Erkelenz: Repaircafé als Begegnungsstätte

Erkelenz : Repaircafé als Begegnungsstätte

Im Erkelenzer Repaircafé am Johannismarkt bieten Fachleute nicht nur unentgeltlich Reparaturen jeder Art an, der Ort dient auch als Treffpunkt zum gemeinsamen Austausch.

Ein defekter Laptop, ein zu lauter Staubsauger, eine Lampe mit Wackelkontakt - die Liste der Gegenstände, die im Repaircafé schon wieder in Ordnung gebracht worden sind, ist lang. Erst seit einem halben Jahr öffnet die Einrichtung einmal im Monat, an jedem Tag werden durchschnittlich aber 20 Gegenstände zur Reparatur vorbeigebracht. "Meist sind es elektronische Geräte oder alte Bauteile, die dem Besitzer am Herzen liegen", erklärt Holger Rautenberg, der selbst von Anfang an zum Team des Repaircafés zählt.

Trotz ihrer Freude am Reparieren geht es ihnen in erster Linie nicht um die Arbeiten, sondern vielmehr darum, einen Ort zu schaffen, zu dem jeder auch ohne einen Grund vorbeikommen kann. "Wir legen unseren Fokus darauf, ein ,Erzählcafé' zu bieten, da es in Erkelenz so keine Begegnungsstätte gibt", betont Holger Rautenberg. Zu Kaffee und Kuchen sei jeder eingeladen, der Lust habe. "Oft kommen die Leute eben auch einfach so vorbei, nicht jeder bringt etwas zur Reparatur mit".

Nachdem ein defekter Gegenstand zunächst in der Werkstatt untersucht wurde, wird noch vor Ort entschieden, ob der Schaden behoben werden kann. "Auch wenn wir manchmal etwas nicht reparieren können, versuchen wir, eine Empfehlung auszusprechen, an welches Fachgeschäft man sich wenden kann", so Rautenberg. Während der Reparatur, die je nach Gegenstand bis zu einer Stunde dauern kann, können die Besitzer in der Werkstatt zusehen oder es sich bei Kaffee und Kuchen mit anderen Gästen gemütlich machen. Auch alle Speisen müssen nicht bezahlt werden und werden wie die Werkzeuge durch Spenden finanziert: "Wir freuen uns über alle angebotenen Kuchenspenden - einmal mussten wir sogar schon einigen absagen, weil wir bereits so viele hatten", erzählt Gemeindereferent Michael Kock. Während der kurzen Zeit, in der das Repaircafé nun schon besteht, sind bereits einige, zum Teil sehr besondere Gegenstände zusammengekommen: Ein altes Holzradio wurde vorbeigebracht, aber auch ein ganzer Fernseher war schon dabei, dessen erfolgreiche Ausbesserung einen kompletten Tag in Anspruch nahm.

Das aktuell zwölfköpfige Team selbst besteht aus ehrenamtlichen Elektrikern oder Mechanikern, aber auch Menschen, die das Reparieren lernen wollen oder sich um die Kommunikation mit den Gästen kümmern, machen mit. Seit drei Monaten arbeitet das Repaircafé zudem mit dem Eine-Welt-Laden Mönchengladbach zusammen. Da es in Erkelenz noch keinen Ableger des Vereins gibt, stellt dieser seine Produkte und Ideen nun auch im Repaircafé vor und verkauft Transfairartikel. Die Idee zu einem Repaircafé stammt ursprünglich aus den Niederlanden und verbreitet sich seitdem stark. "Die Initiative will darauf hinaus, dass weniger Elektronik weggeworfen wird, und möchte außerdem das Wissen der selbstständigen Reparatur erhalten - schließlich wird sonst meist einfach alles wieder neu gekauft", erklärt Rautenberg. Er selbst hat von dem Projekt in der Zeitung gelesen. "Für mich stand sofort fest, dass ich da hin muss - und bereut habe ich es nie." Das Team des Repaircafés ist sich einig: "Es macht jeden Tag mehr Spaß".

(kabo)
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