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St.-Sebastianus-Schützen Keyenberg feiern erstmals nach der Umsiedlung

Erstes Schützenfest in Keyenberg (neu) : Die Freude am Feiern wiederentdeckt

Für die St.-Sebastianus-Bruderschaft war das erste Schützenfest am Umsiedlungsstandort ein voller Erfolg. Noch gibt es allerdings viele Baustellen und unbebaute Grundstücke im Ort.

„Es tut gut“, sagt der zwar erschöpfte, aber zufriedene Brudermeister Alexander Tetzlaff. „Wir sind angekommen“, ergänzt der erleichterte Geschäftsführer Joachim Laumen. Beide ziehen ein positives Fazit zum ersten Schützenfest, das ihre St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Keyenberg von 1449 am Umsiedlungsort im Erkelenzer Norden feiert, auch wenn am heutigen Montag noch Festlichkeiten mitsamt einem Klompenball stattfinden werden.

Drei Jahre hat es gedauert, bis die Keyenberger Schützen wieder ihr traditionelles Fest feiern konnten. Nach dem spektakulären Bezirksschützenfest 2019, mit dem sie vom alten Keyenberg Abschied nehmen mussten, konnten die Schützen jetzt endlich wieder „ein richtiges Schützenfest mit allem, was dazugehört – mit Pauken und Trompeten, mit Tanz, Spaß und Geselligkeit“ feiern, wie Tetzlatz meint. „So können wir gemeinsam etwas erreichen und dem Alltag entfliehen.“

Die letzten beiden Jahre hat die Corona-Pandemie den Schützen einen gehörigen Strich durch alle Planungen gemacht. „In gewisser Weise hat uns die Zwangspause nicht geschadet, sondern sogar genützt“, sagte der Brudermeister. Die Menschen in Keyenberg hätten wegen der Umsiedlung und der Bauaktivität Stress ohne Ende gehabt, da sei die Lust am Feiern nicht sonderlich ausgeprägt gewesen. Zugleich habe sich die Bruderschaft am Umsiedlungsort neu aufstellen können. Die Jungschützen konnten vier neue Züge bilden, die ihren ersten großen Auftritt beim Festzug am Sonntag hatten.

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Ein wenig mutete die Situation schon skurril an, als die Schützen durch die im Aufbau befindlichen Umsiedlungsorte marschierten, vorbei an vielen Baustellen und unbebauten Grundstücken. „Im nächsten Jahr wird es noch besser“, sagt Launen dazu, „wenn noch mehr Häuser gebaut und bezogen sind. Aber schon das Premierenschützenfest sei gelungen.

Bereits der Tanzabend am Samstag war überraschend gut besucht. „Im alten Ort waren wir nie da“, sagte eine Umsiedlerin, „im neuen wollten wir unbedingt dabei sein.“ Es sei schön, dass die Gemeinschaft lebt, freute sich auch Hans Josef Pisters. „Die Umsiedlung ist im Festzelt kein Thema gewesen.“ Auch beim Festzug zu Ehren von Schützenkönigin Gudrun Hünermann nebst Gatten Andreas, Prinzessin Lena Beck, Schülerprinzessin Lana Breker und Bambiniprinz Paul Kirfel zeigten sich Schützenbrüder und Bewohner in Feierlaune. Neben Bürgermeister Stephan  Muckel und dem Landtagsabgeordneten Thomas Schnelle (CDU) als Ehrengäste konnte die Bruderschaft viele befreundete Schützen aus nah und fern begrüßen und als dritten Musikzug den Musikverein Rath-Anhoven. Zuvor hatten am Vormittag bei Festmesse, Gedenkfeier und Zapfenstreich das Trommler- und Pfeifercorps Venrath und der heimische St. Josephs Musikverein Keyenberg aufgespielt.

„Es ist nicht selbstverständlich, dass die Musiker uns nach der schwierigen Zeit die Treue gehalten haben“, sagte Tetzlaff in seinem Dank. Er nutzte den musikalischen Frühschoppen, Frank Knur und Franz-Josef Heinrichs für das langjährige Wirken im Sinne der Schützenmusik mit der Schützenmusikerauszeichnung in Silber des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften zu würdigen.

Ebenfalls geehrt wurden Martina Schotten, Heinz-Peter Froitzheim, Christian Albrecht und Hartmut Klauth für 25-jährige Mitgliedschaft in der Bruderschaft, Joachim Mützke, Bernd Totten, Franz-Josef Heinrichs und Heinz Beeck für 40-jähriges Mitwirken, Hans-Peter Kirfel und Heinz-Josef Maaßen für 50-jährige Treue sowie Peter Zimmermanns und Gottfried Rademacker, die seit 60 Jahren dabei sind.

Die Premiere am Umsiedlungsort war für die Sebastianus-Schützen aber auch ein Abschied. Der Zug Alte Herren stellt nach dem Fest seine Aktivität ein. „Irgendwann ist die Zeit gekommen“, sagt Laumen bedauernd, zugleich blickt er zuversichtlich nach vorne: „Durch das Wiederaufleben unsere Jungschützenabteilung ist mir vor der Zukunft unserer Bruderschaft nicht bange.“ Dem verheißungsvollen Auftakt im neuen Keyenberg würden noch viele schöne Feste folgen, davon sind Tetzlaff und er überzeugt.