Sänger Manfred Bühl erklärt Spohr Oratorium Die letzten Dinge, das in Erkelenz St. Lambertus aufgeführt wird

Gesangssolist beschreibt Oratorium : Chor von Spohr-Oratorium begeistert

An St. Lambertus startet die Kirchenmusikwoche mit einem Oratorium von Louis Spohr, das selten aufgeführt wird – das aber viel öfter aufgeführt werden sollte, was Solist und Stimmbildner Manfred Bühl begründet.

Mit „Die letzten Dinge“ von Louis Spohr führt der Chor von St. Lambertus in Erkelenz ein sehr selten zu hörendes Oratorium auf. Wie beschreiben Sie, einer der Gesangssolisten und Vertrauter des Kirchen- und Projektchores, das Werk jemandem, der diese Musik nicht kennt?

Bühl Dieses Oratorium steht zwischen den Gattungen. Es nimmt Stilistiken des Barock auf, steht in der späten Klassik und geht auch schon in die Romantik über. Es klingt ein wenig nach Schubert, Mendelssohn, und wenn man genau hinhört, sind auch Anklänge an Wagner zu erkennen, zum Beispiel in einer meiner Passagen.

Sie beschreiben eine enorme Bandbreite. Wofür steht Spohr ganz speziell?

Bühl Er schafft es, viele Stilistiken zu bündeln, zu seiner Sprache zu machen und seiner Zeit vorausweisend zu komponieren. Für mich ist zudem besonders, dass er mit seiner Musik Stimmungen und Emotionen entstehen lässt, wozu dann der Text kommt – und dabei lässt er dem Zuhörer den Freiraum, seine eigenen Bilder zu erschaffen.

Wie lange dauert die Aufführung in Erkelenz?

Bühl 90 Minuten, plus Pause. Der erste Teil beginnt mit einer Ouvertüre, der zweite mit einer orchestralen Sinfonia. Insgesamt gibt es nur wenige ausschließliche Solonummern. Ganz häufig treten die Solisten dafür als Quartett auf oder mit dem Chor zusammen in einer Art Doppelchörigkeit.

Das klingt, als hätten die Erkelenzer Sänger sehr viel einstudiert und am Konzerttag zu singen ...

Bühl ... es liegt in der Biografie von Spohr, dass dem Chor eine stärkere Rolle zukommt. Als er das Werk komponierte, 1826, war Spohr am Opernhaus in Kassel, und er hat in seiner Zeit viel mit Chören gearbeitet. Es ist diesem Werk zueigen, dass Spohr es Laiensängern ermöglichen wollte, dieses Oratorium aufzuführen. Die Gesangslinien sind melodisch und für die Chorsänger dadurch gut nachzuverfolgen – für die Gesangssolisten und die Instrumentalisten des großen romantischen Orchesters hingegen ist das Werk kompositorisch anspruchsvoll notiert. Auch das liegt in Spohrs Biografie begründet, der zu seiner Zeit neben Paganini als führender Geigenvirtuose Europas galt.

„Die letzten Dinge“ ist ein Werk, das selten zu hören ist. Nachdem die Noten 2008 in einer revidierten Fassung neu herausgegeben worden waren, haben Sie schon im darauffolgenden Jahr als Solist an Konzerten und einer CD mit dem Unichor und -orchester aus Osnabrück mitgewirkt. Wie haben die Erkelenzer Sänger, für die Sie auch als Stimmbildner tätig sind, auf diese Werkauswahl reagiert?

Bühl Der Chor ist sehr begeistert von der Musik, die als sehr echt empfunden wird, da es Spohr hier zwar um aussagekräftige, aber nicht übertriebene oder überladene Musik ging. Wie der Titel möglicherweise nicht erahnen lässt, ist es eben eine nicht nur dramatische und traurige Musik, sondern eine Tonsprache, die man emotional aufnehmen und der man sich hingeben kann. Zu Lebzeiten Spohrs war das Werk übrigens sehr oft in ganz Europa aufgeführt worden. Dass es heute nicht mehr zum Standardrepertoire gehört, ist viel zu schade – deshalb ist das Engagement des Erkelenzer Chores und von Kantor Stefan Emanuel Knauer sehr gut und wichtig.

Sie sprechen auf den Titel und damit den Inhalt an. Worum handelt es sich?

Bühl Verwendungen fanden frei zusammengestellt Textteile aus der Offenbarung des Johannes, also der Apokalypse, der Endzeit. Wer mehr erfahren möchte, bekommt beim Konzert ein Progammheft, in dem die Gesangstexte und anfangs eine kurze Einführung zum Komponisten und zum Werk enthalten sind. Am Tag zuvor hält Pfarrer Roland Scheulen, wie auch schon in den vergangenen Jahren, im Pfarrzentrum am Johannismarkt einen Vortrag, in dem er das Theologische des Werks und die Musik erklärt. Das ist die perfekte Möglichkeit, um sich auf dieses besondere Konzerterlebnis vorzubereiten und einzustimmen.

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