Erkelenz: Paffendorfs "Volkspassion" beeindruckt durch Schlichtheit

Erkelenz: Paffendorfs "Volkspassion" beeindruckt durch Schlichtheit

Eine besondere Einstimmung auf die Ostertage erlebten die Besucher einer besonderen Passionsaufführung in der Kirche St. Michael Granterath. Die "Johannes Passion" von Alexander Paffendorf schuf eine Atmosphäre nachdenklicher Versunkenheit und bot einen neuen Ansatz für das Verständnis der Passionsgeschichte.

Das Leiden und Sterben von Jesus Christus nach dem Evangelisten Johannes, vorgetragen von der Chorgemeinschaft Tenholt/Granterath/Hetzerath, bestand aus kurzen Passagen des Chores und vier Solostimmen, die auch mit Chormitgliedern besetzt waren. "Wir haben bewusst darauf verzichtet, Stimmen von außerhalb zu engagieren", erklärte Chorleiter Jürgen Pelz. Willi Nierhaus, ausgebildeter Opernsänger, hatte den Hauptpart des Evangelisten übernommen. Für einen 80-Jährigen war der Vortrag bemerkenswert.

Auch Rolf Gatzen als Petrus, Heinz-Rudi Heinze als Pilatus und Jürgen Pelz als Jesus waren stimmlich gefordert. Nicht so sehr mit einer sehr variablen Melodie, wohl aber beim Text kam es auf Präzision an. Der Komponist Alexander Paffendorf hatte die sog. "Volkspassion" 1925 komponiert. Er verwendete dabei bewusst die deutsche Sprache als Abkehr vom liturgischen Latein. Damit sollten alle Gläubigen die Möglichkeit erhalten, das Evangelium besser zu verstehen. "Die Förderung der Muttersprache und die einfache Vertonung", wie Pfarrer Werner Rombach in seiner Einleitung betonte, sollten dazu beitragen, dass die Leidensgeschichte Jesu die Menschen erreiche.

Genau das schafften die Solisten mit Unterstützung des Chores auf eindrucksvolle Art. Die leichte Monotonie im Gesang lenkte die Konzentration auf den Text, der gut verständlich die Zuhörer erreichte. Anders als beim gelesenen Vortrag unterstützte die Musik die Bedeutung der Worte. Nach dem letzten Ton verzichteten die Zuhörer bewusst auf Applaus, anerkennende Blicke reichten völlig.

"Das war eine sehr schöne Aufführung", lobte ein Experte. Für den Musik-Professor und früheren Chorleiter Norbert Brendt bestand gerade in der Schlichtheit der Reiz. "Das Schöne an dem Konzert ist, dass es vergleichsweise einfach aufgeführt werden kann." Das Urteil bestätigte auch Chorleiter Pelz. "Wir haben nur etwa drei Monate geprobt." Bewusst sang die Chorgemeinschaft dieses Konzert nur einmal und unterstrich damit auch den Projektcharakter.

(maut)