Erkelenz: Momente der Erinnerung umgesiedelt

Erkelenz : Momente der Erinnerung umgesiedelt

Das 3,30 Meter hohe Wegekreuz und sieben Bildstöcke aus Immerath sind restauriert und im Umsiedlungsort neu aufgestellt worden. Von "einem der Hauptidentifikationsmerkmale" für Immerath (neu) spricht die Stadt Erkelenz.

Menschen, die Immerath (neu) verlassen, blicken seit einiger Zeit auf ein großes Wegekreuz. Das Hagelkreuz von 1686 ist aus dem alten Ort hinübergeholt worden und bietet in dem Umsiedlungsort wieder einen altbekannten Identifikationspunkt. Mit dem 3,30 Meter hohen Kreuz aus Blaustein sind auch fünf Bildstöcke mit in den Ort geholt worden, zwei folgen noch. "Wir haben mit dem Hagelkreuz für Immerath (neu) nun wieder ein sichtbares Zeichen für diesen Ort aufgestellt", sagt Jürgen Schöbel, bei der Erkelenzer Stadtverwaltung für Fragen der Tagebauumsiedlung zuständig.

Viele historische Erinnerungen besitzt der Umsiedlungsort zurzeit nicht, der wegen des nahenden Tagebaus Garzweiler II entstanden ist. Umso wichtiger sind die Bilderstöcke, auch Fußfälle genannt, und das Hagelkreuz. Sie sind den Menschen aus den Altorten bekannt. Mit ihnen sind sie groß geworden. Und deshalb war es für eine Reihe von Dorfbewohnern keine Frage, dem Aufruf der katholischen Kirchengemeinde St. Lambertus Immerath zu folgen. Sie hatte gefragt, wer sich vorstellen könne, einen der Fußfälle auf seinem Grundstück für alle Menschen sichtbar aufzustellen und diesen in Zukunft zu pflegen.

Es fanden sich Menschen, und RWE Power übernahm die Restaurierung der steinernen Denkmäler. Sie wurden in Immerath (alt) abgebaut und in Immerath (neu) wieder aufgestellt, nachdem sie bei einem Steinmetz in der Werkstatt waren. Von "konservierten Zeitzeugnissen" und "einem der Hauptidentifikationsmerkmale, die aus dem alten Ort im Original übernommen worden sind", spricht Ansgar Lurweg, der Technische Beigeordnete der Stadt Erkelenz. Die zwei noch fehlenden Fußfälle seien ebenfalls restauriert, würden aber noch beim Steinmetz gelagert, bis die Grundstücke, für die sie vorgesehen sind, hergerichtet worden sind. Im Ort sind die Bilderstöcke so aufgestellt, dass sich wieder ein Prozessionsweg ergibt, der daran vorbeiführt. Damit auch das große Hagelkreuz angebunden werden kann, soll im Herbst der Fußweg, der um Immerath (neu) herumführt, noch bis dorthin verlängert werden. Jede der sieben Stationen, die künftig wieder abgegangen werden können, soll die Menschen zum Beten anregen. "Hier werden, so ist es Brauch, Fürbitten für Sterbende oder Verstorbene gesprochen", erklärt Jürgen Schöbel. Fußfälle seien die ältesten Formen des Kreuzwegs, lässt er wissen.

In den 2,40 Meter hohen Sandsteinblöcken von 1784 in Immerath (neu) sind Nischen eingearbeitet, in denen Bilder oder Figuren ihren Platz haben. So am Ortseingang nahe dem Hagelkreuz, wo in dem Bilderstock Maria mit dem Jesuskindchen im Arm auf einem Esel sitzend abgebildet ist. Josef steht ihr zur Seite, und König Herodes, der die Menschen zu einer Volkszählung aufgefordert hatte, ist ebenfalls angedeutet. "Immerath ist der einzige Ort in Erkelenz, in dem es Fußfälle in dieser für die Kirche bedeutenden Zahl sieben gibt", betont Schöbel. Diese wurden den Menschen in der neuen Heimat nun wieder zugänglich gemacht.

FRAGE DES TAGES SEITE C 2

(RP)
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