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Podiumsdiskussion mit Politikwissenschaftler Siebo Janssen zur Migration in Erkelenz

Podiumsdiskussion in Erkelenz : Einwanderungsgesetz muss das Ziel sein

Eine Podiumsdiskussion mit dem Historiker und Politikwissenschaftler Siebo Janssen zur Migration und Integration war Teil des Europatags in Erkelenz. Er fordert klare Regeln auf europäischer Ebene.

Der Europatag als Fest der Freundschaft zwischen den Völkern war auch Anlass, sich Gedanken um die Zukunft zu machen. So hatte der Verein Erkelenz International zu einer Podiumsdiskussion geladen. Thema: „Zukunft in Europa – Migration und Integration als Chance und Herausforderung“.

Die Migration habe es immer schon gegeben in der Geschichte der Menschheit, meinte Politikwissenschaftler Siebo Janssen. Jetzt gebe es aber in Europa die fatale, unangebrachte Tendenz, sich abzuschotten, weil viele befürchten, die Migranten könnten den Wohlstand gefährden. Es werde aber noch zu weitaus gravierenderen Migrationsströmen als Folge des Klimawandels kommen. Diese Einwanderungen zu verhindern, sei auf Dauer nicht möglich, es könne nur das Ziel aller sein, eine Regelung durch ein Einwanderungsgesetz auf europäischer Ebene zu schaffen.

„Wir brauchen die Arbeitsmigration als Teil des Arbeitsmarkes“, ergänzte Pastoralreferent Johannes Eschweiler. Er verwies auf die so genannten Gastarbeiter, die als Mitglieder der Gesellschaft zum Wohlstand aller beigetragen hätten. Aber es dürfe nicht sein, dass heutzutage Migranten nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt oder mit Gehältern unter dem Mindestlohn abgespeist würden. Es sei geradezu paradox, wenn Menschen aus Osteuropa hierher kämen, um für wenig Geld zu arbeiten, und zugleich aus noch ärmeren Ländern die Menschen nach Osteuropa ziehen, um sich dort zu verdingen. Eine Lösung dieser Wanderungen könnte erreicht werden, wenn europaweit Mindestlöhne eingeführt würden, von denen jeder in seiner Heimat leben könnte.Die Wirtschaft brauche die Migranten, betonte Ulrich Schirowski, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Heinsberg. Der Mangel an Fachkräften sei ein Aspekt. Ein anderer sei die Arbeitskraft der Geflüchteten. Es gebe keine Hemmschwelle bei Unternehmen, Flüchtlinge zu beschäftigen. Das Problem seien bürokratische Hürden und Sprachprobleme. Schirowski war sich einig mit Michael Kutz, dem Vorsitzenden des Kinderschutzbundes. Kutz berichtete aus der alltäglichen Arbeit mit Asylanten, Asylbewerbern und geduldeten Menschen und über die Hemmnisse aus der Bürokratie. „Jeder Behörde arbeitet für sich nach ihren Regeln. Aber die Regel der einen Behörde passt nicht für eine anderet.“ Auf der Strecke bleibe der Mensch. Einig waren sich alle darin, dass es ein europaweit einheitliches Einwanderungsgesetz geben müsse sowie mehr Personal zur Betreuung der Geflüchteten und Überwachung der Vorschriften.