St. Lambertus Erkelenz: viel Applaus für Louis Spohr Oratorium Die letzten Dinge

Spohr „Die letzten Dinge“ : Publikum begeistert von Spohrs Oratorium

Dank und viel Applaus gab es an St. Lambertus Erkelenz für die Aufführung von Louis Spohrs Oratorium „Die letzten Dinge“.

Die Kirchenmusikwoche erlebte mit einem fast vergessenen Komponisten einen Höhepunkt. In aller Bescheidenheit, so wird jedenfalls der Komponist im Begleitheft zitiert, sagte Louis Spohr über sein Oratorium „Die letzten Dinge“, das während der 14. Erkelenzer Kirchenmusikwoche zur Aufführung kam: „Ich war vor allem bemüht, sehr einfach zu sein, religiös und echt im Ausdruck, und dabei sorgfältig alle künstlerischen Tricks, jeden Bombast und Aufführungsschwierigkeiten zu vermeiden.“ Was in der Pfarrkirche St. Lambertus dann als „einfach, religiös und echt“ erklang, war viel mehr, als die zahlreichen Besucher zu erwarten geglaubt hatten.

Das von Pfarrer Werner Rombach als „grandioses Konzert“ angekündigte Werk für Soli, Chor und Orchester wurde in der Tat zu einem herausragenden Musikerlebnis, für das das Publikum stehend mit lange anhaltendem Beifall dankte. Manch einer fragte sich, warum dieses 1815/16 von Spohr geschaffene Oratorium so selten aufgeführt wurde. Umso mehr ist Kantor Stefan Emanuel Knauer zu danken, dass er dieses Werk ins Programm der diesjährigen Kirchenmusikwoche aufgenommen hatte. Ihm gelang es als Leiter des Konzerts, mit Susan Kohlen (Sopran), Mechthild Georg (Alt), Fabian Strothmann (Tenor) und Manfred Bühl (Bass) überzeugende Solisten zu finden, die bestens mit dem über 60-köpfigen Kirchen- und Projektchor St. Lambertus Erkelenz und der Philharmonie Düsseldorf harmonierten.

Ob sinfonisch, als Sologesang oder als mächtig klingender Chor, an vielen Stellen des Oratoriums hörten die Zuhörer beseelt zu, beginnend mit einer sehr fulminanten Ouvertüre, die fast nahtlos in einen Gesangspart überging. Geradezu dramatisch wurde das Rezitativ von Bühl dargeboten, der damit das Publikum in atemlose Spannung versetzte, die lange anhielt, bis endlich, fast schon als Erlösung zu verstehen, der Chor mit einem „Halleluja. Amen!“ den versöhnlichen Schlusspunkt setzte.

Spohr, der 1784 bis 1859 lebte, war zu seiner Zeit einer der berühmtesten und bedeutendsten Komponisten, der obendrein auch ein begnadeter Violinist war, der auf einer Stufe mit Paganini stand, und einer der begehrtesten Dirigenten. Warum er in Vergessenheit geraten ist, ist eine spannende Frage der Musikgeschichte. Auch in der aktuellen Musikliteratur finden sich immer wieder Anzeichen und Tonfolgen, die sofort Assoziationen zu modernen Stücken hervorrufen, wie etwa das „Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr“.

Eine bedeutsame Rolle kommt in „Die letzten Dinge“ dem Chor zu, der fast in allen Passagen gefordert ist. Bei der Aufführung zeigte sich der Erfolg der intensiven Probenarbeit mit Knauer, aber auch mit Stimmbildner Bühl, der wie Knauer als Kirchenmusiker in der Pfarrei Christkönig tätig ist. Der Chor, der weit über die Grenzen von Erkelenz hinaus bekannt ist, hatte seine Qualität nicht nur beim abschließenden Stück, sondern insbesondere beim Lied „Gefallen ist Babylon, die Große“ und vor allem beim Eingangsstück „Preis und Ehre ihm“.

Der stürmische Beifall war Preis und Ehre für alle am Konzert Beteiligten, war Preis und Ehre zugleich für die Kirchenmusik und nicht zuletzt Huldigung und Würdigung für einen fast vergessenen Komponisten, dessen Oratorium überzeugend umgesetzt wurde.

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