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Ritter von Harff mit Gesang gehuldigt

Erkelenz : Flunkerndem Pilger-Ritter von Harff mit Gesang und Djoze gehuldigt

Der Heimatverein der Erkelenzer Lande hatte in die Leonhardskapelle geladen, in der die Arnold-von-Harff-Expertin Maria Jonas mit einer Auswahl von bis zu 800 Jahren alten Liedern den Stationen der Reise des in Lövenich ansässigen und aller Wahrscheinlichkeit nach in der Vorgängerkirche beerdigten Abenteurers folgte.

Ein paar Fußgänger blieben an der Leonhardskapelle stehen, hörten mit Verwunderung orientalische Melodik aus den offenen Fenstern des Obergeschosses – kein Radio, Fernseher oder CD: Live entlockte Bassem Hawar den Saiten seiner Djoze typische Töne, den Sopran von Maria Jonas begleitend, dem Thema „Pilgerreise des Ritters Arnold von Harff“ folgend.

Der Heimatverein der Erkelenzer Lande (HEL) hatte für den sonntäglichen Spätnachmittag in die Leonhardskapelle geladen, in der die Arnold-von-Harff-Expertin Maria Jonas mit einer Auswahl von bis zu 800 Jahren alten Liedern den Stationen der Reise des in Lövenich ansässigen und aller Wahrscheinlichkeit nach in der Vorgängerkirche beerdigten Abenteurers folgte. Begleitet vom gebürtigen Iraker Bassem Hawar mit der Djoze, einem traditionellen irakischen Instrument, einer Kniegeige mit einem handgroßen Klangkörper, der aus einer halben Kokosnuss gefertigt und mit einer Fischhaut verschlossen wird, vier Saiten mit dem Geigenbogen gespielt, ergeben zumindest bei Bassem Hawar eine faszinierende melodische Vielfalt selbst bei mittelalterlichen Werken von Hildegard von Bingen.

Günther Merkens hatte als HEL-Vorsitzender daran erinnert, dass der Verein vor zehn Jahren eine Ausstellung zu Arnold von Harff organisiert, Maria Jonas 2009 zu einem Konzert in der Lövenicher Kirche geladen hatte. Und dass diese „ihr Herz an den Ritter Arnold verloren hatte“, belegte sie mit dem Aufbau des Konzertabends, orientiert an den Stationen der Hin- wie auch der Rückreise in den Jahren 1496 bis 1498, in der er die heiligen Pilgerstätten des Christentums, Rom, Jerusalem, Santiago de Compostela und Köln besucht hatte, in letzterer war er gestartet und wieder angekommen.

„Wail up ich muess von hynnen“ war der Start ins Konzert, das zwei Dutzend Zuhörer genossen, das Stück aus dem Liederbuch der Anna von Köln, ums Jahr 1500 erschienen, markierte mit „ich muss von hinnen“ den Abschied in Köln am 7. November 1496.

Mit erstaunlicher Laut-Kraft begleitete die recht kleine Djoze, mit Bogen und als Zupfinstrument gleichzeitig gespielt, den konsequenten Coloratur-Sopran von Maria Jonas einfühlsam und mit ausdrucksstarken Soli in alter deutscher Musik, orientalischen und sephardischen Liedern, teils rhythmisch deutlich akzentuiert. Sepharden sind die Juden der iberischen Halbinsel, von der sie um 1500 vertrieben wurden. Im Programm auch Walther von der Vogelweides „Palästinalied“ und das sephardische Pendant „Palestina hermosa“, das die unterschiedlichen Traditionen, aber auch melodische Gemeinsamkeiten bei den einfacheren Harmonien etlicher Jahrhunderte zuvor.

Ende war mit „Laist ons syngen“, Gesang zur glücklichen Rückkunft von einer Reise, die eher eine Bildungs- und Abenteuerreise denn eine Pilgerfahrt war, deren Besonderheit auch darin bestand, dass sie lebendig und informativ vom Ritter von Gut Nierhoven bei Lövenich beschrieben wurde. „Lasst uns singen“ stammt logischerweise aus dem Büchlein von Anna von Köln, gesungen in der Stadt am Rhein zur Rückkunft am 11. November 1498. Von Harff war 1471 geboren, als er bereits 1505 verstarb, ahnte noch niemand, dass er in seinem großen Bericht auch groß geflunkert hatte. In Indien, Madagaskar und u.a. an den Quellen des Nils ist er nicht, obwohl beschrieben, nie gewesen, ermittelten Wissenschaftler im 19. Jahrhundert, sie fanden die Quellen, u.a. bei Marco Polo, die der „fromme“ Reise-Literat einfach abgeschrieben hatte. Es gilt aber auch wohl: „Eine schöne Lüge ist auch eine Kunst!“

Günther Merkens legte dar, dass die Konzert-Halle Leonhardskapelle Teil des „Erkelenzer Gasthauses“ war, das bereits zu von Harffs Zeiten existierte. Er wird es wohl gekannt haben, da ein Gasthaus zu dieser Zeit weniger eine Getränke-Schänke, sondern mehr eine Pilgerrast und auch Kranken- und Armenhaus war. Insofern gab’s einen Bezug.