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Erkelenz: Neuer Weg: mit Speeddating zum Azubi

Erkelenz : Neuer Weg: mit Speeddating zum Azubi

In der Erkelenzer Hauptschule fand eine Premiere statt: Erstmals informierten fünf Arbeitgeber der Region in einer Art Gruppen-Speeddating über ihre Ausbildungsplätze. 30 noch nicht vermittelte Schüler der 10. Klassen machten mit.

Energisch bläst Berufsberater Hans-Werner Hinz in seine Pfeife, ehe kurz der Höhner-Handballhit "Wenn nicht jetzt, wann dann?" aus den Lautsprechern der Mensa der Hauptschule Erkelenz dröhnt — Zeit für einen Wechsel. 30 Schüler der 10. Klassen dieser Schule, die noch keinen Ausbildungsplatz haben, springen auf und wandern zum nächsten Beratungstisch. Sie machen mit bei diesem Pilotprojekt der Agentur für Arbeit: eine Art Gruppen-Speeddating unter dem Motto "Geradewegs zur Ausbildung — wenn nicht jetzt, wann dann?".

Zehn Stationen sind dafür aufgebaut — an fünf informiert jeweils ein Vertreter eines Arbeitgebers aus dem Kreis Heinsberg über seine Ausbildungsmöglichkeiten, an den weiteren fünf informieren Mitarbeiter der Agentur für Arbeit. Ein "Dating" dauert jeweils acht Minuten, je drei Schüler nehmen daran teil, durchlaufen in rund zwei Stunden so alle zehn Tische.

"Auf! Schließlich geht es für Bewerbungen in die Endspurtphase", ruft Maxi Weißmann, Teamleiterin Bereich Berufsberatung der Agentur für Arbeit, den Jugendlichen vor Beginn zu und bekennt, dass sie selbst sehr gespannt sei: "Das ist auch für mich eine Premiere."

Flugs sind die zehn Tische besetzt, drückt Hans-Werner Hinz zum ersten Mal auf die Stoppuhr — die ersten acht Minuten laufen. So auch am Tisch von Stephan Schild. Der 37-Jährige ist Lager- und Logistikleiter der Brachelener Holzhandlung Wicht. "Wir suchen zum 1. August noch einen Azubi fürs Lager", sagt er. Aufmerksam zu hört auch Rudi Schlegel. Der 16-Jährige aus Wildenrath würde eigentlich gerne Zerspanungsmechaniker werden. "18 Bewerbungen habe ich geschrieben. Dabei habe ich acht Absagen bekommen, und einmal bin ich beim Einstellungstest durchgefallen. Die andere Hälfte hat gar nicht geantwortet."

Eines hört auch Stephan Schild an diesem Nachmittag immer wieder: Die Teilnehmer wünschen sich für den Spätsommer sehnlich einen Ausbildungsplatz — die Alternative Berufskolleg sehen die meisten von ihnen nur als Notlösung an. So auch die Erkelenzerin Nathalie Wetstein, in diesem Jahr Schülersprecherin der Schule. Die 16-Jährige ist freilich weniger an Lagerarbeit interessiert, sondern würde gerne eine Ausbildung zur Bürokauffrau anfangen. Problem: "Eigentlich hätte ich dafür sogar schon eine Stelle, doch mir wurde da gesagt, ich sei noch zu jung. 18 Jahre müsste ich schon sein. Dann könnte ich da anfangen." Zur Überbrückung werde sie daher wahrscheinlich das Berufskolleg besuchen. "Das muss ich dann aber gleich für zwei Jahre tun."

Wilhelm Unruh dagegen überreicht Stephan Schild seine vorbereitete Bewerbungsmappe — aus echtem Interesse. "Ich habe in einem anderen Unternehmen bereits ein zweiwöchiges Praktikum im Lager gemacht. Das hat mir gefallen. Daher kann ich mir diesen Ausbildungsplatz auch gut vorstellen."

Auch an anderen Tischen überreichen die Schüler an diesem Nachmittag etliche Bewerbungsmappen. "Lebensläufe und Bewerbungen haben sie ja schon im Unterricht geschrieben, die Lehrer haben sich diese dann angeschaut", erläutert auf Nachfrage Schulleiter Erich Konietzka, der ebenfalls gespannt die Premiere verfolgt.

Mit dieser sehr zufrieden ist Maxi Weißmann. "Die Jugendlichen wurden im Laufe dieses Speeddatings immer mutiger. Dazu waren sie sehr diszipliniert. Die Atmosphäre war so bis zum Ende sehr angenehm. Und auch die Vertreter der fünf Arbeitgeber haben sich durchweg positiv geäußert."

(emo)