Ausstellung in Haus Spiess Künstlerischer Spaziergang am Rheinufer

Erkelenz · Die Ausstellung „Passeggiata“ von den Künstlern Andrea Mohr und Berthold Mohr in Haus Spiess zeigt Arbeiten von Szenen am Wasser und gestaltete Fundstücke.

Andrea Mohr und Berthold Mohr zeigen im Haus Spieß ihre Arbeiten.

Andrea Mohr und Berthold Mohr zeigen im Haus Spieß ihre Arbeiten.

Foto: Renate Resch

Klaus Richter, Kurator der Ausstellung, erläutert den italienischen Ausstellungstitel „Passeggiata“: „Man fühlt die flirrende Sonne, wird ummantelt von der Wärme, riecht den Pinienduft und spürt die Brise des Mittelmeer“. Übersetzen würde man ihn mit „kleiner Spaziergang“. Doch in dem italienischen Wort liegt so viel mehr an Vorstellungen und Empfindungen. Es beinhaltet auch etwas Zufälliges, etwas Absichtsloses, die Freiheit der Begegnung mit ungeplanten Dingen.

„Der schöpferische Mensch ist ein spielerischer Mensch. Er bewegt sich in Freiheitsräumen, die ihm die Wirklichkeit neu erschließen“, schreibt dazu Prälat Josef Sauerborn. Berthold Mohr spielt mit gefundenen Möbelstücken, die er mit anderen Materialien kombiniert, sie farblich neu gestaltet und damit auch ihre Haptik verändert. Er arbeitet handwerklich an der Komposition von neuen Gegenständen, die dann nicht mehr für ihre ursprüngliche gedachte Aufgabe zur Verfügung stehen, sondern einer anderen Bestimmung folgen und Räume, Wände und Nischen gestalten.

Andrea Mohr schlendert gern am Rheinufer entlang, sammelt Eindrücke für ihre Bilder und Fundstücke in Form von Stelen, Ästen und Holzstücken, die sie in ihrem Atelier weiter bearbeitet. Für manche Findlinge nimmt sie Feuer zu Hilfe, um sie zu verändern, die Struktur im Schwarz weiter herauszuarbeiten und sie mit anderen Materialien wie Metall, Blattgold oder Lack zu Skulpturen werden zu lassen.

Ihre Bilder zeigen eine breite Palette an Farben der Wirklichkeit und strahlen die Ruhe des dahinfließenden Flusses aus. Sie zeigen die Flusslandschaft, ihre Spiegelungen oder Boote mit Insassen ohne Ruder oder Paddel. Meditatives lässt sich darin erkennen. Oft verwendet sie in ihren Ölarbeiten einen Streifen aus Blattsilber. Teilweise übermalt, gestaltet er doch das Bild als Silberstreif – teilt es auf in ein oben und unten.

Bereits einige Jahrzehnte arbeiten die beiden Ausstellenden als Künstler, leben gemeinsam als künstlerische Familie. Ihre drei Kinder haben inzwischen ebenso künstlerische Berufe ergriffen. Ihre Tochter Elsa Johanna Mohr gestaltet die Ausstellungseröffnung mit ihrer brasilianischen Musik und ihrem Gesang gemeinsam mit Flavio Nunes an der Gitarre. Die ruhigen, jedoch rhythmischen Töne haben etwas Sehnsuchtsvolles und gleichzeitig Leichtes, das nahtlos auf die ausgestellten Arbeiten einstimmt und die Empfindungen der Besucher für den absichtslosen, schlendernden Spaziergang vorbereitet. Renate Resch