Erkelenz: Platt kommt von Herzen

Erkelenz : Platt kommt von Herzen

Der Lövenicher Theo Schläger möchte den heimischen Dialekt wiederbeleben. Dafür arbeitet er zurzeit an einer CD. "Platt ist meine Muttersprache – nicht Deutsch", sagt der pensionierte Grundschulrektor, dem es um die Praxis geht.

Der Lövenicher Theo Schläger möchte den heimischen Dialekt wiederbeleben. Dafür arbeitet er zurzeit an einer CD. "Platt ist meine Muttersprache — nicht Deutsch", sagt der pensionierte Grundschulrektor, dem es um die Praxis geht.

Vor einigen Jahren schrieb Theo Schläger für die Silvesterausgabe der Rheinischen Post ein Gedicht in Erkelenzer Platt. Abends, bei der Party im Freundeskreis, meinten dann einige, dass sie das Poem beim Lesen nicht verstanden hätten. "Daraufhin habe ich es ihnen laut vorgelesen, und da haben es auf einmal alle kapiert", sagt der Leiter des Arbeitskreises Mundart vom Heimatverein der Erkelenzer Lande schmunzelnd.

Eine Anekdote, die Wasser auf den Mühlen des pensionierten Grundschul-Rektors ist. "Beim Platt geht es eben um die gesprochene Sprache, nicht um die geschriebene", betont der Lövenicher — und schiebt nach: "Ich bin kein Mundart-Forscher, sondern ein Mundart-Sprecher."

Anwenden, nicht forschen

In der Computersprache würde man also sagen, Theo Schläger ist ein User, ein Anwender, aber eben kein Analyst des Plattdeutschen. "Die Geschichte der Mundart, generell deren wissenschaftliche Erforschung, ist nicht mein Thema", unterstreicht Schläger — und bringt dafür einen treffenden Vergleich: "Um vernünftig Auto fahren zu können, muss man nicht die Geschichte des Automobils kennen."

Und "Auto fahren" tut er leidenschaftlich gerne. "Nicht Hochdeutsch, Platt ist meine Muttersprache. Deutsch war für mich in der Schule die erste Fremdsprache. Ich denke und fühle in Platt. Diese Sprache steht für mich für Ehrlichkeit und Direktheit. Sie kommt von Herzen, bringt Dinge auf den Punkt — und ist sicherlich keine Diplomatensprache."

In seiner Kindheit hätten die Leute auf dem Dorf nur Platt gesprochen. "Diejenigen, die Hochdeutsch sprachen, wurden veräppelt", erinnert sich Schläger. Auch der Arzt und der Apotheker hätten Mundart geredet. "Nur die reichen Hofbesitzer nicht."

Der schleichende Siegeszug der Standardsprache habe auf den Dörfern des Erkelenzer Lands zu Beginn der 50er Jahre eingesetzt. "Da kamen die Vertriebenen, die übrigens ganz großen Wert darauf legten, keine Flüchtlinge zu sein. Die verstanden das Platt natürlich nicht, und daher war man beispielsweise auf der Arbeit gezwungen, Hochdeutsch zu reden. Das hat sich dann auf viele Bereiche des öffentlichen Lebens ausgedehnt."

Seit Jahrzehnten ist Schläger nun schon bemüht, das Platt am Leben zu halten. So gründete er als Grundschulrektor eine AG Platt, die bei den Kindern großen Zuspruch fand. "Die haben dann fleißig mit Oma und Opa geübt — ihre Eltern konnten es leider nicht mehr." So hat er bereits viele Lieder, Gedichte und Geschichten auf Platt verfasst. Und aktuell arbeitet er an der ersten Mundart-CD des Heimatvereins, die nach den Sommerferien erscheinen wird und der noch eine ganze Reihe folgen sollen.

Für die theoretische Fundierung: Georg Schuwirth: Wörterbuch der Erkelenzer Mundart (Band vier der Schriften des Heimatvereins der Erkelenzer Lande).

(RP)
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