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Erkelenz: St. Martinus nun glocken- und uhrenlos

Erkelenz : St. Martinus nun glocken- und uhrenlos

Gestern wurden aus der entwidmeten St.-Martinus-Kirche in Borschemich (alt) die vier Glocken, die drei Turmuhren und das "Turmbesteck" zu Boden gehievt und zur neuen Martinuskapelle nach Borschemich (neu) transportiert.

Gertrude Hurtz hat Tränen in den Augen. "Vor gut zwei Wochen hatten wir ja mit dem Entwidmungsgottesdienst schon eine schöne Beerdigung. Jetzt müssen wir auch das mit ansehen. Das geht wirklich an die Substanz", bekennt die frühere Vorsitzende des Pfarrgemeinderats von St. Martinus Borschemich beim Anblick der auf einem Anhänger säuberlich verstauten vier Glocken.

Die haben - nach zweitägigen Vorarbeiten im Turm - soeben Mitarbeiter der Glocken- und Kunstgießerei Petit & Gebrüder Edelbrock aus Gescher/Westfalen mit einem mächtigen Kran aus dem Glockenturm gehievt. Die erste Glocke berührt dabei um exakt 8.58 Uhr Borschemicher Boden, die letzte, die kleine Totenglocke, tut dies um 9.25 Uhr.

 Nach der Demontage der Glocken waren die Turmuhren an der Reihe. Auch hier packte Martinuskapellen-Architekt Elmar Paul Sommer (r.) kräftig mit an.
Nach der Demontage der Glocken waren die Turmuhren an der Reihe. Auch hier packte Martinuskapellen-Architekt Elmar Paul Sommer (r.) kräftig mit an. Foto: Laaser, Jürgen (jl)

Abgeschlossen sind die Arbeiten gestern Vormittag damit aber noch lange nicht. Danach werden die drei Turmuhren nach unten befördert, ehe zum buchstäblich krönenden Abschluss der Erkelenzer Dachdeckermeister Bernd Schmidt mit zwei Mitarbeitern anrückt.

Das Trio hat die Aufgabe, das sogenannte "Turmbesteck" zu demontieren - also die Kirchturmsspitze, bestehend aus Weltkugel, Kreuz und abschließendem Wetterhahn. Im Anschluss werden alle demontierten Gegenstände zur noch im Bau befindlichen Martinuskapelle nach Borschemich (neu) gebracht. "Ab dem Frühjahr werden die Glocken dort zu hören sein", kündigt Elmar Paul Sommer an, der Martinuskapellen-Architekt aus Monschau.

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Die Arbeiten sehr interessiert verfolgt auch Heinz-Willi Goebels, der seit 2010 in St. Martinus die Familientradition der Küsterdienste fortgesetzt hat. "Auch wenn wir uns darauf vorbereiten konnten: Das jetzt hier mit ansehen zu müssen, tut sehr weh. Sehr froh sind wir aber, dass diese Dinge alle mit in die neue Martinuskapelle kommen."

Zu den etwa ein Dutzend Menschen, die die Demontage verfolgen, zählt auch Werner Rombach. "Die Borschemicher nehmen bei ihrer Kirche wirklich einen Abschied auf Raten", bemerkt der verantwortliche Pfarrer. Der Anblick eines Krans, der eine Kirchturmsspitze zu Boden hievt, sei ihm zwar von den Sanierungsarbeiten am großen Lambertiturm sehr vertraut. "Damals wusste ich aber eben, dass die Spitze auch wieder draufkommt - hier ist das nicht der Fall."

Aus Borschemich (neu) ist unter anderem das Ehepaar Beeck in seinen alten Ort gekommen. "Wenn ich das hier sehe, wird mir schon ein wenig mulmig", sagt Monika Beeck, während ihr Mann Josef auf einen ganz praktischen Aspekt hinweist: "Ich konnte von meinem Sessel im Wohnzimmer immer die Turmuhr sehen - das wird in Borschemich (neu) nun leider nicht der Fall sein."

Den mit Abstand weitesten Weg nach Borschemich (alt) hat gestern Arne Müseler zurückgelegt: Eigens für die Demontage ist der Fotograf aus Salzburg angereist, um auch diese Episode der Umsiedlung in Bildern festzuhalten. "Seit 2006 begleite ich hier mit der Kamera die Umsiedlung, werde am Ende dazu ein Buch veröffentlichen", erzählt der gebürtige Westfale aus Hamm.

(emo)