Pianistin Olga Scheps gab Meisterkonzert in der Erkelenzer Stadthalle

Meisterkonzert in Erkelenzer Stadthalle : Brillanz an den Tasten

Einer schweren Erkältung zum Trotz beeindruckte Olga Scheps beim zweiten Meisterkonzert mit formvollendeter Klavierkunst.

Die Pianistin Olga Scheps gestaltete das zweite Meisterkonzert der aktuellen Reihe der Anton-Heinen-Volkshochschule in der Erkelenzer Stadthalle. Sie präsentierte Werke von Mozart, Beethoven, Strawinsky, Skrjabin und Tschaikowski.

Der düster-dramatische Einstieg in den Konzertabend erfolgte mit Wolfgang Amadeus Mozarts „Klaviersonate Nr. 9 a-Moll KV 310“, die erste von nur wenigen Moll-Sonaten Mozarts, die kurze Zeit nach dem Tod seiner Mutter entstand. Nachdem der Applaus für das erste Stück verklungen war, brach Scheps die Melancholie Mozarts mit Beethovens facettenreicher „Klaviersonate Nr. 7 D-Dur op. 10“. Die Pianistin durfte tiefe Einblicke in die Bandbreite ihres Könnens gewähren, hat Beethoven in diesem Werk doch fast alle denkbar möglichen kompositorischen Möglichkeiten zu einem äußerst komplexen und widersprüchlichem Ganzen verwoben, das schon früh Anerkennung für seine musikhistorische Bedeutung erlangte.

Nach der Pause erzählte Scheps mit den „Trois mouvements de Pétrouchka“ von Igor Strawinsky die skurril-tragische Geschichte der Gliederpuppe Petruschka, die Strawinsky für das gleichnamige Ballett vertonte. Das Stück gilt bis heute als eines der schwierigsten und virtuosesten Werke der Klavierliteratur und fand aufgrund seiner hohen technischen Anforderungen bislang nur wenige Interpreten, darunter Alfred Brendel, von dem Olga Scheps seit mehr als 15 Jahren wichtige musikalische Impulse erhält. Die kunstvollen Hürden des Stückes meisterte sie mit Bravour und einem feinen Gespür für die emotionalen Wirrungen, in denen das Werk Strawinskys begründet liegt.
Auf die bezaubernde „Valse op. 38“ aus der Feder von Alexander Skrjabin folgte der fulminante Abschluss mit Tschaikowskis „Nussknacker-Suite op. 71A“ nach einer Bearbeitung für Soloklavier von Mikhail Pletnev. Die bekannten Melodien, gepaart mit Scheps‘ detailverliebtem Spiel, zogen das Publikum in ihren Bann.

Trotz einer starken Erkältung ließ sich Scheps nicht davon abhalten, ihr Publikum mit einem großartigen Konzert zu begeistern. Ihre Darbietung war von der ersten Minute von einer subtilen Eleganz durchzogen, als Meisterin der Dynamik baute sie die Melodien zu luftigen Spannungsbögen auf. Gezeichnet von Virtuosität und technischer Raffinesse war ihrer Darbietung bis auf kurze Pausen zwischen den Sätzen nichts von ihrer gesundheitlichen Verfassung anzumerken. Ihrem außerordentlichen Ruf in der Welt der klassischen Musik wurde sie vor allem angesichts dieser gemeisterten Widrigkeit mehr als nur gerecht.

Die in Moskau geborene und in Deutschland aufgewachsene Olga Scheps machte bereits früh bei renommierten Musikwettbewerben auf sich aufmerksam. Mit 16 Jahren begann sie als Jungstudentin ihr Studium an der Musikhochschule Köln, welches sie 2013 mit Auszeichnung bei Prof. Pavel Gililov abschloss. Sie trat bereits bei mehreren Konzertreihen und Festivals auf und konzertierte weltweit mit führenden Orchestern und Dirigenten. Seit 2009 ist sie Exklusivkünstlerin von Sony Classical. Sie hat bereits sieben Alben veröffentlicht und erhielt für „Chopin“ den ECHO Klassik als „Newcomerin des Jahres“. Sie gehört zum Kreis der „Steinway Artists“.