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Ökumenischer Gottesdienst bei Keyenberg: Protest an der Tagebaukante

Gottesdienst bei Keyenberg : Besinnlicher Protest an der Tagebaukante

Bei einem ökumenischen Gottesdienst auf einer privaten Wiese in Keyenberg wurde die Zerstörung der Schöpfung angeprangert. Mehr als 100 Menschen nahmen daran teil. Zum Abschluss zogen sie für ein Lied in Richtung Tagebaukante.

Den „Gottesdienst an der Kante“, zu dem das Bündnis „Die Kirche(n) im Dorf lassen“, nach Keyenberg eingeladen hatte, gestattete RWE als Grundstückseigentümer nicht auf einer Fläche direkt an der Landstraße neben dem Loch. Kurzerhand wechselte das Bündnis auf die nahe private „Maibaumwiese“ im Ort. Dort versammelten sich weit mehr als 100 Menschen, um gegen den Tagebau zu protestieren und zum anderen, um sich und weitere Menschen für den Kampf gegen die Bagger zu motivieren – coronabedingt mit Mindestabstand und mit Mund-und-Nasen-Schutz und größtenteils umweltbewusst angereist mit Fahrrad oder ÖPNV.

„Unmittelbarer Anlass ist das Handeln von RWE, die Corona-Zeit zu nutzen, sich unerträglich nahe an Keyenberg heranzugbaggern“, erklärte Renate Jansen vom Bündnis. Der zweite Grund sei das Verbot der ersten Menschenkette vor zwei Wochen. „Einen Gottesdienst können sie uns nicht verbieten.“

Somit kam es binnen weniger Tage zu drei Protestveranstaltungen: die Hausbesetzung in Lützerath, bei der das Amtsgericht Erkelenz schon am nächsten Tag die in Polizeigewahrsam genommenen Aktivisten wieder auf freien Fuß setzte, die zweite Menschenkette von „Alle Dörfer bleiben“, bei der die angemeldeten 30 Teilnehmer von fast 50 Ordnungshütern kontrolliert wurden, und dieser ungewöhnliche, ökumenische Freiluft-Gottesdienst. „Eine Kirche, die der Bedrohung ins Gesicht sieht und die sich widersetzt, das wollen wir sein“, erläuterte die katholische Theologin Julia Lis vom Institut für Theologie und Politik in Münster. „Wir wollen eine christliche Bewegung im Kampf gegen die Klimakrise sein.“ Keyenberg sei der richtige Ort für die Proteste für Klimaschutz und -gerechtigkeit. Deutlicher als hier, wo die Bagger vor den bewohnten Häusern graben, sei die Zerstörung der Schöpfung nirgends erkennbar, meinte sie evangelische Theologin Cornelia Senne. Die Bewahrung der Schöpfung werde vernichtet aus Hochmut und Profitgier. Sie beklagte, dass die Corona-Krise nicht für eine Zeit des Umdenkens genutzt würde, sondern für eine Beschleunigung der Zerstörung.

Viele zogen zu einem Abschlusslied zur „Kante“. „Wir können zufrieden sein“, bilanzierte Benedikt Kern vom Bündnis, zumal sich spontan weitere Menschen zu einem Mitwirken bei „Die Kirche(n) im Dorf lassen“ entschieden. Sennes Hoffnung: „Wir werden immer mehr, die sich auflehnen gegen die Zerstörung.“