Kommentar: Neuorientierung notwendig

Kommentar : Neuorientierung notwendig

Dass Wilfried Oellers das Direktmandat für den Kreis Heinsberg gewinnen würde, war klar. Noch nie seit Bestehen der Bundesrepublik musste die CDU hier bei einer Bundestagswahl einer anderen Partei den Vortritt lassen. Dass Oellers bei seiner zweiten Kandidatur weniger Stimmen erhalten würde als bei seiner ersten, lag ebenfalls im Bereich des Erwartbaren. 2013, als junger Bewerber, der zum ersten Mal antritt, hatten ihm die Wähler einen Vorschuss gewährt. Oellers hatte das zweitbeste Ergebnis eines CDU-Bewerbers im ganzen Rheinland bekommen. Jetzt konnte er nicht alle diese Stimmen erneut an sich binden. Dies ist nichts Unübliches, kein Makel. Vielmehr wird das für ihn Ansporn für seine Arbeit in den nächsten Jahren im Wahlkreis und in Berlin sein.

Im Vergleich der Bundestagswahlen seit der Wiedervereinigung erzielte Oellers das bislang schwächste Ergebnis eines Kreis Heinsberger CDU-Direktkandidaten. Außerdem schnitt seine Partei schwächer als im schwachen Jahr 2009 ab. Folgerichtig kündigte Bernd Krückel, Vorsitzender der CDU im Kreis Heinsberg, eine Analyse an. Seine Partei wird sich - wie die anderen Parteien - neu orientieren müssen in einer Parteienlandschaft, zu der die Alternative für Deutschland endgültig gehört, will sie dorthin abgewanderte Wähler zurückholen. Chancen dazu könnten bestehen, schloss die AfD hier vier Prozentpunkte schwächer als im Bundestrend ab.

Norbert Spinrath musste gestern lange zittern. Vier Jahre arbeitete der SPD-Abgeordnete aus Geilenkirchen in Berlin für seine Bundestagsfraktion als europapolitischer Sprecher an vorderster Front. Weil aus der Region zwischen Aachen und Düsseldorf aber weiterhin eine Reihe bekannter und altgedienter Sozialdemokraten für den Bundestag kandidierten, hatte Spinrath erneut nur den 23. Platz der Landesliste bekommen. Erst in der Nacht dürfte Klarheit geherrscht haben, ob er weiter in Berlin wird wirken dürfen. Sollte es so sein, wird er jubeln. Sollte er den Einzug ins Parlament verpasst haben, lag das nicht am persönlichen Engagement, sondern am Gesamtergebnis der SPD. Denn wie positiv die Arbeit von beiden in Berlin gesehen wurde zeigte sich im Wahlkampf. Allein die Liste namhafter Parteikollegen, die sie besucht haben, war ein Beleg, dass sie in ihren Fraktionen eine wichtige Rolle gefunden haben. Oellers wird diese vier weitere Jahre ausbauen können.

VON ANDREAS SPEEN

(RP)
Mehr von RP ONLINE