Schüler des Stiftisch-Humanistischen Gymnasiums Mönchengladbach lernen auf dem Eggerather Hof bei Holzweiler über die Probleme Klimawandel und Umsiedlung

Landwirtschaft am Tagebau : Umsiedlung als Thema der Projektwoche

Schüler eines Gladbacher Gymnasiums lernen auf dem Eggerather Hof bei Holzweiler nicht nur Landwirtschaft kennen, sondern sie erfahren auch, was es für Menschen bedeutet, für den Tagebau umsiedeln zu müssen.

Als Ashley, Hannah, Jolie, Mona und ihre Klassenkameraden der fünften Klassen aus dem Blätterdach von Buchen, Eichen und Linden heraustreten, weht Feldstaub unter ihren Schuhen hoch, so trocken ist der Grund, auf dem sie stehen. Währenddessen presst im schönsten Sonnenschein 20 Meter weiter eine Pumpe Wasser über Kilometer hinweg zu den Gemüse- und Kartoffelfeldern – im Boden unter den Füßen der Jugendlichen zeigt sich der Klimawandel. Und der gleiche Boden ist in 15 Jahren vielleicht schon weggebaggert, genauso wie der Eggerather Hof, den sie zum Abschluss des Schuljahres besuchen.

In ihrer Projektwoche zum Thema „Landwirtschaft“ bekommen sie Außergewöhnliches mit, die Kinder des Stiftisch-Humanistischen Gymnasiums Mönchengladbach. Lehrer Heinz Junker führt sie zum Eggera­ther Hof, der im weiten Feld vor seinem Heimatdorf Holzweiler liegt. 2019 versieht der Pädagoge den Besuch auf dem vor mehr als 800 Jahren nachgewiesenen, früheren Rittergut mit einem Akzent von „Kids for Future“: in Form von Anschauungsunterricht mit einem Blick in den Tagebau Garzweiler II vom Skywalk bei Jackerath aus. Thematisch geht es um nichts Geringeres als den Erhalt des Eggerather Hofs.

Eigner und Bewirtschafter Stephan Schmitz erläutert den gut 40 Schülern, dass er immer noch nicht weiß, ob der seit Generationen von seiner Familie betriebene Agrarbetrieb weggebaggert werden wird oder nicht. Man fühle sich zu Holz­weiler gehörig, das vor drei Jahren aus dem Abbauplan der Braunkohle herausgenommen wurde. Das Zu- und Zusammengehörigkeitsgefühl zum Dorf – das gilt auch für den benachbarten Roitzerhof – scheint bei den Planern in der Landeshauptstadt Düsseldorf nicht angekommen zu sein. „Erntet“ der Kohlenbagger, von den Gemüsefeldern aus zu sehen, den Eggerather Hof von 1754 mit Torhaus, Wohntrakt, Ställen, Scheunen und (früherer) Mistgrube, baut Stephan Schmitz einen neuen Hof auf, irgendwo: „Das werden dann ein modernes Wohnhaus und mehrere große Stahlhallen.“ Den Gesichtern der jungen Hörergemeinde ist deutlich anzusehen, für welche Architektur und Baumaterialien sie sich gemeinsam mit Stephan Schmitz lieber entscheiden würden. Am besten, der Hof bliebe.

„Was fehlt Euch?“, fragt Stephan Schmitz, Vater zweier kleiner Kinder, in die Runde. „Tiere!“, ruft der Chor aus Schülern. Schon der Vater des talentierten Agrarpädagogen Stephan Schmitz hat den Kampf um Milchquoten und Schweineberge aufgegeben. Erbsen, Bohnen, Möhren, Kartoffeln und Co. wachsen auf dem Lößboden um den Hof, dessen Wassergräben auch schon lange trocken liegen. Und zu den Kartoffeln hat Stephan Schmitz eine Frage an die neugierige Runde: Wozu werden die wohl verarbeitet?“ „Pommes!“, ruft der zeitgenössische Gourmet-Chor, der anschließend seine Kochkünste ausprobieren kann, denn aus der riesigen Stahlhalle darf jeder einige Kartoffeln mit nach Hause nehmen. Rechtzeitig genug, denn 2035 könnten der Eggerather Hof und seine Kartoffeläcker schon längst Geschichte sein.

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