Stadt Erkelenz: Baukosten explodieren, immer schwieriger Handwerker zu bekommen

Handwerker fehlen: Projekte verzögern sich : Baukosten explodieren

Handwerker sind für die Stadt Erkelenz immer schwieriger zu bekommen. Das wirkt sich auf Baukosten und Zeitpläne aus.

Auf fünf Baustellen der Stadt Erkelenz läuft es nicht rund. Darüber unterrichtete Hochbauamtsleiter Martin Fauck den Bauausschuss. Das Problem ist immer dasselbe: Handwerker sind gar nicht oder schwer zu bekommen, was die Vorhaben verzögert und zusätzlich die Preise steigen lässt. „Wir haben zu optimistisch geplant“, sagte Fauck selbstkritisch auf die kalkulierten Kosten bezogen. Daraus werde die Stadt Erkelenz ihre Lehren ziehen. Was aber die immer öfter ausbleibenden Angebote von Handwerkern betreffe, helfe nur, gezielt das Gespräch zu suchen.

Ein Problem ist der Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Hetzerath. Aufgrund der angespannten Auftragslage und der damit verbundenen Auslastung der Unternehmen geht es dort Fauck zufolge nicht zügig genug voran. Bei seinem letzten Besuch auf der Baustelle war er „schwer entsetzt, dass wieder keiner auf der Baustelle war“. Nach einem klärenden Gespräch mit dem beauftragten Architekten, in dem ein detaillierter Zeitplan für die nächsten acht Wochen erarbeitet wurde, sei er jedoch jetzt wieder zuversichtlich, die neue Feuerwache Mitte November seiner Bestimmung übergeben zu können. Das zweite Problem mit diesem Projekt betrifft die Kosten. Anstelle der geplanten 480.000 Euro sollen es jetzt 569.000 Euro werden. Fauck nannte Beispiele: „Bei den überwiegenden Ausschreibungen ist vermehrt zu beobachten, dass sich nur noch wenige Firmen beteiligen. Besonders auffällig war dies bei den Elektroinstallationen, bei denen lediglich eine Firma ein Angebot abgegeben hat. Das hat mit Mehrkosten von 14.000 Euro zugeschlagen.“ Aber auch für Abbruch, Rohbau und Dach habe die Marktsituation zu höheren Ausgaben geführt. Der Bauausschuss stimmte diesen überplanmäßigen Auszahlungen zu.

Sorgen macht auch die Erweiterung des offenen Ganztags an der Nysterbachschule in Lövenich. Hier ist als Holzmodul ein neues Stockwerk auf die bisherigen Räume aufgesetzt worden. „Allein die Baukosten hierfür lagen mit Nachträgen bei 295.000 Euro und somit bereits rund 65.000 Euro über der veranschlagten Summe“, erklärte Martin Fauck. Die Haustechnik einzurichten und das alte Dach zu entsorgen, sei ebenfalls teurer gewesen. Außerdem habe sich während der Bauphase eine zusätzliche Stahlunterkonstruktion als notwendig erwiesen, um den Aufbau mit zu tragen, was Mehrkosten in Höhe von 26.000 Euro nach sich zog. 152.000 Euro werde dieses Projekt insgesamt teurer, „das entspricht etwa 25 Prozent der Baukosten“. Der Bauausschuss stimmte den zusätzlichen Ausgaben zu. Einsparen will die Stadt Erkelenz diese Summe, indem die Straßenerneuerung Brabanterstraße und die Brückenerneuerung an der Kasernenstraße in Lövenich im Haushalt auf 2019 verschoben werden.

Der Anbau einer Gymnastikhalle an die Turnhalle in Schwanenberg kommt zögerlich voran. Martin Fauck berichtete davon, dass die Stadt nach der öffentlichen Ausschreibung für Heizung, Sanitär, Lüftung und Wärmedämmerarbeiten „original null Angebote erhalten hat. Aktuell wird in Gesprächen versucht, diese Arbeiten freihändig zu vergeben“. Noch sei er guten Mutes, dass die Gymnastikhalle trotzdem zum Jahresende fertiggestellt werde.

Gespräche sind auch für den Anbau B des Cusanus-Gymnasiums notwendig. Für Stahlbauarbeiten wurde kein Angebot abgeben, wozu Martin Fauck erklärte: „Jetzt wird versucht, über Direktansprache von Firmen noch eine Vergabe der Arbeiten zu erzielen.“ Damit aber sei der Terminplan nicht mehr zu halten. „Das wirft uns nach hinten. Wir werden nicht zum Ende der Herbstferien fertig, sondern erst Anfang Dezember“, kündigte der Hochbauamtsleier an. Andere Gewerke hingegen konnten problemlos vergeben werden, so Treppenläufe und Tischlerarbeiten. Die Sanierung der sogenannten Stundentoiletten am Cornelius-Burgh-Gymnasium ist das fünfte Problem. Während die Toiletten, die während des Unterrichts besucht werden dürfen, im Erdgeschoss saniert worden sind, „ist die Firma der Trennwände bei den Arbeiten im Obergeschoss auf einmal nicht mehr gekommen“, berichtete Martin Fauck und sprach nun von „einer besonderen Herausforderung“. Die Stadt habe die Firma angeschrieben und zur Wiederaufnahme der Arbeiten aufgefordert: „Die Antwort steht aus.“

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