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Archäologische Fundstücke in Erkelenz: Raritäten unter Haus Pesch entdeckt

Archäologische Fundstücke in Erkelenz : Raritäten unter Haus Pesch entdeckt

Erstmals haben Archäologen gestern in Bonn die Fundstücke präsentiert, die bei Ausgrabungen unter dem ehemaligen Rittergut in Erkelenz-Pesch in Hülle und Fülle entdeckt wurden. Das Gebäude musste für den Tagebau weichen.

Holz- und Lederschuhe, hölzerne Schalen und Löffel — vergängliche Objekte, die nur selten und unter besonderen Bodenbedingungen erhalten bleiben. In großer Anzahl kamen diese organischen Funde im inneren Umfassungsgraben und in den Latrinen des ehemaligen Rittergutes Haus Pesch zutage.

Zusammen mit zahlreichen Funden aus beständigeren Materialien wie Glas, Keramik und Metall zeichnen sie "ein unerwartet vollständiges und facettenreiches Bild vom Leben des rheinischen Niederadels im 15. und 16. Jahrhundert", sagte Dr. Alfred Schuler, der Grabungsleiter des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) in Pesch gewesen ist, gestern in Bonn.

Das ehemalige Rittergut in Pesch musste wie alle anderen Häuser des kleinen Ortes für den nahenden Braunkohlentagebau geräumt werden. Der 1265 erstmalig urkundlich erwähnte Rittersitz "Werencenrode" (Rodung des Werenken), das spätere Haus Pesch, wurde 2010 bis zur Bodenplatte abgerissen, was Denkmalpfleger begleiteten. Danach kamen für zwei Jahre die Archäologen des LVR-Amts für Bodendenkmalpflege. "Dabei stießen wir auf eine Vorgängeranlage des Herrenhauses: eine Kleinburg mit zentralem Wohnturm und Nebengebäuden", sagte Schuler.

Gut datierbare Funde aus dem Brandschutt des Küchenkellers zeigen, dass das ältere Adelshaus bei einem Überfall im Kölnischen Krieg um 1586 zerstört wurde. Überdauern konnten viele Gegenstände, die nun entdeckt wurden, da der innere Umfassungsgraben beim Wiederaufbau weniger tief als der alte angelegt wurde: "So blieb die alte Grabenfüllung des 15./16. Jahrhunderts erhalten. Im feuchten Boden überdauerten die organischen Funde bis zu ihrer Bergung."

Die während der zweijährigen Arbeiten in Pesch gemachten Funde wurden konserviert und restauriert, so dass einige seit gestern im LVR-Landesmuseum in Bonn gezeigt werden können. Anlass der Sonderschau ist die Jahrestagung "Archäologie im Rheinland — Ausgrabungen, Forschungen und Funde 2012". Darin zu bestaunen sind in sechs Vitrinen einige Funde aus Pesch, darunter von Juliane Bausewein restaurierte Holzschuhe, Küchengeräte, ein Hodendolch sowie tennisballgroße Steinkugeln, die als Geschosse genutzt wurden. Im Mai wird das Museum noch einmal weitere Funde zeigen, darunter Lederschuhe, die noch restauriert werden.

Das Spektrum der Fundstücke reicht von schlichten Alltagsgeräten bis zu einem Messinglöffel mit Löwenmotiv für gehobene Ansprüche. "Solche Funde machen soziale Abstufungen unter den Burgbewohnern sichtbar", sagte Schuler. "Verzierte Reitutensilien, Gerätschaften zur Pferdepflege oder Waffen, darunter eiserne Hodendolche, mit denen der Träger seine Männlichkeit unterstrich, spiegeln Ausstattung und Leben der adeligen Herren auf Haus Pesch wider. Kostbare Trinkgläser, teils in venezianischer Machart, ein spezielles Keramikgefäß für Trinkspiele bei Tafelrunden (Vexierkrug), aber auch hochwertiges Steinzeuggeschirr unterstreichen die Tafelkultur des Adels in Spätgotik und Frührenaissance, die in Haus Pesch gepflegt wurde."

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(RP/rl)