Meisterkonzert mit der Neuen Philharmonie Frankfurt in Erkelenz : Musikalische Exzellenz

Nach fast einjähriger Pause können die Meisterkonzerte nun wieder mit brillanten Musikern begeistern. Elya Levin und die Neue Philharmonie Frankfurt boten den überaus gelungenen Auftakt in Erkelenz.

Nachdem die Reihe im Vorjahr aufgrund des Pandemiegeschehens nach nur einem Konzert abgebrochen werden musste, starteten die Meisterkonzerte der Anton-Heinen-Volkshochschule des Kreises Heinsberg nun in eine neue Spielzeit. Die Neue Philharmonie Frankfurt und Starflötist Elya Levin präsentierten Stücke von Mozart, Ibert, Bizet und Mascagni in der Erkelenzer Stadthalle.

Zunächst ließ das Orchester Auszüge aus Wolfgang Amadeus Mozarts „Serenade Nr. 5“ in D-Dur, KV 204/213a, erklingen. Das Stück, das Mozart im Sommer 1775 für Zeremonien an der Universität Salzburg komponierte, umfasst im Original sieben Sätze. Eine Teilmenge davon ist, wie bei vielen seiner Orchesterserenaden, zu einer Symphonie arrangiert, die in diesem Falle aus dem ersten Satz sowie den Sätzen fünf bis sieben besteht. Vor allem im letzten Andantino-Allegro trumpften die Musiker unter dem präzisen und detailverliebten Dirigat von Jens Troester auf und kosteten im Wechselspiel von den leisesten Violinklängen bis zum jubilierenden Klangfeuerwerk jeden Ton bis auf das Letzte aus.

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Der Höhepunkt des Abends folgte mit dem spannungsgeladenen und dramatischen „Concerto pour Flûte et Orchestre“ von Jaques Ibert, in dessen Zuge Elya Levin großen Atem, flinke Finger und technische Exzellenz unter Beweis stellte. Das kontrastreiche Flötenkonzert gilt als eines der bekanntesten des 20. Jahrhunderts und bot Levin die Möglichkeit, die gesamte Bandbreite seiner Fertigkeiten darzubringen. Iberts Freigeist und seine Loslösung von den musikalischen Konventionen sind deutlich spürbar, entgegen dem französischen Zeitgeist seines Umfeldes ließ er Einflüsse von Jazz, Renaissance und Barock in sein Konzert mit einfließen. Ständige Wechsel in Rhythmik und Dynamik stellen sowohl den Flötisten, als auch das Orchester vor spielerische Herausforderungen, die die Frankfurter Musiker und Levin jedoch mit Bravour zu meistern wussten. Das träumerische Andante bildete einen Ruhepol inmitten der turbulenten Ecksätze, von denen gerade der letzte schon bei der Uraufführung im Jahr 1934 viel Aufmerksamkeit erregte und aufgrund seiner Raffinesse und Virtuosität zum Wettbewerbsstück am Pariser Konservatorium erkoren wurde. Nach rund 20 Minuten endet das Konzert in einer schwierigen Kadenz, die dem Instrumentalisten auf den letzten Metern noch einmal alles abverlangt. Elya Levin, der als Flötist bei der Badischen Staatskapelle und beim Südwestdeutschen Kammerorchester tätig ist, meisterte diese jedoch mit scheinbarer Leichtigkeit und beglückte sein Publikum obendrauf vor der Pause noch mit einer kleinen Zugabe.

Anschließend spielte das Frankfurter Orchester die „Sinfonie Nr.1“ in C-Dur von Georges Bizet. Obwohl er sie bereits mit 17 Jahren komponierte, wurde sie zu seinen Lebzeiten weder aufgeführt, noch gedruckt. Ihre Erstaufführung erfolgte 80 Jahre nach ihrer Entstehung unter Felix Weingartner am 26. Februar 1935 in Basel, seitdem erfreut sich Bizets Sinfonie in ihrer klaren Rhythmik und ihrem optimistischen Tonfall einer ungebrochenen Beliebtheit, wird sogar oft als „junger Geniestreich“ gehandelt. Während der erste Satz noch einer konventionellen Sonatensatzform folgt, lassen das exotisch anmutende Hauptthema des langsamen zweiten Satzes sowie musikalische Eigenheiten des von der Frankfurter Philharmonie fulminant gespielten Finales bereits Bizets stilistische Entwicklung zu seinen späteren Werken, wie etwa der Oper Carmen, erahnen.

Mit Pietro Mascagnis „Intermezzo sinfonico Nr. 7“ aus der Oper „Cavalleria rusticana“ setzten die Frankfurter Musiker einen herausragenden musikalischen Schlusspunkt hinter einen Konzertabend mit einem ausgewogenen Programm, in dem auch die Bläser immer wieder klanglich in den Vordergrund treten durften.

Zusammengesetzt aus überaus passionierten und spielfreudigen Musikern versteht es die Neue Philharmonie Frankfurt hervorragend, aus ihren Instrumenten das letzte Quäntchen Klang herauszukitzeln, ohne je theatralisch zu wirken. Als eines der renommiertesten und erfolgreichsten Crossover-Orchester des deutschsprachigen Raumes stellten sie einmal mehr ihre meisterhafte klangliche und technische Spielkunst unter Beweis.