uraufgeführt wurde, die griechische Götterwelt und auch die französische Adelsgesellschaft des 19. Jahrhunderts aufs Korn. In Himmel und Hölle machten sich unter den Göttern Herrschaftsdenken, Machtgehabe, Ehezwist, Trennung und Verlust breit, eingehüllt in einen musikalischen Rahmen, dessen „Höllen-Cancan“ nach wie vor zu den bekanntesten und beliebtesten Stücken gehört. Die Musik blieb bei der modernen Inszenierung der Kölner Kammeroper in der Bearbeitung von Roland Hüve. Ansonsten präsentierte sich die Operette in einem vollkommen neuen Gewand auf einer schlicht gehaltenen Bühne mit viel Plexiglas und Lichtspiel und mit frechen, modernen Textpassagen.

Die Kammeroper Köln hat die Operette in den Olymp-Pharma-Konzern mit Professor Jupiter (Rolf. A Scheider) verlagert. Der Konzern hat mit der Underworld-Pharma AG, geleitet von Professor Pluto (David Ristau) fusioniert. Zwischen denen da oben in der Himmelsetage und denen da unten im finsteren Keller herrscht nicht immer nur eitel Sonnenschein. Der Zwist eskaliert, als Pluto ausgerechnet mit Jupiters bester Account-Managerin Eurydike (Esther Hilsberg) anbändelt und als Geliebte in die Unterwelt mitnimmt. Eigentlich ganz im Sinne von Orpheus (Burkhard Solle), der mit seinen Gattin Eurydike längst im Ehekrieg lebt und der nach der Trennung jubelt: „Ich bin sie los, welch glücklicher Verlust.“ Jupiter, der als Ehebrecher selbst ein Auge auf Eurydike geworfen hat, will sie zurück in die Himmelsetage, also macht er mit der kompletten Belegschaft der Olymp-AG einen Betriebsausflug zum Underworld-Konzern.

Und auch Orpheus will in der Unterwelt seine Eurydike wieder. Nicht zuletzt die Öffentliche Meinung (Julia Nikolajczyk) sieht den guten Ruf des Konzerns durch die Liaison zwischen Pluto und Eurydike gefährdet. Es gilt, den Skandal zu vermeiden, den Schein zu wahren. Aber nicht nur die Männer machen, was sie für richtig halten, die Frauen mischen gehörig mit beim Wechselspiel, emanzipieren sich, wollen sich nicht mehr von den Männern auf der Nase herumtanzen lassen.
Und am Ende? Weder Orpheus, noch Pluto können Eurydike für sich beanspruchen. Sitzt tatsächlich der Oberboss Jupiter am längeren Hebel?

Langer Beifall und Bravo-Rufe belohnten die Akteure für die moderne Inszenierung, zu deren Gelingen auch das aus Musikern der Kölner Symphoniker gebildete vierköpfige Ensemble unter der Leitung von Ingo Hilsberg seinen großen Teil beitrug.