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Musical "Sherlock" in Erkelenzer Stadthalle

Musical-Thriller in Erkelenzer Stadthalle : Zu viel los bei Detektiv Sherlock Holmes

In dem Musical-Thriller „Sherlock“ löst der Meisterdetektiv seinen wichtigsten Fall. Während Musik, Gesang und Ballett bei der Aufführung in der Stadthalle überzeugten, wirkte die eigentliche Geschichte zu themenüberfrachtet.

Vieles war anders beim Musical-Thriller „Sherlock“ im Rahmen der Theaterreihe der Kultur GmbH in der Erkelenzer Stadthalle. Es gab weder ein Programmheft noch eine Besetzungsliste, weder einführende Worte noch Erklärungen per Beamer. Und zu allem Überdruss entstand nach der ersten Szene der Eindruck, es handele sich nicht um ein Musical rund um den Meisterdetektiv Sherlock Holmes, sondern um ein anderes Musical.

Darum ging es schließlich: Der Fall um die Entführung eines französischen Professors für Luftfahrttechnik wird Sherlocks größter Fall, denn er trifft auf seinen Sohn, von dem er nichts wusste: In den Kriegswirren des Ersten Weltkriegs begegnet Sherlock dem jungen deutschen Spion Peter Müller, der ebenfalls nicht weiß, wer da eigentlich vor ihm steht. Die beiden liefern sich ein Wettrennen, bei dem Peter als Assistent für Sherlock Holmes fungiert, der sich wiederum zu Tode langweilt und den Kokain verfallen ist. Als Arzt von Holmes müsste Dr. Watson ihm den Kokainkonsum verbieten. Als Freund aber duldet er ihn.

Der Meisterdetektiv, Müller und Watson suchen den entführten Spezialisten beziehungsweise eine Tasche mit Dokumenten über die Erfindung eine Wunderwaffe. Ausgerechnet die Doppelagentin Mata Hari, die zugleich die Schwester des Erzfeindes Moriatti von Holmes ist, hat die Tasche ergaunert. Dann verliebt sich Peter noch in Mary, Dr. Watsons Tochter, die ihrerseits die Rolle der Frau in der Gesellschaft beklagt und Freiheitsrechte fordert. Da ist die Themenfülle opulent: Liebe, Patriotismus, ärztliche Fürsorgepflicht, Gleichberechtigung, die Sinnlosigkeit des Krieges, die Leere im Alter.

Nach dem Skript von BBC-Autor Alan Wilkinson und Bettina Montazem lieferte das Ensemble Phoenix aus Köln dieses Musical, bei dem die eigentliche Geschichte themenüberfrachtet und nicht immer in sich schlüssig erschien. Entschädigt wurden die Besucher durch die beeindruckenden Tanz-Szenen der Delattre Dance Company des Choreografen Stéphen Delattre, die einen Großteil der Aufführung ausmachten. Auch die Gesangsszenen und die Musik, für die der Komponist Vladislav Bakhanov verantwortlich zeichnete, wussten in aller Regel zu gefallen, wenngleich nicht alle Texte gut zu verstehen waren. Die sechsköpfige Live-Band unter der Leitung von Erik Arndt hatte sich diskret auf der Bühne im Hintergrund gehalten. In dem schlichten Bühnenbild waren es vornehmlich die oft im Halbdunkel agierenden Tänzer, die die Szenenwechsel einläuteten.

Schauspieler und Blues-Barde Richard Bargel, der Sherlock Holmes verkörperte, hatte mit Claus Wilcke als Dr. Watson einen Begleiter, der mit Witz und Pointen durch das Stück lenkte. Die Rolle der Mata Hari hatte wie bei der Premiere im September Anna Maria Kaufmann übernommen. Sie und alle anderen Darsteller im elfköpfigen Ensemble wussten durchaus gesanglich und schauspielerisch zu überzeugen. Wenn sich die Begeisterung schlussendlich in Grenzen hielt, lag es an der nicht überzeugenden Geschichte in der Inszenierung von Bettina Montazem, die innerhalb weniger Minuten mit einigen Sätzen aufgelöst wird.